Siegessäule - Blumensträuße und mehr: Danke Micha!

Berlin

Blumensträuße und mehr: Danke Micha!


Geburtstags- und Abschiedsparty für Micha Unger vom Sonntagsclub am 16.12., ab 19 Uhr

siegessaeule.de 16.12.2011 – Michael „Michi“ Unger vom Berliner Sonntags-Club wird 65. Das Urgestein des Vereins verabschiedet sich am 16. Dezember mit einer Party. Siegessäule-Autor Martin Reichert und das ganze Team von Siegessäule und siegessaeule.de sagen vorab schon mal „Danke und alles Gute!“

Die Protagonisten der zweiten deutschen Schwulenbewegung gehen auf das Rentenalter zu – so auch Michael Unger, der über 20 Jahre das Gesicht des Ostberliner Sonntags-Clubs war. Dort steigt auch eine große Geburtstags- und Abschiedsparty für den langjährigen Geschäftsführer jenes Vereins, der eine Art Leuchtturm der queeren Szene Ost war und weiterhin ist: Die legendären und eben längst historischen Vorwendezeiten mit Burgfrieden, Café Schönhauser und Klappe am Alex mögen schon lange vorbei sein – der Sonntags-Club ist noch da und mit ihm viele Frauen und Männer, die bewegte Zeiten hinter sich haben.

Frauen und Männer? Ja eben: Im Osten kämpften Schwule und Lesben von Anfang an Seite an Seite. Michael Unger engagierte sich schon in frühen Tagen für die Rechte von Schwulen, Lesben und Transgendern. In den 70ern war er Mitglied der HIB, der „Homosexuellen Interessengemeinschaft Berlin. Bürgerrechtsgruppe zur Erreichung der Emanzipation für Lesben, Schwule und Trans in der DDR“ – ­gemeinsam mit Charlotte von Mahlsdorf, in deren berühmter Keller-Bar diskutiert und organisiert wurde. Bis die Staatssicherheit diesem emanzipativen, vom Ringen mit starren Behörden und Ministerien geprägten Treiben im Jahr 1979 ein Ende machte. Auch wenn die Stasi stets an den Fersen blieb: Der Sonntags-Club war nicht totzukriegen, in den 80ern traf man sich jeweils an Sonntagen an wechselnden Orten, zum Beispiel im Jugendclub Veteranenstraße.

Vom Rundfunk der DDR zum Sonntagsclub: Micha Unger brachte die Szene zusammen

Stets mit dabei: Michael Unger, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen. Nach der Wende machte Unger gleich weiter, wo er aufgehört hatte. Wenn auch unter anderen Umständen: Seinen bisherigen Job beim Fernsehen und Rundfunk der DDR in Berlin-Adlershof war er nach dessen Abwicklung erst mal los. Stattdessen wurde er im Rahmen einer ABM-Stelle hauptberuflicher Mitarbeiter des Sonntags-Clubs e. V., damals noch in der Rhinower Straße beheimatet. Als Erstes organisierte er im Jahr 1991 die Berliner ILGA-Konferenz mit 150 Teilnehmern. Die Mauer war weg und die ganze Welt zu Gast – und in den nun folgenden Jahren wuchs zusammen, was zusammengehörte. Also auch die von der Westberliner Inselmentalität geprägte Szene West und die bislang isolierte Szene Ost.

Auch für dieses Zusammenwachsen, das Entstehen einer ganz neuen, offenen queeren Welt in Berlin, die heute Besucher und Zuzügler aus der ganzen Welt anlockt, steht Michael Unger, der sich voll in die Arbeit stürzte, anstatt sich mit Nischen zu begnügen. Er drehte mit an dem Rad, das den kleinen Ku’damm-CSD in den 90ern innerhalb von zwei Jahren auf eine Großveranstaltung mit 150.000 TeilnehmerInnen wuchtete, und kurbelte die Megapartys auf dem Gelände der Kulturbrauerei an.

Micha Unger: höchstlebendig und umtriebiger „Rentner“

Einiges zu stemmen und zu wuchten galt es auch um die Jahrtausendwende, als der Sonntags-Club in die Greifenhagener Straße umzog – im blauen Overall mit dabei: Michael Unger. Im Jahr 2008 gab es dafür, selten genug in den Kreisen schwul-lesbischer Helden der Bewegung, einen Blumenstrauß. Er bekam den Zivilcourage-Preis des Berliner CSD verliehen.
Mögen Preise auch manchmal wie Grabplatten sein – insbesondere solche, die für das Lebenswerk verliehen werden –, so gab Michael Unger auch jetzt keine Ruhe. Er widmete sich der Erforschung queeren Lebens in seinem Heimatbezirk, der heute Pankow heißt. Gelder mussten lockergemacht und dicke Bretter gebohrt werden, aber am Ende hat es mal wieder geklappt. Im Jahr 2009 erschien im Bruno Gmünder Verlag das Geschichtsbuch „Verzaubert in Nord-Ost: Endlich erzählte Geschichte“, herausgegeben vom Sonntags-Club. Die gleichnamige Ausstellung im Schwulen Museum lockte über 4000 Besucher an.

Nun ist Michael Unger im zarten Alter von 65 Jahren längst selbst ein Stück Geschichte. Dass er trotzdem höchstlebendig ist, beweist immer wieder sein berühmtes Lachen, das die Gläser auf dem Tisch vibrieren lässt.

Blumensträuße, Gratulationen und gute Wünsche sind abzuliefern am 16. Dezember bei „Micha wird 65! Wir feiern ­zusammen“,
19 Uhr, Sonntags-Club, Greifenhagener Str. 28