Siegessäule - Haste Töne? quEar! Das trans*tonale Ohrenfest, 5.-7.8

Berlin

Haste Töne? quEar! Das trans*tonale Ohrenfest, 5.-7.8


Zum ersten Mal widmet sich ein Festival in Berlin den rein ­akustischen Seiten queerer Identitätskonzepte

siegessaeule.de 3.8.2011 – Während in Berlin mehrere Filmfestivals mit lesbischen/schwulen/ trans* Filmen veranstaltet werden, hat sich bisher selten jemand um die akustische Seite gekümmert. Doch jetzt sind die Ohren dran, denn vom 5. bis 7. August findet wahrscheinlich zum ersten Mal überhaupt ein queeres Audiofestival statt: quEAR! Das trans*tonale Ohrenfest präsentiert Soundinstallationen, Hörspiele, Performances und Workshops.

Die Planungen laufen seit einem Jahr: 2010 kam LCavaliero beim Entzaubert-Filmfestival mit Baella van Baden-Babelsberg ins Gespräch, und beide beschlossen, ein Audiofestival analog zu Filmfestivals ins Leben zu rufen. „Audio als künstlerisches Mittel wurde von Menschen, die trans*/inter/queer leben, noch nicht ausgeschöpft“, erklärt LCavaliero, „gleichzeitig sind im Hörspielbereich trans*/inter/queere Lebensweisen unterrepräsentiert.“ Die beiden VeranstalterInnen mussten selbst erst mal herausfinden, ob es überhaupt Audiomaterial mit queerem Hintergrund gibt. Sie starteten einen Aufruf zur Beteiligung und das Echo war erstaunlich groß! Leute schickten begeisterte Mails, rund 80 Beiträge wurden eingereicht: Hörspiele, Workshops, Installationen, Soundperformances.

Zwischentöne statt Bilderflut

Ein erster Erfolg für das QuEAR!-Team, das Audio grundsätzlich eine subversive Rolle zuspricht: „Wir leben in einer visuellen Gesellschaft, Hören ist meist nur zweitrangig“, sagt LCavaliero. „Sich bewusst zu machen, was man hört, ist fast schon eine queere Praxis, weil man von der Bilderflut abgelenkt wird und auf Zwischentöne horcht.“ Er findet besonders spannend, wie die Konstruktion von Geschlecht und sexueller Orientierung funktioniert, wenn es nur Stimme und Töne gibt. Der Festivalort ist der Wagenplatz Schwarzer Kanal. Es gibt zwar genug Platz für Workshops (zum Thema Hörspielmachen, Interviewführung etc.) und Ecken, wo Klanginstallationen aufgebaut werden, aber dort können, anders als im Kino, nur wenige Leute gleichzeitig zuhören. Zu sehen gibt es auch was: „visuelle Akustik“ – den Versuch, Töne auf einer Leinwand sichtbar zu machen. Das Festival würde auch deshalb etwas ruhiger als ein Filmfest, verspricht LCavaliero. Es kommt ja auch auf die Zwischentöne an.    
Malte Göbel

quEAR! Das trans*tonale Ohrenfest, 5.–7.8.,
jeweils ab 11 Uhr, Schwarzer Kanal (Kiefholzstr. 74, 12057 Berlin)
Abschlussparty im Südblock am 13.8., 22 Uhr
quear.blogsport.de