Berlin
Gut besucht: Der Transgeniale CSD 2010
Die Demonstration verlief friedlich, in der Nacht kam es jedoch zu homo- und transphoben Übergriffen
© Guido Woller
SIS 27.6.2010 – Lag es an Judith Butlers Aufruf vor einer Woche, lag es daran, dass es keine Konkurrenz durch den „großen” CSD gab oder einfach am Wetter? (siegessaeule.de berichtete über den Eklat um Judith Butler) Der Transgeniale CSD gestern in Kreuzberg und Neukölln war jedenfalls so gut besucht wie noch nie. Deutlich mehr als die von der Polizei geschätzten 5.000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen folgten der Demonstrationsroute vom Rathaus Neukölln über Hermannplatz und Kottbusser Tor bis zur Oranienstraße und feierten dort bis spät in den Abend mit verschiedenen Show-Acts und Redebeiträgen (Moderation: Gloria Viagra und Stefanie Gras).
Der Transgeniale CSD stand unter dem Motto „Gewaltige Zeiten – gewaltiger queerer Widerstand”, er kritisierte Militarismus, Homo- und Transphobie weltweit, Rassismus und Gentrifizierung. In den letzten Tagen hatte sich um den Aufruf des Transgenialen CSD eine Online-Diskussion entsponnen – der TeilnehmerInnenzahl am TCSD tat diese jedoch offensichtlich keinen Abbruch.
Die Demonstration und Abschlusskundgebung verliefen weitestgehend ruhig, ein Polizeisprecher erklärte: „Es gab einen Platzverweis und eine Person leistete Widerstand gegen Beamte.”
Nicht so ruhig verlief die folgende Nacht, in der es zu wiederholten homo- und transphoben Übergriffen kam. Gegen 23 Uhr zogen vier junge Männer durch den Volkspark Friedrichshain und fragten Passanten, ob sie schwul seien. Die Antwort warteten sie jedoch nicht einmal ab und schlugen gleich zu. Mindestens vier Personen wurden auf diese Weise innerhalb von zehn Minuten von ihnen angegriffen und erlitten durch Schläge und Tritte Verletzungen im Gesicht und am Oberkörper.
Ein Polizeisprecher erklärte, dass alle Opfer die Schläger unabhängig voneinander gleich beschrieben haben: „Es war von vier Männern die Rede, wobei der Anführer als westeuropäischer, athletischer Typ geschildert wurde, der mit Berliner Akzent sprach.” Die Täter blieben ansonsten unerkannt.
In der Nacht zuvor hatte es in Lichtenberg bereits einen transphoben Übergriff gegeben: Eine 25-jährige Person war gegen 2.50 Uhr an der Landsberger Allee aus einer Gruppe heraus angepöbelt und geschlagen worden. Die verletzte Person konnte sich befreien und flüchtete in eine Bar. Die Angreifer entkamen auf Fahrrädern. Die Polizei prüft, ob es einen Zusammenhang zwischen den Taten gibt.
Malte Göbel
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