Berlin
Erkennbar schwul: geht das in Schöneberg noch?
Mit drei neuen Läden bringt Andreas Hoffmann Schwung ins schwule Bermudadreieck – trotz so manchem Gegenwind
© Tanja Schnitzler Andreas Hoffmann (li.) im Rosa Curry
SIS 16.12.2010 – Wo einst das Fuggereck residierte – Ecke Fuggerstraße und Eisenacher Straße – ist nun seit 2008 das blond, ein paar Meter weiter gibt es ganz neu den Imbiss Rosa Curry und die Bar Baustelle. Obwohl viele alteingesessene Locations zunehmend Schwierigkeiten mit dem Ordnungsamt oder Polizeikontrollen haben (siegessaeule.de berichtete), scheint es möglich, neue schwule Läden aufzumachen. Ob das so einfach ist, fragten wir Betreiber Andreas Hoffmann im Interview.
SIS: In der letzten Zeit hatten Schöneberger Wirte immer wieder Probleme mit Anwohnerbeschwerden oder nächtlichen Kontrollen durch Ordnungsamt und Polizei. Hattest du auch solche Schwierigkeiten?
Ich bin ja ein Szene-Urgestein und früher war es um einiges leichter, hier einen neuen Laden aufzumachen. Heute muss ich wochenlang die Ämter belagern. Bei den Anträgen für die Baustelle wurde ich sogar gefragt, ob der Laden denn von außen als schwul erkennbar sei, viele Anwohner hätten da ein Problem mit. Und das in Schöneberg! Ich weiß nicht, ob die Ämter einen politischen Willen ausführen oder einfach auf diese beschwerdelustige, neue Bürgerlichkeit reagieren, die hier eingezogen ist. Die Leute wollen im Szenekiez wohnen, aber gleichzeitig nachts ihre Ruhe haben und rufen dann ständig die Polizei. Der Kiez hat es momentan schwer. Ich vermisse den alten Zusammenhalt unter Schwulen sehr, heute diskriminieren sich die Schwulen doch gegenseitig. Etwa wenn Alte oder Ausländer hier in bestimmte Läden gar nicht mehr hineinkommen. Es gibt auch einfach sehr viele sehr unterschiedliche Bewohnergruppen. Ein Quartiersmanagment wäre sehr sehr wichtig für den Stadtteil.
SIS: Welches Konzept verfolgst du mit den drei neuen Locations?
Andreas Hoffmann: Unser Motto für das blond lautet: wir sind absolut nicht-arrogant, wir sind sympathisch, wir diskriminieren niemanden. Es soll eine Wohlfühllounge für alle sein, egal ob jung, alt oder whatever. Etwas derber wird es in der Baustelle zugehen, wir bauen den Laden je nach Anlass um, daher der Name. Edle Dinnerabende finden dort ebenso statt wie Naked-Sex-Partys. Und wir freuen uns immer über Show-Ideen, die Gäste uns anbieten. Wer ein Programm auf unsere Bühne bringen will, kann sich gerne melden!
Auf halben Weg ist dann noch das „rosa Curry“, der kleinste Imbiss, den ich je betreten habe.
Toll nicht? Da reichen schon ein paar Gäste und es ist Stimmung. Wir stellen im Kiez eine Alternative neben die Dönerläden, kochen immer frische Tagesgerichte, Kohlrouladen, Gulasch, eher deftige Sachen, und unsere wirklich sehr rosa Currywurst.
Interview: Christian Mentz
Kommentare
@BerlinerBürger
Die, von mir erwähnte, Schlägerei am Alexanderplatz hat ursächlich nichts mit der Kriminalität in Nord-Schöneberg zu tun. Ich wollte damit ausrücken, dass auch dort, wie an anderen 'Vergnügungszentren', Menschen leben, die Lärm und diverse Zumutungen anderer Art ertragen müssen, mir ist aber nicht bekannt, dass dort auf die Vorkommnisse mit Polizeikontrollen der Vergnügungsbetriebe reagiert wird. Da kann ich aber nur mutmaßen und die Reaktion auf Ihr Posting hatte bei mir eher emotionale Gründe; weiterhin glaube ich nicht, dass ich Ihnen meinen Standpunkt verständlich machen kann - völlig unterschiedliche Sichtweisen. Obwohl ich die Angebote der Szenebetriebe nie bis sehr selten in Anspruch nehme, kann ich doch die Verunsicherung durch die Kontrollen verstehen. Ob manche Zugehörige von Minderheiten (zu) sensibel auf Anzeichen einer vermeintlichen oder tatsächlichen Diskriminierung reagieren, damit haben sich einige Soziologen und andere Wissenschaftler beschäftigt ohne zu einem eindeutigen Ergebnis zu kommen. Ich kann nur aus meiner Erfahrung als älterer Schwuler, der aus der süddeutschen Provinz eingewandert ist, argumentieren. Ich bin froh, dass es ein Schöneberg mit den Szeneläden gibt, in dem ich offen leben kann und will nie wieder in ein '...du kannst ja schwul sein aber sprich nicht darüber...' zurück.
von: alabaster, 20.12.2010 09:39 Uhr
@alabaster
Vielleicht war meine Formulierung etwas zweideutig. Mein Ansinnen ist, daß die Polizei natürlich nicht nachts die Kneipen durchsucht, sondern sich um die Sicherheit im öffentlichen Raum bemüht. Dies ist ja nicht nur im Sinne von Schwulen, sondern im Allgemeinen für alle Menschen, die sich nachts in dem Umfeld aufhalten. Was hat eine Schlägerei auf dem Alexanderplatz, mit den Verhältnissen an der Ecke Eisenacher und Fuggerstr. zu tun. Desweiteren, keiner soll sich unsichtbar machen, sondern es gibt immer Wege für ein angenehmes Zusammenleben. Falls aber eine Seite gewisse Dinge überstrapaziert, wird die andere Seite entsprechend reagieren.
von: BerlinerBürger, 19.12.2010 22:38 Uhr
@BerlinerBürger
Das sehe ich ganz anders, schließlich bin auch ich ein dort ansässiger Bürger und ich finde nicht, dass die stattfindende Kriminalität Durchsuchungen der Szeneläden rechtfertigt. Da werfen Sie Tatbestände in einen Topf, die getrennt werden müssen. Heute Nacht haben sich am Alexanderplatz Jugengruppen Schlägereien geliefert, dann müssten nach Ihrer Logik die Cafes und Bars dort ebenfalls polizeilich durchsucht werden. Ich kann und will mich nicht zum Sprecher der sehr heterogenen Schöneberger Schwulenzene aufschwingen aber ich finde weder dass die Szene dort Schuld an der Kriminalität trägt noch dass sie eine Bringschuld gegenüber den dort wohnenden Bürgern hat. Das hört sich für mich an, als ob Schwule nur geduldet werden können, wenn sie sich möglichst unsichtbar machen. Nebenbei bemerkt fährt die Polizei dort Streife. Außerdem können Sie nicht beurteilen ob Zeuge oder Opfer eines Übergriffs war.
von: alabaster, 19.12.2010 21:01 Uhr
@alabaster
Alleine schon der Satz "sicher gab es da brutale Übergriffe" zeugt doch schon von einer Sichtweise, die den üblichen Mechanismus der Verdrängung zeigt. Vermutlich wird sich dies ändern, wenn man selber schon die Erfahrung eines Überfalls miterlebt hat. Die immer wieder hervorgebrachte These, daß die Immobilienbranche den Bezirk erobern will, ist auch wieder so ein Ansatz, um die Szene als "Opfer" darzustellen.
Die dortige Szene wird vielmehr durch das Zulassen der jetzigen Zustände geschadet. Jeder der dort Opfer von Raub und Überfall wird, muß dies auch öffentlich machen, damit auch entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Es muß politisch dafür Sorge getragen werden, daß die Polizei nicht nur die Läden nachts durchsucht, sondern auch die Strassen entsprechend bestreift, um eine gewisse Ruhe zu erzeugen.Dadurch wird die Angriffsfläche, der dort wohnenden Bürger, gegenüber der Schwulenszene minimiert.
von: BerlinerBürger, 19.12.2010 20:41 Uhr
Ich wohne seit vielen Jahren in der Eisenacher Str. und bin, auch nachts, öfters im sog. Bermudadreieck unterwegs. Sicherlich sind da Stricher unterwegs, wahrscheinlich auch einige aus Osteuropa und es gab auch brutale Übergriffe aber dennoch habe ich mich in der Gegend immer sicher gefühlt obwohl ich eher ein ängstlicher Mensch bin. Die Beschreibungen des Areals von BerlinerBürger scheinen mir übertrieben und schaden der Szene die dort seit Jahren bis Jahrzehnten ansässig ist. Die Gegend wird zunehmend attraktiver für die Immobilienbranche und Straftaten werden gerne aufgegriffen um die Schwulenszene zu diskreditieren und zurückzudrängen. In den nichtschwulen Vergnügungsvierteln gibt es auch Kriminalität und Gewalt und da wird eine gnädig verliehene Toleranz auch nicht aufgekündigt.
von: alabaster, 19.12.2010 16:35 Uhr
sag mal, werden da echt quickies auf dem Spielplatz gemacht? Das wäre wirklich zuviel. Und geht es in der Ecke wirklich so kriminell zu wie man immer hört oder ist das nur übertreibung?
von: haines, 17.12.2010 17:23 Uhr
Was für eine heile Welt möchte man den im Bermudadreieck wiederhaben. Die heile Welt der nächtlichen Überfalle durch Migranten. Der nächtliche Terror durch Stricher aus Osteuropa mit der dazugehörigen Kleinkriminalität. Der offene Handel mit Drogen. Den kurzen Quckie mit minderjährigen Strichern auf dem "Spielplatz". Es ist immer ein Geben und Nehmen. Und falls dieses Gleichgewicht nicht mehr stimmt bzw. die Toleranz überstrapaziert wird, muß man auch mit Gegenwehr rechnen.
von: BerlinerBürger, 17.12.2010 10:16 Uhr
@BerlinerBürger
Die, von mir erwähnte, Schlägerei am Alexanderplatz hat ursächlich nichts mit der Kriminalität in Nord-Schöneberg zu tun. Ich wollte damit ausrücken, dass auch dort, wie an anderen 'Vergnügungszentren', Menschen leben, die Lärm und diverse Zumutungen anderer Art ertragen müssen, mir ist aber nicht bekannt, dass dort auf die Vorkommnisse mit Polizeikontrollen der Vergnügungsbetriebe reagiert wird. Da kann ich aber nur mutmaßen und die Reaktion auf Ihr Posting hatte bei mir eher emotionale Gründe; weiterhin glaube ich nicht, dass ich Ihnen meinen Standpunkt verständlich machen kann - völlig unterschiedliche Sichtweisen. Obwohl ich die Angebote der Szenebetriebe nie bis sehr selten in Anspruch nehme, kann ich doch die Verunsicherung durch die Kontrollen verstehen. Ob manche Zugehörige von Minderheiten (zu) sensibel auf Anzeichen einer vermeintlichen oder tatsächlichen Diskriminierung reagieren, damit haben sich einige Soziologen und andere Wissenschaftler beschäftigt ohne zu einem eindeutigen Ergebnis zu kommen. Ich kann nur aus meiner Erfahrung als älterer Schwuler, der aus der süddeutschen Provinz eingewandert ist, argumentieren. Ich bin froh, dass es ein Schöneberg mit den Szeneläden gibt, in dem ich offen leben kann und will nie wieder in ein '...du kannst ja schwul sein aber sprich nicht darüber...' zurück.
von: alabaster, 20.12.2010 09:39 Uhr
@alabaster
Vielleicht war meine Formulierung etwas zweideutig. Mein Ansinnen ist, daß die Polizei natürlich nicht nachts die Kneipen durchsucht, sondern sich um die Sicherheit im öffentlichen Raum bemüht. Dies ist ja nicht nur im Sinne von Schwulen, sondern im Allgemeinen für alle Menschen, die sich nachts in dem Umfeld aufhalten. Was hat eine Schlägerei auf dem Alexanderplatz, mit den Verhältnissen an der Ecke Eisenacher und Fuggerstr. zu tun. Desweiteren, keiner soll sich unsichtbar machen, sondern es gibt immer Wege für ein angenehmes Zusammenleben. Falls aber eine Seite gewisse Dinge überstrapaziert, wird die andere Seite entsprechend reagieren.
von: BerlinerBürger, 19.12.2010 22:38 Uhr
@BerlinerBürger
Das sehe ich ganz anders, schließlich bin auch ich ein dort ansässiger Bürger und ich finde nicht, dass die stattfindende Kriminalität Durchsuchungen der Szeneläden rechtfertigt. Da werfen Sie Tatbestände in einen Topf, die getrennt werden müssen. Heute Nacht haben sich am Alexanderplatz Jugengruppen Schlägereien geliefert, dann müssten nach Ihrer Logik die Cafes und Bars dort ebenfalls polizeilich durchsucht werden. Ich kann und will mich nicht zum Sprecher der sehr heterogenen Schöneberger Schwulenzene aufschwingen aber ich finde weder dass die Szene dort Schuld an der Kriminalität trägt noch dass sie eine Bringschuld gegenüber den dort wohnenden Bürgern hat. Das hört sich für mich an, als ob Schwule nur geduldet werden können, wenn sie sich möglichst unsichtbar machen. Nebenbei bemerkt fährt die Polizei dort Streife. Außerdem können Sie nicht beurteilen ob Zeuge oder Opfer eines Übergriffs war.
von: alabaster, 19.12.2010 21:01 Uhr
@alabaster
Alleine schon der Satz "sicher gab es da brutale Übergriffe" zeugt doch schon von einer Sichtweise, die den üblichen Mechanismus der Verdrängung zeigt. Vermutlich wird sich dies ändern, wenn man selber schon die Erfahrung eines Überfalls miterlebt hat. Die immer wieder hervorgebrachte These, daß die Immobilienbranche den Bezirk erobern will, ist auch wieder so ein Ansatz, um die Szene als "Opfer" darzustellen.
Die dortige Szene wird vielmehr durch das Zulassen der jetzigen Zustände geschadet. Jeder der dort Opfer von Raub und Überfall wird, muß dies auch öffentlich machen, damit auch entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Es muß politisch dafür Sorge getragen werden, daß die Polizei nicht nur die Läden nachts durchsucht, sondern auch die Strassen entsprechend bestreift, um eine gewisse Ruhe zu erzeugen.Dadurch wird die Angriffsfläche, der dort wohnenden Bürger, gegenüber der Schwulenszene minimiert.
von: BerlinerBürger, 19.12.2010 20:41 Uhr
Ich wohne seit vielen Jahren in der Eisenacher Str. und bin, auch nachts, öfters im sog. Bermudadreieck unterwegs. Sicherlich sind da Stricher unterwegs, wahrscheinlich auch einige aus Osteuropa und es gab auch brutale Übergriffe aber dennoch habe ich mich in der Gegend immer sicher gefühlt obwohl ich eher ein ängstlicher Mensch bin. Die Beschreibungen des Areals von BerlinerBürger scheinen mir übertrieben und schaden der Szene die dort seit Jahren bis Jahrzehnten ansässig ist. Die Gegend wird zunehmend attraktiver für die Immobilienbranche und Straftaten werden gerne aufgegriffen um die Schwulenszene zu diskreditieren und zurückzudrängen. In den nichtschwulen Vergnügungsvierteln gibt es auch Kriminalität und Gewalt und da wird eine gnädig verliehene Toleranz auch nicht aufgekündigt.
von: alabaster, 19.12.2010 16:35 Uhr
sag mal, werden da echt quickies auf dem Spielplatz gemacht? Das wäre wirklich zuviel. Und geht es in der Ecke wirklich so kriminell zu wie man immer hört oder ist das nur übertreibung?
von: haines, 17.12.2010 17:23 Uhr
Was für eine heile Welt möchte man den im Bermudadreieck wiederhaben. Die heile Welt der nächtlichen Überfalle durch Migranten. Der nächtliche Terror durch Stricher aus Osteuropa mit der dazugehörigen Kleinkriminalität. Der offene Handel mit Drogen. Den kurzen Quckie mit minderjährigen Strichern auf dem "Spielplatz". Es ist immer ein Geben und Nehmen. Und falls dieses Gleichgewicht nicht mehr stimmt bzw. die Toleranz überstrapaziert wird, muß man auch mit Gegenwehr rechnen.
von: BerlinerBürger, 17.12.2010 10:16 Uhr
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@alabasta
Das Miteinander sollte ja auch für die Zukunft der gangbare Weg im"Bermuda-Dreieck" sein. Dazu gehört auch, daß die errungenen Freiheiten erhalten bleiben. Natürlich soll keiner aufgrund seiner sexuellen Ausrichtung in irgendeiner Weise diskriminiert werden. Da muß auch die "Minderheit" ab und an eine gewisse Intoleranz zeigen, damit die eigenen Freiräume erhalten bleiben.
von: BerlinerBürger, 20.12.2010 10:45 Uhr