Siegessäule - Berlin Festival: mehr Musik als man verkraften kann

Berlin

Berlin Festival: mehr Musik als man verkraften kann


Ein Festival der Superlative, aber noch ohne echtes „Wir-Gefühl“

Hercules And Love Affair beim Berlin Festival im Flughafen Tempelhof, 9.9.2011

siegessaeule.de 12.9.2011 – Das Berlin-Festival, eingebettet mit neuem Konzept in die Berlin Music Week, bleibt für viele Musikfans noch immer nicht richtig einzuordnen. Aber es kommt auf jeden Fall als Festival der Superlative daher. Über 70 Bands und DJs spielten an zwei Tagen am vergangenen Wochenende auf drei riesigen Bühnen auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof, in einer Art überdachten open-air-Atmosphäre in diversen Flugzeug-Hangars mit Blick aufs Rollfeld. Darüberhinaus wurde nachts in der Arena weitergetanzt und performt. Genauso unübersichtlich wie die Eingangssituation und das Line-up stellte sich auch die Stimmung des Festivals dar. Euphorie über das breite Angebot und die fantastische Location des Flughafens machte bald der Ernüchterung über generell etwas uninspirierte Auftritte und ein sich immer wieder zerstreuendes Publikum Platz.

Wo bleiben die Berlinerinnen und Berliner eigentlich?

Am Freitag war klar der Tag der queer Bands mit Austra, CSS und Hercules and Love Affair – die alle drei leider enttäuschten. Austra waren etwas zu statisch und sakral, CSS konnte leider musikalisch so gar nicht überzeugen und offenbart live vor allem stimmliche Schwächen der Sängerin und Hercules and Love Affair schließlich – die von ihrer Besetzung her sicher spannendste Band – kennt leider nur einen, wenn auch guten, Rhythmus. Auch viele andere Bands spielten ein bisschen ins Off und das gewünschte „Wir-Gefühl“ eines Festivals blieb leider aus. Seltsamerweise scheint das Publikum – immerhin kamen 15.000 an den beiden Tagen – überwiegend aus ausländischen Gästen zu bestehen. Bei den Berlinerinnen und Berlinern ist „ihr“ Festival noch immer nicht richtig angekommen.

kay