Berlin
Braucht Berlin eine neue Schwulensauna?
Boiler-Geschäftsführer Tim Vogler über Wellness, Sex und schwules Engagement. Am 3.9. eröffnet der Boiler
Boiler Geschäftsführer Guido César (li.) und Tim Vogler
Siegessaeule.de 1.9.2011: Tim, wieso braucht Berlin eine vierte schwule Sauna?Tim: Berlins Saunalandschaft definiert sich größtenteils über Sex. Wir wollen den umgekehrten Weg gehen: Wir sind eine Sauna für Männer, natürlich mit diversen Rückzugsmöglichkeiten, aber der Wellness-Aspekt ist uns sehr wichtig.
Berlin gilt bislang nicht als schwule Saunastadt ... Genau das wollen wir ändern. Wir zielen auf die Männer, die sich in der Saunalandschaft bislang nicht wiederfinden und Saunieren neu für sich entdecken. Ich glaub nicht mal, dass wir anderen Saunen Publikum abziehen.
„Schwulensauna“ klingt leicht anachronistisch, ist so etwas überhaupt noch zeitgemäß? Eine Sauna aus den 70ern, Schwitzkabine, Fußbad und irgendwo ‘ne dunkle Ecke, sicher nicht. Eine Männersauna braucht heute vielfältige Angebote: Massage, Internetterminals, Außenbereich, schöne Gastronomie, wo man Leute treffen kann. Das ist gefragter denn je.
Und damit wollt ihr all den Berliner Sex-Locations Paroli bieten? Das ist ein anderes Segment. Ein Darkroom ist was völlig anderes als eine Wellness-Sauna. Natürlich, Schwule klüngeln gerne rum. Sie erwarten auch in einer Sauna Erotik und Gelegenheiten, Sex zu haben – und die bieten wir reichlich.
Wollt ihr auch junges Publikum ansprechen? Ja, für Schüler und Studenten gibt es einen Ermäßigungstarif, aber unsere Zielgruppendefinition ist sehr offen, wir wollen in keine Nische. Jeder soll sich wohlfühlen. Auch beim Personal ist bewusst die gesamte Bandbreite vertreten.
War Kreuzberg eine gezielte Wahl? Wir wollten nicht in Bezirke, wo es schon schwule Saunen gibt, und haben uns in Friedrichshain/Kreuzberg umgeschaut. Die Location am Mehringdamm ist ein Glücksgriff, weil es da schon ein schwules Grundrauschen und tolle andere Läden gibt. Vielleicht wird der Kiez mit uns noch etwas attraktiver.
Ihr wollt euch auch im Kiez einbringen. Was habt ihr vor? Im Schwulen Museum haben wir uns schon engagiert, ich kann mir Kooperationen vorstellen, z. B. mit Bars oder dem BKA-Theater, das ja im selben Haus ist, Ades Zabel war schon bei uns ...
Ades Zabel will auch noch die Sauna bespielen?! Das nicht, aber man kann ja über gemeinsame Aktionen nachdenken.
Ihr wollt euch auch sozial engagieren ... Alle Macher des Boilers kommen aus der schwulen Bewegung, wir wollen auch etwas zurückgeben. Nach der Eröffnungsphase sollen Szeneeinrichtungen an bestimmten Tagen die Möglichkeit haben, ihre Arbeit zu präsentieren, und von den Einnahmen unterstützt werden. Aids-Hilfe und manCheck werden bei uns präsent sein; alle Cruising-Materialien sind natürlich kostenlos.
Ihr macht also am 3.9. sicher auf? Natürlich!
Interview: Volker Surmann
Der Boiler, Mehringdamm 3, Wochentags 12–6 Uhr
Fr 12 Uhr bis Mo 6 Uhr durchgehend geöffnet
Kommentare
Sven, warst du auch beim Preopening? Ich glaub ich hab dich gesehen - verzickt-übelllaunig, in der Ecke herumstehend, ganz allein?
von: Anton, 01.09.2011 19:54 Uhr
Ich habe mir die Location bei der Pre-Opening letztes Wochenende angeschaut. Ich muss sagen, dass ich angenehm überrascht war und der Sauna eine gute Zukunft gebe. Es war Massenabfertigung für 1€, aber so bringt man sich ins Gespräch.
Trotz aller positiven Seiten, meine Kritikpunkte: der Umkleide-Floor hat keine Atmosphäre, Blech-Spinde, wie sie schon McFit abgeschafft hat (und die ganz leicht aufzubrechen sind), Duschen, die dort keiner benutzt und Spiegel nur an einem Ende. Der Bar-Floor ist schön geworden, allerdings werden nur Getränke angeboten. Der Außenbereich ist ein Plus für jede Sauna, neben der Bar aber eher eine Bar-Terrasse, als eine Alternative zum fehlenden Tauchbecken im Winter.
Am Besten ist der untere Floor geworden. Hier hat man sich an der Phoenix in Köln und Essen orientiert und eine Balance zwischen Wellness und Cruising versucht. Die Trockensauna ist zu hell - man sitzt wie aufm Präsentierteller, der große Whirl-Pool bubbert nur an ein paar Stellen.
Mit ein paar Verbesserungen kann der Boiler wirklich seinen Platz in der sonst öden Berliner Saunalandschaft bekommen. Größte Kritik der Besucher: der Preis. Mit 18,50 € doch sehr happig, wenige Ermäßigungen und kaum Besuchersteuerung. Jede andere Sauna hat am Wochenende höheren Andrang und Preise als unter der Woche. Denke, darüber sollte man nochmal nachdenken.
von: Wolf, 01.09.2011 16:24 Uhr
oje, da hatte ein kommentator aber schlechte laune. ;-)
vorschläge für sinnvollere fragen ???? fehlanzeige !!!!!
von: mic, 01.09.2011 14:33 Uhr
gleich die erste Frage ist sooo geistreich!
Wieso braucht Berlin 1000 Kaisers-Filialen? Wieso braucht Berlin soviele Museen?
und so geht es weiter - Wollt ihr Junges Publikum anziehen? NEIN, nur alte Kerle!!!
war Kreuzberg eine gezielte Wahl? NEIN, wir wollten eigentlich nach Spandau in die Altstadt...
wollt ihr euch sozial engagieren? NEIN, wir sind wie etwas 50 Badehäuser/Saunen nur kommerziell ausgerichtet.
ihr macht ganz sicher am 3.9. auf? NEIN, das war alles nur ein SCHERZ!
Danke für die Unterhaltung Hr. Surmann!
von: Sven, 01.09.2011 11:02 Uhr
Sven, warst du auch beim Preopening? Ich glaub ich hab dich gesehen - verzickt-übelllaunig, in der Ecke herumstehend, ganz allein?
von: Anton, 01.09.2011 19:54 Uhr
Ich habe mir die Location bei der Pre-Opening letztes Wochenende angeschaut. Ich muss sagen, dass ich angenehm überrascht war und der Sauna eine gute Zukunft gebe. Es war Massenabfertigung für 1€, aber so bringt man sich ins Gespräch.
Trotz aller positiven Seiten, meine Kritikpunkte: der Umkleide-Floor hat keine Atmosphäre, Blech-Spinde, wie sie schon McFit abgeschafft hat (und die ganz leicht aufzubrechen sind), Duschen, die dort keiner benutzt und Spiegel nur an einem Ende. Der Bar-Floor ist schön geworden, allerdings werden nur Getränke angeboten. Der Außenbereich ist ein Plus für jede Sauna, neben der Bar aber eher eine Bar-Terrasse, als eine Alternative zum fehlenden Tauchbecken im Winter.
Am Besten ist der untere Floor geworden. Hier hat man sich an der Phoenix in Köln und Essen orientiert und eine Balance zwischen Wellness und Cruising versucht. Die Trockensauna ist zu hell - man sitzt wie aufm Präsentierteller, der große Whirl-Pool bubbert nur an ein paar Stellen.
Mit ein paar Verbesserungen kann der Boiler wirklich seinen Platz in der sonst öden Berliner Saunalandschaft bekommen. Größte Kritik der Besucher: der Preis. Mit 18,50 € doch sehr happig, wenige Ermäßigungen und kaum Besuchersteuerung. Jede andere Sauna hat am Wochenende höheren Andrang und Preise als unter der Woche. Denke, darüber sollte man nochmal nachdenken.
von: Wolf, 01.09.2011 16:24 Uhr
oje, da hatte ein kommentator aber schlechte laune. ;-)
vorschläge für sinnvollere fragen ???? fehlanzeige !!!!!
von: mic, 01.09.2011 14:33 Uhr
gleich die erste Frage ist sooo geistreich!
Wieso braucht Berlin 1000 Kaisers-Filialen? Wieso braucht Berlin soviele Museen?
und so geht es weiter - Wollt ihr Junges Publikum anziehen? NEIN, nur alte Kerle!!!
war Kreuzberg eine gezielte Wahl? NEIN, wir wollten eigentlich nach Spandau in die Altstadt...
wollt ihr euch sozial engagieren? NEIN, wir sind wie etwas 50 Badehäuser/Saunen nur kommerziell ausgerichtet.
ihr macht ganz sicher am 3.9. auf? NEIN, das war alles nur ein SCHERZ!
Danke für die Unterhaltung Hr. Surmann!
von: Sven, 01.09.2011 11:02 Uhr
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