Siegessäule - Hommage an Jean Genet läutet Jubiläumsjahr ein

Berlin

Hommage an Jean Genet läutet Jubiläumsjahr ein


Das schwule Museum feiert sein 25-Jähriges mit einer Ausstellung zum französischen Skandalautor

SIS 6.12.2010 – Es war in den 80ern, als die Berliner Museumskultur schwul wurde. Die Studenten Manfred Baumgardt, Andreas Sternweiler und Wolfgang Theis arbeiteten im damaligen Berlin Museum in Kreuzberg. Nach einer Idee von Baumgardt überzeugten sie die Museumsleitung, eine Ausstellung zu schwuler und lesbischer Kultur zu riskieren. Entgegen ersten Befürchtungen, dieses für ein staatliches Museum gewagte Thema könnte den Untergang des Abendlandes einleiten, wurde die Ausstellung „Eldorado – Geschichte, Alltag und Kultur homosexueller Frauen und Männer in Berlin 1850–1950“ ein Erfolg. Beim Einpacken der Exponate beschlossen die drei Studenten: Das darf nicht alles gewesen sein!

So gründeten sie – inzwischen zu fünft – am 6. Dezember 1985, heute genau vor 25 Jahren, das Schwule Museum. Dessen erste Schau präsentierte pünktlich zu den pompösen Feierlichkeiten zum 750. Jubiläum der Stadt Berlin ein Gegenprogramm: „750 warme Berliner“. Seitdem hat sich das Schwule Museum international zur anerkannten Adresse für homosexuelle Kultur entwickelt.

Bald das „queere Museum“?

„Ich habe großen Respekt vor der Lebensleistung der Gründer“, sagt Birgit Bosold: „Über eine so lange Zeit derart viel Aufmerksamkeit zu erzeugen, welche Institution schafft das?“ Und zwar ohne öffentliche Fördermittel und manchmal gegen Anfeindungen von außen. Bosold kam 2005 als erste Frau in den Vorstand des Museums. Mit dem „L-Projekt“ setzte sie 2008 ein Zeichen: Die Ausstellung widmete sich erstmals der Berliner Lesbenbewegung. Frauen-, Lesben- und Trans*themen sollen auch in Zukunft ihren festen Platz im Programm haben. Passend zur verstärkten Öffnung in Richtung LGBT wird sogar über eine Namensänderung diskutiert – etwa Queeres Museum. Andererseits ist das Schwule Museum als „Marke“ weltweit bekannt. „Und schwul ist immer auch ein Kampfbegriff, der auf eine politische Emanzipationsgeschichte verweist“, so Birgit Bosold.

Mit Fördergeldern ins Jubiläumsjahr

Für Geschäftsführer Karl-Heinz Steinle wurde die Einrichtung der Dauerausstellung 2004 zur wichtigen Station: „Das war ein Riesenschritt für uns und für die öffentliche Wahrnehmung des Museums.“ Seitdem wachsen die Besucherzahlen stetig und vielleicht steht sogar ein Umzug an.
Seit Januar 2010 erhält das Museum erstmals Fördergelder aus dem Kulturetat der Stadt Berlin. „Bis dahin haben wir uns über Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert“, erklärt Steinle. Ohne die 30 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gäbe es das Schwule Museum nicht.

Das nächste Jahr wird gefeiert: mit Sonderausstellungen, Workshops und Partys. Höhepunkte sind eine Schau über Ludwig Wittgenstein und, pünktlich zur WM, eine über Frauen und Fußball. Hier zeigt sich die Strategie des Museums, Szenethemen und offizielle „Großkultur“ zu vereinen. „Wir sind nicht nur Heimatmuseum, wir sind auch eine Provokationsanstalt ins Feuilleton hinein“, sagt Birgit Bosold.

Kittyhawk 

Genet-Hommage zum 100. Geburtstag, 6.12.2010 –14.3.2011, Eröffnung: 6.12., 19 Uhr, schwulesmuseum.de

Und noch mehr Genet: „Jean Genet und Deutschland“ heißt ein internationales Symposium zu Ehren Genets an der Freien Universität Berlin, u. a. mit Rosa von Praunheim, 10.–12.12., Infos auf fu-berlin.de/genet100