Berlin
Entspanntes Fetischfest meets verkrampfte Staatsdiener
Das Fetischfest war ein voller Erfolg – trotz schlechtgelaunter Polizei und Ordnungsamt
© Christian Mentz
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SIS 7.9.2010 – Bei bestem Feierwetter genossen am Samstag rund 15.000 Tausend Männer und Frauen in entspannter Atmosphäre das Folsom-Straßenfest in Schöneberg. Uniformen jeglicher Art, bullige Lederkerle, Doggies, Meister und Sklaven, Gummiwesen und Gayskins machten die Partymeile an der Fuggerstraße Ecke Welserstraße zur wohl ungewöhnlichsten Open-Air-Veranstaltung Berlins. Etwa 15.000 Euro Spendengelder konnten die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz HIV- und andere Projekte sammeln. Wer etwas in den Klingelbeutel gab, bekam einen schicken Folsom-Aufkleber auf die Lederjacke geklebt. Oder, je nachdem, auf die nackte Haut.
Gegen 15 Uhr schob sich dann ein Feuerwehrlöschung mit mehreren Fahrzeugen durch die Menge. Es hatte einen anonymen Anruf gegeben, dass es in einem Hotelkeller brenne, so Jürgen Rentzel von Folsom. Der Stimmung tat das kein Abbruch – im Gegenteil: Nachdem sich herumgesprochen hatte, dass es sich um einen Fehlalarm handelt, wurden die Feuerwehrautos von den Besuchern als willkommene Fotokulisse genutzt.
Ernster wurde die Lage am Stand des Berliner Gesundheitsteams Mancheck: Auf ordnungsamtliche Anweisung hin mussten Aufklärungsbroschüren weggeräumt werden oder wurden teilweise konfisziert. Begründung: Sie zeigten jugendgefährdende Abbildungen. Der Künstler Sepp of Vienna, dessen Fetischakte seit Jahren von Folsom verwendet werden, musste ebenfalls einpacken, und auch bei der Aidshilfe Berlin beanstandeten die Stadtvertreter Präsentationsmaterial.
Daniel Rüster von Folsom Europe ist in der Bewertung der Vorgänge hin- und hergerissen: „Als Veranstalter nehmen wir Jugendschutz sehr ernst, dementsprechend können Fistbilder nicht ausgelegt werden. Auf der anderen Seite halte ich die Maßnahmen aber für überzogen, da es sich um eine explizite Fetischveranstaltung handelte.“
Der ebenfalls anwesende Klaus Lederer, Berliner Landesvorsitzender DieLinke, möchte nun in seiner Funktion als rechtspolitischer Fraktionssprecher das Vorgehen von Seiten der Stadt geklärt haben. Gegenüber Siegessäule.de sagte er: „Bei dem Präsentationsmaterial handelte es sich um eine szenetypische Ansprache an die Zielgruppe, und das ist sinnvoll. Die Flyer wurden ja nicht an Kindergartengruppen verteilt. Vielleicht ruft sexuelle Vielfalt auch gemischte Gefühle hervor, es kann aber nicht sein, dass Polizei und Ordnungsamt das als Grund nehmen, gegen Mancheck vorzugehen.“ Wie Daniel Rüster berichtet, hat das Ordnungsamt ein Verfahren gegen Mancheck angekündigt.
Einer der Folsom-Besucher sagte zu den Vorgängen: „Das ist doch reine Schikane. Die anonyme Feuermeldung kam garantiert von einem empörten Anwohner, und das Ordnungsamt hat doch auf Teufel komm raus nach einem Grund gesucht, die Veranstaltung zu stören“. Wie Jürgen Rentzel erzählt, hat das Ordnungsamt das Vorgehen nachträglich damit begründet, „man habe nur den Kontakt zu den Besuchern gesucht“. Da hätte es für die uniformierten Stadtvertreter sicher auch andere Wege gegeben.
Christian Mentz
Kommentare
Dieser unverhältnismässige Polizeieinsatz (8 Polizisten und POLIZISTINNEN in Kampfanzügen) und ein Ordnungsamtsmitarbeiter, die schwule Bars stürmen sind nur, unter dem Deckmantel des Nichtraucherschutzes, der Anfang vom Ende des schwulen Kiezes. Unter dem Aspekt, dass der Bezirk eine Umwandlung in ein allgemeines Wohnviertel durch eine Änderung des Bebauungsplanes anstrebt, erhält diese Razzia doch gleich einen komplett neuen Blickwinkel. Ziel dieses neuen Bebauungsplanes ist es, aus dem jetzt vermeintlichen Vergnügungsviertel ein hochwertiges Wohngebiet zu entwickeln, mit Mieten, die die bisherigen Bewohner wahrscheinlich dann nicht mehr bezahlen können.
http://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/organisationseinheit/planen/b-plan7-37ba.html
Dann haben nicht nur die Nichtraucher ihre Ruhe......
Die Demontierung der schwulen Szene auch unter Beteiligung einiger Schwulen selbst hat bereits bekonnen. Gratulation !!!!!!
von: Andreas Lorenz, 25.09.2010 11:51 Uhr
von: andi, 26.09.2010 14:15 Uhr
Ich habe den Eindruck, dass sich hier ein Scharfmacher beim Ordnungsamt profilieren will. In dieses Bild passt ja auch die "Nichtraucherschutzrazzia" am letzten MIttwoch (22.9.2010), wo verschiedene Szenekneipen in Schöneberg wie WOOF, Scheune, Prinzknecht u.a. von 10-15 Beamten regelrecht gestürmt wurden, wo unter anderem Gäste aus dem Darkroom gezerrt wurden, ihre Personalien festgestellt wurden, und sie von den Beamten schikaniert wurden. Das ist doch die reine Polizeiwillkür unter dem Deckmäntelchen des Gesundheitsschutzes.
von: Peter, 24.09.2010 16:29 Uhr
Es ist dies ja bereits eine lange Reihe von z.T. bizarren versuchen, gegen Schwule im Kiez überhaupt vorzugehen und den Kiez zu "säubern". Berlin mutiert gerade zu Groß-Lichterfelde - und glaubt ernsthaft, die Welt werde sich auch für dieses vorstädtische Nachtwächter-Idyll weiter interessieren. Ich plädiere für flashmob-Montagsdemos: Zahlreich an der Fugger-, Ecke Eisenacher treffen, die Hosen runterziehen und pendelnden Gliedes "Wir sind das Volk!" die Straße entlang skandieren. An der Ansbacher Hosen wieder hoch und danach gemeinsam einen trinken gehen. Dies allwöchentlich wiederholt, haben wir dann vielleicht bald Zustände wie 1969 in New York und feiern daraufhin irgendwann statt CSD in Folge FSD's - Fugger Straßen Days!
von: Panzerknacker, 13.09.2010 02:09 Uhr
Natürlich selber aktiv werden, einfach zu Wahl gehen und sowas verhindern. Oder sollte man als Privatperson - die Mitarbeiter des Ordungsamtes und der Polizei vom Platz verweisen.
Diese unsäglichen Hinweise auf selber Aktiv werden, stammen aus der Friede Freude Eierkuchen Zeit der Bewegungsgeneration. Hier ging es um Gängelung von Behörden, die sich im HIntergrund gegen eine offene Gesellschaft wehren. Der Satz "ich bin Schwul und das ist gut so" reicht halt nicht.
von: BerlinerBürger, 10.09.2010 12:32 Uhr
Komisch, warum ist immer der schwule Bürgermeister an allem schuld? Selber aktiv werden, anstatt nur zu meckern!
von: harald, 09.09.2010 20:25 Uhr
Na, man könnte auch sagen, daß die ehrenwerten Mitarbeiter des Arm aber Sexy Bürgermeisters sich mal so richtig gegen ihren obersten Dienstherren wehren. Es reicht halt nicht nur eine Schirmherrschaft zu übernehmen und von irgendwelchen bunten Blättern zu lächeln. Als Besucher hatte man den Eindruck auf einer illegalen Party zu sein. Mit einer angeblichen Metropole für Schwulen und Lesben hat dies nix zu tun. Dies ist tiefste Provinz - weiter so Berlin!!!
von: BerlinerBürger, 08.09.2010 13:10 Uhr
Dieser unverhältnismässige Polizeieinsatz (8 Polizisten und POLIZISTINNEN in Kampfanzügen) und ein Ordnungsamtsmitarbeiter, die schwule Bars stürmen sind nur, unter dem Deckmantel des Nichtraucherschutzes, der Anfang vom Ende des schwulen Kiezes. Unter dem Aspekt, dass der Bezirk eine Umwandlung in ein allgemeines Wohnviertel durch eine Änderung des Bebauungsplanes anstrebt, erhält diese Razzia doch gleich einen komplett neuen Blickwinkel. Ziel dieses neuen Bebauungsplanes ist es, aus dem jetzt vermeintlichen Vergnügungsviertel ein hochwertiges Wohngebiet zu entwickeln, mit Mieten, die die bisherigen Bewohner wahrscheinlich dann nicht mehr bezahlen können.
http://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/organisationseinheit/planen/b-plan7-37ba.html
Dann haben nicht nur die Nichtraucher ihre Ruhe......
Die Demontierung der schwulen Szene auch unter Beteiligung einiger Schwulen selbst hat bereits bekonnen. Gratulation !!!!!!
von: Andreas Lorenz, 25.09.2010 11:51 Uhr
von: andi, 26.09.2010 14:15 Uhr
Ich habe den Eindruck, dass sich hier ein Scharfmacher beim Ordnungsamt profilieren will. In dieses Bild passt ja auch die "Nichtraucherschutzrazzia" am letzten MIttwoch (22.9.2010), wo verschiedene Szenekneipen in Schöneberg wie WOOF, Scheune, Prinzknecht u.a. von 10-15 Beamten regelrecht gestürmt wurden, wo unter anderem Gäste aus dem Darkroom gezerrt wurden, ihre Personalien festgestellt wurden, und sie von den Beamten schikaniert wurden. Das ist doch die reine Polizeiwillkür unter dem Deckmäntelchen des Gesundheitsschutzes.
von: Peter, 24.09.2010 16:29 Uhr
Es ist dies ja bereits eine lange Reihe von z.T. bizarren versuchen, gegen Schwule im Kiez überhaupt vorzugehen und den Kiez zu "säubern". Berlin mutiert gerade zu Groß-Lichterfelde - und glaubt ernsthaft, die Welt werde sich auch für dieses vorstädtische Nachtwächter-Idyll weiter interessieren. Ich plädiere für flashmob-Montagsdemos: Zahlreich an der Fugger-, Ecke Eisenacher treffen, die Hosen runterziehen und pendelnden Gliedes "Wir sind das Volk!" die Straße entlang skandieren. An der Ansbacher Hosen wieder hoch und danach gemeinsam einen trinken gehen. Dies allwöchentlich wiederholt, haben wir dann vielleicht bald Zustände wie 1969 in New York und feiern daraufhin irgendwann statt CSD in Folge FSD's - Fugger Straßen Days!
von: Panzerknacker, 13.09.2010 02:09 Uhr
Natürlich selber aktiv werden, einfach zu Wahl gehen und sowas verhindern. Oder sollte man als Privatperson - die Mitarbeiter des Ordungsamtes und der Polizei vom Platz verweisen.
Diese unsäglichen Hinweise auf selber Aktiv werden, stammen aus der Friede Freude Eierkuchen Zeit der Bewegungsgeneration. Hier ging es um Gängelung von Behörden, die sich im HIntergrund gegen eine offene Gesellschaft wehren. Der Satz "ich bin Schwul und das ist gut so" reicht halt nicht.
von: BerlinerBürger, 10.09.2010 12:32 Uhr
Komisch, warum ist immer der schwule Bürgermeister an allem schuld? Selber aktiv werden, anstatt nur zu meckern!
von: harald, 09.09.2010 20:25 Uhr
Na, man könnte auch sagen, daß die ehrenwerten Mitarbeiter des Arm aber Sexy Bürgermeisters sich mal so richtig gegen ihren obersten Dienstherren wehren. Es reicht halt nicht nur eine Schirmherrschaft zu übernehmen und von irgendwelchen bunten Blättern zu lächeln. Als Besucher hatte man den Eindruck auf einer illegalen Party zu sein. Mit einer angeblichen Metropole für Schwulen und Lesben hat dies nix zu tun. Dies ist tiefste Provinz - weiter so Berlin!!!
von: BerlinerBürger, 08.09.2010 13:10 Uhr
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In diesem Bericht ist einiges verzerrt und somit nicht ganz den Tatsachen entsprechend dargestellt. Es mag ja eine "szeneorientiere" Veranstaltung gewesen sein. Sie fand jedoch in der Öffentlichkeit statt. Die Bemerkung: "Bei dem Präsentationsmaterial handelte es sich um eine szenetypische Ansprache an die Zielgruppe, und das ist sinnvoll", schießt weit daneben. Auch in dieser Straße wohnen Kinder/Jugendliche, welche nicht die gesamte Veranstaltungszeit zu Hause bleiben möchten. Dürfen die dann nur mit Scheuklappen durch den Veranstaltungsbereich laufen? Ist es nicht wahrscheinlich, dass in solchen Momenten Kinder/ Jugendliche neugierig gemacht weden? Wer oben erwähntes Material auslegen möchte, sollte sich auch um geeignete Rahmenbedingungen kümmern müssen. Auf einer geschlossenen Veranstaltung hätte das Material keine rechtsgültigen Maßnahmen gegen sich herauf beschworen. In der Öffentlichkeit haben sich jedoch alle an ein Mindestmaß von Anstand zu halten. Oder ist es wirklich erforderlich, bei Minderheiten der Gesellschaft einen toleranteren Maßstab anzusetzen? Hiermit ist keine Diskriminierung gemeint. Die Maßnahmen wären auch bei Mehrheiten angewandt worden. Mein Motto: "Jeder nach seinen Wünschen, soweit damit kein Anderer beeinträchtigt wird." Das oben erwähnten Lippenbekenntnis zum Jugendschutz erscheint mir als Farce, so lange man bei eigenen Veranstaltung nicht gewillt, wirksamen Schutz gegen Jugendgefährdung einzurichten.
von: B B, 03.10.2010 00:00 Uhr