Siegessäule - Interview mit Thomas von Aust, „Warehouse“(26.2.)-Macher

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Interview mit Thomas von Aust, „Warehouse“(26.2.)-Macher


Thomas Götz von Aust, der kreative Nightlife-Gestalter von „Warehouse“ und „Camp!“, bringt Kunst ins Berliner Nachtleben

© Guido Woller

siegessaeule.de 25.2.2011 – SIS: Thomas, du bist bei „Chantals House of Shame“ dabei, du hast was mit „Cityboy“ zu tun, du machst „Camp!“ und „Warehouse“, dann gibt’s noch die Veranstaltung „Dichter und Dichter vs. Boderlines“. Bring doch mal etwas Licht in dieses Dunkel.
Thomas: Angefangen habe ich beim „House of Shame“, wo ich mittlerweile Geschäftsführer bin. Chantal war die erste Person, die ich in Berlin kennengelernt habe. Wir haben uns angefreundet über unsere gemeinsame Leidenschaft für Wagner- und Strauss-Opern. Die erste Party, mit der ich mich mit Aviv gemeinsam selbständig gemacht habe, war „Cityboy“. Mit der machen wir gerade eine Pause, weil wir mit der Party im März nach Tel Aviv gehen und die dort erst mal ausrichten und schauen, wie das da ankommt. Das zweite Projekt, das dann quasi nebenbei gelaufen ist, war „Dichter und Dichter vs. Borderlines“, eine kleine Lesereihe im Salon zur Wilden Renate, die ich zusammen mit Andreas Schwarz veranstalte. Dann hab ich im letzten Spätherbst angefangen mit „Warehouse“ im ZMF, das mache ich mit Maria Psycho zusammen. Das Neueste ist „Camp!“ im Festsaal mit Eigk von den „Neon Raiders“.

Kannst du noch mal das Konzept der Party „Warehouse“ erklären?
Das Konzept von „Warehouse“ ist, dass wir Kunst und elektronische Tanzmusik zusammenbringen wollen. Aber nicht auf einer Ebene, auf der ich das häufiger erlebt habe, dass man einfach nur ein paar Kunstwerke hinhängt. Bei uns stehen Kunst und Party absolut gleichberechtigt nebeneinander.

Wie entscheidet ihr, ob ein Künstler oder eine Künstlerin zu „Warehouse“ passt?
Entscheidend ist, dass es KünstlerInnen sind, die mit dem Nachtleben verbunden sind. Wir wollen niemand ins Nachtleben reinzwingen, dessen Kunst wir gut finden, aber von dem wir genau wissen, dass er oder sie sich im Clubbereich nicht wohlfühlen wird. Die Kunst bei „Warehouse“ muss zu einem gewissen Teil plakativ sein. Kleinteiliges funktioniert dort einfach nicht. Das ist das Nachtleben, wenn jemand erst um zwei oder drei Uhr vorbeikommt und auch nicht mehr ganz nüchtern ist, darf er oder sie nicht das Gefühl haben, sich jetzt noch wahnsinnig konzentrieren zu müssen.

Warum ist denn überhaupt eine Party der richtige Ort für Kunst?
An sich haben Kunst und Party nichts miteinander zu tun, meiner Meinung nach. Wenn man sich spezifische Kunst aussucht, dann ist das aber eine wunderbare Ergänzung und kann eine Party absolut höher bewerten. Gerade in so einer Stadt wie Berlin, wo musikalisch alles geboten wird. Leute sind nicht mehr zwangsläufig daran interessiert, nur noch aufgrund der Musik auf eine Party zu gehen, sie wollen noch etwas Besonderes sehen.

Dein neuestes Projekt mit Eigk ist die Party „Camp!“ im Festsaal Kreuzberg. Ähnlich wie „queer“ ist der Begriff „camp“ im Kern schwer zu greifen. In Susan Sontags „Notes on ,camp’“ wurden u. a. die tuckigen Romane von Ronald Firbank oder Federboas als camper Kanon bezeichnet. Warum war „Camp!“ der richtige Name?
Für mich und Eigk hatte der Name zwei Bedeutungen. Zum einen der klassische Begriff des Camps, für den es eine sehr schöne Definition gibt: Popularity plus vulgarity plus innocence. Für uns spiegelt sich das in der queer-elektronischen Musik. Wir haben DJs wie Schwefelgelb, Yasmin Gate, Electrosexual gebucht, die in einer elektronischen Szene bewandert sind, aber gleichzeitig aus dem Punk- oder Trash-Bereich kommen. Zum anderen aber auch Camp im wörtlichen Sinne: mit dem wunderbaren Festsaal Kreuzberg bietet sich eine Art Spielwiese, ein Camp für Partyveranstalter und Partykollektive. Ab dem nächsten Mal wollen wir Partys aus anderen Städten einladen, Leute aus London, Paris und Warschau.

Interview: Jan Noll

Warehouse, 26.2., 22 Uhr, ZMF

Camp!, 4.3., 23 Uhr, Festsaal Kreuzberg

Chantals House of Shame, jeden Donnerstag, 23 Uhr, Bassy


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