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Islam, Integration und Klischees


Die ewiggestrige, von der Mehrheitsgesellschaft ausgehende Debatte über die Integration deutscher Muslime hört nicht auf. Aktuell wird der Film „Shahada“ zum Anlass genommen, um über Islam und (Homo-)Sexualität zu diskutieren. Ist das sinnvoll? Ein Debattenbeitrag von Hülya Gürler

© Sally B. Mit dabei bei der Diskussion nach der Kinopremiere: Günter Piening (Beauftragter des Berliner Senats für Integration und Migration), Aiman Mazyek (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland), Dr. Peter Rehberg (Moderator), Burhan Qurani (Regisseur)

SIS 6.10.2010 – So ganz ist es Burhan Qurani, dem Regisseur von „Shahada“, nicht abzukaufen, wenn er sich darüber empört, dass sein Erstlingswerk für aktuelle Debatten um Islam, Integration und Homosexualität herhalten muss. Denn schließlich saß er selbst zur Filmpremiere letzte Woche in Berlin auf Einladung von Miles (Zentrum für Migranten, Lesben und Schwule des Berliner LSVD) mit dem Berliner Integrationsbeauftragten Günter Piening, dem neu gewählten Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, und den zwei Schauspielern Maryam Zaree und Jeremias Acheampong auf dem Podium.

Auch ist fraglich, warum der LSVD ausgerechnet diesen fiktiven Kinofilm als Anlass für eine Podiumsdiskussion unter dem Motto „Muslimische Lebenswelten und Sexualität“ nahm. Denn bei aller guter schauspielerischer Leistung und schönen, ruhigen Bildern ganz in der Tradition des Kleinen Fernsehspiels (ZDF) wirken die Charaktere der dargestellten Berliner Muslime starr, bar jeder Option außerhalb religiöser Dogmen und Einstellungen. Maryam verblutet fast, weil sie nicht „unislamisch“ abtreiben will. Sami kann auf gar keinen Fall seine Homosexualität mit seinem Glauben vereinbaren. Und der türkische heterosexuelle Jugendliche Sinan schikaniert – wie sollte es auch anders sein – einen schwulen Deutschen. (hier zur Rezension des Films auf siegessaeule.de)

Zwar betonte auch der Regisseur bei der Diskussion in der Kulturbrauerei immer wieder, dass es sich bei dem Film um eine bewusste Zuspitzung und Dramatisierung handle und nicht um ein Abbild der Realität, geschweige denn um einen pädagogischen Auftrag. Qurani: „Maryam könnte sich auch bei Pro Familia beraten lassen. Aber dann wäre es kein Film.“ Nur: Muss ein Film über Deutsch-Muslime sich immer wieder – der Beispiele gibt es genug – im trost- und erfolglosen Jammertal negativer Klischees und restriktiver Handlungsschemata bewegen, während mehrheitsdeutsche Charaktere Heldentaten vollziehen, ihnen Problem-Lösungen und die gesamte Welt zu Füßen liegen?!

Podiumsteilnehmende und Zuschauer nahmen in der Diskussion nach der Kinopremiere mehr oder weniger Bezug zum Film: Günter Piening betonte die Vielfalt unter Muslimen. Integration sei ein widersprüchlicher Prozess; die Themen Schuld und Gewissenskonflikt im Film seien universal; er sehe darin keine integrations- oder schwulenpolitische Botschaft.

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, eine Dachorganisation verschiedener religiöser Muslime in Deutschland, antwortete auf Fragen zu seiner Haltung gegenüber Homosexualität, dass „diese Lebensweise für mich nicht normal ist.“ Weder er noch ein Imam könne für eine homosexuelle Ehe seinen Segen geben, „weil dies sämtliche Traditionen missachten würde.“ Achtung vor der Menschenwürde und Toleranz seien jedoch Gebote des Islam und er könne Diskriminierung nicht gutheißen. Und: Der Mensch könne nicht über andere Menschen richten. Das sei allein „Gottes Business“. Kein Segen für die Homo-Ehe vom Zentralrat der Muslime, das ist nichts Neues und auch ohne eine Diskussion über den Film „Shahada“ bekannt. Von diesem gingen für die Diskussion am letzten Donnerstag keine neuen Impulse aus. Aber immerhin signalisiere der Zentralrat Gesprächsbereitschaft, selbst wenn nicht immer Konsens mit dem LSVD bestehe, so LSVD-Pressesprecher Jörg Steinert gegenüber siegessaeule.de im Anschluss an die Podiumsdiskussion. Anders als andere religiöse Vorsitzende in Deutschland. „Gewisse Leute treffen sich nicht mit einem. Das betrifft die katholische Ecke genauso wie es die muslimische Ecke betrifft“. Und mit Leuten aus den Reihen der evangelikalen Christen sei überhaupt kein Gespräch möglich. Während im muslimischen Spektrum die alevitische Gemeinde mit ihrem lockereren Verhältnis zur Religion und ihrer bekanntermaßen liberalen Haltung die offenste sei.

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Kommentare


Wir sollten grundsätzlich überlegen, ob die Integration ein Thema des Glaubens ist. Falls ein Glaube auch "Einwandern" oder "Integriert" werden will. Dann bitteschön nach den Grundwerten unserer Gesellschaft. Ansonsten wird das mit der Integration nix. Es ist nicht unsere Aufgabe rückständige Lebensweisen zu akzeptieren. Es ist auch nicht unsere Aufgabe gewisse Dinge zuzulassen oder wegzuschauen. Was ist dies für ein Zustand - in islamischen Ländern werden Schwule und Lesben verfolgt und falls sie das Glück haben, können sie noch fliehen. Dann treffen sie in unserer offenen Gesellschaft auf die gleichen ewig Gestrigen mit ihren seltsamen Thesen. Dies ist nicht im Sinne unserer Gesellschaft - Einwanderung ja - aber keine Religionen die unsere Freiheit nicht akzeptieren.

von: BerlinerBürger, 06.10.2010 19:06 Uhr

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