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Der LSVD wird 20!


Vom Schwulenverband der DDR zur UN Beratungsorganisation – Günter Dworek über alte und neue Ziele des Lesben- und Schwulenverbandes

© Tanja Schnitzler Günter Dworek, im Vorstand des LSVD

SIS 6.4.2010 – Am 9. April findet der offizielle Festakt „20 Jahre LSVD“ in der Landesvertretung Baden-Württemberg statt. LSVD Vorstand und frühes Mitglied Günter Dworek erzählt im Interview von den Anfängen noch in der DDR und einer gesamtdeutschen Karriere

SIS: In welchem Umfeld wurde der LSVD vor 20 Jahren gegründet?

Günter Dworek: Der SVD wurde am 18. Februar als Schwulenverband in der DDR in Leipzig gegründet. Er ist aus der ostdeutschen Bürgerrechtsbewegung hervorgegangen, in der sich auch schwule Männer unter dem Dach der Kirche organisiert hatten. Gründungsvater war Eduard Stapel, der seit Anfang der 80er-Jahre Schwulenarbeit in der DDR aufgebaut hat.

Euer Verband ist eines der wenigen Ostprodukte, die gesamtdeutsch Karriere machen konnten. Richtig, bei uns lief die Vereinigung andersrum. Der SVD wurde aus der Demokratiebewegung in der DDR heraus gegründet und entfaltete schnell auch Attraktivität für Westdeutsche, der bundesweite Anspruch wurde auf unserem ersten Verbandstag im Juni 1990 formuliert.

Damals haben sich Volker Beck und du noch beim Bundesverband Homosexualität (BVH) engagiert. Wie konnte euch der SVD von sich überzeugen? Mit einem guten Programm, das eine bürgerrechtliche Orientierung und das Ziel hatte, Lesben und Schwulen die Möglichkeit zu geben, selbstbestimmt und mit gleichen Rechten zu leben. Unabhängig von heterosexuellen Normen und Schranken, die ihnen die Gesetzgebung auferlegte.

Anders als der BVH habt ihr euch für die Homo-Ehe ausgesprochen, warum? Das Recht auf Heiraten ist ein ausschlaggebender Indikator und Motor für gesellschaftliche Akzeptanz. Unabhängig davon, wie man persönlich zur Ehe steht, war das ein wichtiges Anliegen des SVD, beim Bundesverband Homosexualität hingegen war es sehr umstritten.

Als der LSVD 1992 die Aktion Standesamt startete, stand Homosexualität noch im Strafgesetzbuch! Ja, das war schon eine schizophrene Situation. Wir forderten die rechtliche Anerkennung von Lebenspartnerschaften, während wir noch dabei waren, den Paragrafen 175 endgültig wegzuboxen. Es hat sich aber gelohnt, beides parallel anzugehen.

Die Ehe ist immer noch nicht ganz geöffnet ... Dass die Lebenspartnerschaft noch nicht voll gleichgestellt ist, liegt am Föderalismus. Wir können nicht wie in Spanien rechtlich alles mit einem Wupps gleichstellen, sondern müssen auch den Bundesrat und 16 Bundesländer überzeugen. Das zieht sich, aber wir sind nahe dran.

Volker Beck und du, beide grüne Politiker, zählen zu den Urgesteinen des LSVD. Wie hat sich die Nähe zu den Grünen inhaltlich ausgezahlt? Die Grünen haben erfreulicherweise viele Positionen, die der LSVD vertritt, übernommen und ins Parlament getragen. So rum war’s. In den Gründungsjahren sind wir nahezu ausschließlich bei den Grünen auf offene Ohren gestoßen. Da war es fast unmöglich, bei einem CDU-­Poli­tiker einen Termin zu unseren Themen zu bekommen. Das ist heute anders. Wir versuchten aber von Anfang an, mit allen Parteien zusammenzuarbeiten.

Was ist dran an dem Vorwurf, die Grünen hätten den LSVD mitfinanziert? Nichts, bis auf einen Punkt: Die Grünen sind eine unserer 100 Mitgliedsorganisationen und zahlen somit wie alle einen Mitgliedsbeitrag. Das macht uns aber nicht reich. Wir finanzieren unsere Verbandsarbeit aus Eigenmitteln, sprich Mitgliedsbeiträgen. Öffentliche Gelder wollen wir nur für zweckgebundene Projektförderung.

1999 wurdet ihr auch lesbisch, warum erst im zehnten Jahr? Wir wollten die Trennung schon lange überwinden, haben uns aber nicht recht getraut. Ende der 90er kam eine Gruppe von Lesben auf uns zu. Das war der lang ersehnte Brief. Wir haben sofort Ja gesagt, die Frauen starteten einen Aufruf, bei uns einzutreten, und nach drei Monaten waren wir der LSVD mit einer überarbeiteten Satzung und geändertem Programm.

Ein Blick nach vorn: Hört eure Arbeit auf, wenn rechtlich alles gleichgestellt worden ist? Nein. Aber es wird eine Verlagerung der Schwerpunkte geben, insbesondere in den Bereich der Antihomophobiearbeit. Wir wollen, dass die erkämpften Rechte im Alltag ohne Einschränkungen gelebt werden können, dass überall akzeptiert wird: Lesben, Schwule und Transgender sind Teil der gesellschaftlichen Normalität. Auch die Bedeutung der internationalen Menschenrechtsarbeit wird zunehmen. Seit 2006 sind wir offiziell anerkannte Berater der UN, und wir fordern die Bundesregierung auf, das Thema Lesben, Schwule und Transgender stärker in ihre Menschenrechts- und Entwicklungshilfepolitik zu integrieren. Aufgrund unserer Geschichte steht deutsche Politik hier in einer besonderen Verantwortung.
Interview: Sirko Salka

9. April, Festakt „20 Jahre LSVD“ in der Landesvertretung Baden-Württemberg, die Anmeldefrist ist abgelaufen, Anmeldungen nur noch auf Warteliste möglich

www.lsvd.de


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