Berlin
Erster Slut Walk in Berlin, am 13.8.
Die Schlampen kommen und demonstrieren gegen Sexismus und Übergriffe – hier das Interview mit Organisatorin Sookee
© Man Alive (cc) Slut Walk im Juli 2011 in Manchester
siegessaeule.de 7.8.2011 – Die neue Generation Feministinnen startet durch. „Slut“, also Schlampe, ist der Begriff, den sie dafür nutzen. „Slut Walk“ die Ausdrucksform. Angefangen hat es in Toronto nach einer öffentlichen Äußerung eines Polizisten im April diesen Jahres. Frauen sollten sich nicht wie Schlampen anziehen, um nicht Opfer von sexueller Gewalt zu werden, so dessen Logik. Der erste „Slut Walk“ fand deshalb in Toronto statt. London, Amsterdam, Paris, Melbourne, Manchester und weitere Städte folgten. Jetzt ist die Bewegung auch in Deutschland angekommen.
Zeitgleich finden am 13. August in Berlin, Hamburg, München und Frankfurt „Slut Walks“ statt. Siegessaeule.de sprach mit Sookee, eine der Organisatorinnen aus Berlin.
SIS: Wofür steht der „Slut Walk“?
Sookee: Es wurde in der medialen Berichterstattung gesagt: Frauen kämpfen dafür, dass sie kurze Röcke tragen dürfen. Aber das ist nicht der Sinn der Sache! Frauen kämpfen dafür, dass egal was sie tragen, sie nicht von Übergriffen gefährdet werden. Es geht um eine andere Form von Männlichkeit, eine andere Form von Reflexion und das über ein gesamtgesellschaftliches-pädagogisches Moment. Es geht nicht um den blöden Rock. Also auch, aber das ist ein ganz kleiner Ausschnitt, von etwas das viel größer und breiter ist.
Was sind eure konkreten Ziele?
Sookee: Wir wissen natürlich dass das Thema sehr komplex ist. Und es wäre falsch, anzunehmen, nach dem 13. August wäre alles schön. Der Slutwalk kann nur ein Anfang sein. Um ein Thema wieder in den Mainstream und überhaupt in die Debatte zu bringen, das gerne totgeschwiegen wird oder in den Medien mit Vergewaltigungsprozessen sehr stark polarisiert wird. Wie sind zum Beispiel die Anklägerinnen im Fall Julian Assange dargestellt worden? Das waren die fiesen Mädels, die sich an ihm rächen wollten, weil er eben mit ihnen Schluss gemacht hat. Das Problem ist, dass Opfer sexueller Gewalt immer mehr davor zurückschrecken solche Taten anzuzeigen.
Versteht ihr euch als eine neue Generation von Feministinnen?
Sookee: Ich finde, dass gerade unsere Generation an Feministinnen nicht so dogmatisch ist, was man den anderen Generationen gerne unterstellt hat. Und was mich tatsächlich an früheren Feministinnen oftmals gestört hat. Aus einem Ärger von Jahrhunderten sind sehr heftige Sachen entstanden. Darum geht es mir gar nicht. Ich bin auch dafür, Männer als Unterstützer von Feminismus einzuladen.
Eigentlich geht es darum gegen Vergewaltigung und Stigmatisierung der Opfer zu kämpfen und gleichzeitig verwendet ihr aber den Begriff Schlampe. Warum?
Sookee: Das ist genau die Idee. Es gibt zwei Strategien damit umzugehen. Einige nennen sich selber Schlampe, um das zu reclaimen – um sich das selber anzueignen. Um zu sagen, wenn ich mich selber Schlampe nenne, kann das kein anderer mehr tun. Ich war die Erste. Oder es gibt die Möglichkeit des solidarischen Moments. Also zu sagen, ich würde den Begriff zwar nicht auf mich anwenden, weil der zu negativ belegt ist, aber ich unterstütze Frauen, die so bezeichnet werden. Das ist das Gegenteil zu „reclaim“ und nennt sich „embrace“ (umarmen, Anm.d.Red.).
Warum sollte man mitmachen beim Slut Walk?
Sookee: Weil es uns alle was angeht, oder? Das heißt alle Leute sollten sich dafür einsetzen, dass es so etwas wie Vergewaltigung nicht mehr gibt. Und dazu kann man beitragen. Die ganze Theoriearbeit ringsum, wie das zusammenhängt mit Sexismus und Diskriminierung, übernehmen andere Leute. Ihr könnt einfach auf die Straße kommen und eine Person mehr sein! Außerdem ist es eine Gelegenheit kreativ zu sein. Also solche Sachen wie Slogans, Flyer, Plakate, Transpis oder auch Gestaltung auf dem Körper sind Dinge, die den Slutwalk auszeichnen. Aber es ist auch total okay wenn Leute in ihren kaputten Jogginghosen ankommen. Es gibt ein paar Menschen, die Angst davor haben, dass man jetzt in Strapsen und Pumps auftauchen muss. Aber das ist nicht so! Kommt wie ihr euch wohlfühlt! Seid wie ihr euch wohlfühlt! Es ist eben keine Modenschau, es ist eine politische Demonstration!
Interview: Dana Müller
Slut Walk: 13. August, Start um 15 Uhr am Wittenbergplatz
Workshop im Rahmen des Ladi.Y.Fest: 8./9. August, Café Cralle (Hochstädter Straße 10a, Wedding), auch Transpimalen
Soli-Party: 11. August, NBI, Kulturbrauerei mit Sokkee, Doctorella und Räuberhöhle
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