Siegessäule - 40 Jahre HAW – „Zufrieden mit dem, was wir erreicht haben“

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40 Jahre HAW – „Zufrieden mit dem, was wir erreicht haben“


Egmont Fassbinder, Pionier der West-Berliner Homo-Bewegung, im Interview zu 40 Jahren „Homosexuelle Aktion West-Berlin“

© TB Egmont Fassbinder

siegessaeule.de 4.9.2011 – In den 1970ern sorgten Schwulen-Demos  auf dem Ku’damm noch für einen Skandal. Auf Plakaten forderten die Teilnehmer dem Zeitgeist entsprechend: „Homosexuell, ob ja, ob nein – im Klassenkampf heißt’s solidarisch sein!“ Egmont Fassbinder ist einer der Veteranen der West-Berliner Homo-Bewegung. 1971 war er Mitgründer der Homosexuellen Aktion Westberlin (HAW), deren Ursprünge in den Diskussionsrunden lagen, die nach den Vorführungen von Rosa von Praunheims Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ im Kino Arsenal geführt wurden. Aus der Gruppe, die sich 1999 aufgelöst hat, ging auch das SchwuZ hervor. Im Interview spricht er über verklemmten Sex, Prügeleien mit Kommunisten und seine Enttäuschung über modernes 68er-Bashing.

Vor 40 Jahren wurde in Zusammenhang mit Vorführungen von Rosa von Praunheims Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt“ die HAW gegründet. Beim Praunheim-Film gab‘s den Vorwurf der Nestbeschmutzung. Wieso?
Egmont: Die Praunheim zeigte in ihrem Film Sachen, die Schwule zwar gerne tun, aber nicht gerne zeigen. In manchen Szenen, etwa im Park, hat Praunheim zum Beispiel den Ton ausgemacht. Das hat für uns damals etwas Beklemmendes gehabt.

Was meinst du damit?
Das man so stumm umeinander rumschleicht, sich nicht in die Augen schaut. Man möchte zwar Sex, aber man möchte den anderen eigentlich gar nicht berühren. Das war geradezu grotesk.

Glaubst du, dass ihr die Lage zum Positiven verändert habt?
Es hat sich meiner Ansicht nach sehr vieles zum Positiven verändert. Mit 15 und 16 werden Schwule wahrscheinlich immer noch diese Coming-Out-Angst haben.  Aber sie ist nicht mehr so begründet wie das in unserer Zeit war. Damals war es so, dass du dir nicht vorstellen konntest, dass du noch die Füße auf den Boden kriegst, wenn irgendjemand wusste, dass du homosexuell bist. Man hatte Angst, dass einen die Leute auf der Straße totschlagen.

War es so extrem?
Wenn man sich Bilder von Demonstrationen aus der Zeit anschaut, sieht man bei den Berlinern erst mal ziemlich böse Gesichter. Aber wir sind dabei auch angegriffen worden von Leuten von der SEW (Sozialistische Einheitspartei Westberlin), dem Westberliner Pendant der SED. Einer hat versucht, mir das Transparent aus der Hand zu reißen. Als ich angegriffen wurde, habe ich kräftig zugeschlagen. Und ich war sehr zufrieden mit mir - aber auch sehr erstaunt, weil ich nie vermutet hätte, dass ich sowas könnte.

Ist denn politisch alles erreicht, brauchen wir noch eine Schwulenbewegung?
Man braucht grundsätzlich eine Bewegung, damit Sachen nicht mehr zurückfallen. Wir können nicht sagen: Wir haben alles erreicht.

Bist du enttäuscht von jungen Schwulen?
Manchmal, wenn ich höre, wie Leute sagen: „Ach, diese alten 68er!“ Wir, die sogenannten 68er, haben sehr viel dafür getan, dass die Gesellschaft heute sehr viel angenehmer ist, als sie es in meiner Jugend war. Die Leute können sich ja gar nicht vorstellen, wie repressiv das war. Als ich meinen Eltern erzählt habe, dass ich homosexuell bin, sagte mein Vater, der von Beruf Arzt ist: „Jaja, die Hormone.“ Aber letztendlich haben sich mich deswegen enterbt.
Text u. Interview: Tobias Sauer

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Kommentare


Lieber Egmont, sei gegrüsst! Schön, mal wieder was über Dich zu hören. Tja, die Junghomos mit ihrer Geschäftigkeit unterliegen eben dem heterosexuellen Irrtum, dass sich Toleranz und Akzeptanz (ich mag es nicht hören!) genetisch vererben würde bei den Heteros. Sie sind zu faul, jede Generation neu zu therapieren und die Jungs zum frühen coming out zu bewegen. Denn Heteros verstecken ihre Mädels auch nicht im Keller und sie prahlen gar mit ihren Ficks vom Schulhof bis in die Büroetagen! Und wir Idioten nehmen immer noch Rücksicht auf diese schwachen GemüterInnen...

von: Thommen, 10.09.2011 11:33 Uhr

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