Siegessäule - Einreiseverbot oder Dialog – wie geht man mit homophoben Reggeamusikern um?

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Einreiseverbot oder Dialog – wie geht man mit homophoben Reggeamusikern um?


Bei einer Podiumsdiskussion gab es heftige Diskussionen zwischen Vertretern der Szene und der Musikindustrie

© Fotokrümel/pixelio.de

SIS 24.2.2010 – Reggae und Homophobie ist ein heiß diskutiertes Thema mit vielen Emotionen und Widersprüchen. Gestern Abend lud die Kulturbrauerei zu einer Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik und Musikindustrie ein. Wie soll man sich angesichts homophober und gewaltverherrlichender Texte im Reggae verhalten? Welche gesellschaftlichen Zusammenhänge führen zu den drastischen Songs – wie zum Beispiel die des Sängerns Sizzla (siegessaeule.de berichtete), die zu Mord und Gewalt an Homosexuellen aufrufen?

Auf dem Podium im Maschinenhaus der Kulturbrauerei saßen einerseits Volker Beck (menschrechtspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen) und Klaus Jetz (Geschäftsführer des LSVD). Auf der anderen Seite waren Klaus Maack (Tourneeveranstalter und Organisator des Summerjam), Eddy Brown (jamaikanischer Musikagent) und Ulli Güldner (freier Musikjournalist) eingeladen. Vor einem hochemotionalen Publikum (um die 150 Interessierte waren gekommen) lieferten sich Vertreter der Musikbranche und der homosexuellen Szene ein heftiges Gefecht. Grund für die mittlerweile verhärteten Fronten war die kurzfristige Absage eines Sizzla-Konzertes im letzten Jahr von Seiten der Kulturbrauerei.

Die meiste Zeit wurde mit gegenseitigen Vorwürfen verbracht. Vor allem Detailfragen zur Absage des Konzertes und zum Reaggae Compassionate Act (Absichtserklärung von Künstlern auf homophobe und gewaltpropagierende Texte zu verzichten) waren heftig umstritten. Auch über die Verantwortung der Künstler für konkrete Angriffe auf Homosexuelle in Jamaika wurde heiß diskutiert.

Volker Beck sprach sich nicht nur für ein Auftrittsverbot diskriminierender Künstler aus, sondern verlangte ein generelles Einreiseverbot. Der LSVD positionierte sich dagegen nicht ganz so drastisch und verlangte einen Dialog mit den Künstlern. Zentral für den LSVD sind vor allem gesellschaftliche und rechtliche Strukturen in Jamaika. Menschenrechte sind schließlich universal und gelten überall und für jeden, somit auch für Homosexuelle.

Die Vertreter aus der Musikszene hingegen sahen sich als Opfer einer Hetzkampagne. Tourneeveranstalter Maack kritisierte nachdrücklich die Verallgemeinerungen bezüglich der gesamten Reggaemusik. Ulli Güldner versuchte Details zu widerlegen, drang aber nicht zum Kern des Problems vor. Erstaunlich kompromissbereit hingegen wirkte Eddy Brown. Als Initiator des Reggae Compassionate Act sieht er die Ausarbeitung eines neuen Dokumentes als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Sein Ziel ist ein gemeinsamer Weg und das gehe nur mit gegenseitiger Toleranz und Respekt.

Dana Müller

hier zum Text des Compassionate Act

 

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Kommentare


Ja das sehe ich ähnlich. Es muss ja nicht undemokratisch sein. Ich denke man kann in einer Demokratie erwarten, dass der Aufruf Homsexuelle zu töten strafbar ist. Schließlich darf ich ja auch zu Recht nicht sagen. "Tötet alle Schwarzen" . Wahrscheinlich darf ich auch nicht sagen: "Tötet alle Nazis". Aber hier (Musikindustrie) geht es, wie so oft, einfach ums Geld. Und ich denke schon, dass die Gesellschaft da ruhig etwas empfindlicher sein sollte.

von: Jörn, 28.04.2010 16:11 Uhr

ich und meine gleichaltrigen Schwestern haben nicht 30 Jahre um unsere Rechte gekaempft um uns dann mit diesen Leuten herumzuaergern. Einreiseverbot und Verbot von Verkaeufen dieser Musik ist, was ich mir wuensche.
Mir ist voellig egal ob das nicht pc oder undemokratisch ist. Ich lebe seit einigen Jahren in London und hier sind schon Schwule ermordet worden und die Moerder haben diese Musik als Ausgangspunkt angegeben, nachden sie gefasst wurden

Michael Kesting

von: Michael Kesting, 20.04.2010 22:54 Uhr

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