Siegessäule - Ludwig Wittgenstein zwischen Knäckebrot und Schokotorte

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Ludwig Wittgenstein zwischen Knäckebrot und Schokotorte


Zum 60. Todestag: Das Schwule Museum versucht den unsteten Philosophen in den Griff zu bekommen

© Schwules Museum Berlin/Wittgensteinarchive Cambridge Ludwig Wittgenstein (re.) mit Francis Skinner in Cambridge

SIS 19.4.2011 – „Sagen Sie ihnen, dass ich ein wundervolles Leben gehabt habe.“ Mit dieser Nachricht an Freunde und Verwandte starb im April vor 60 Jahren einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts: Ludwig Wittgenstein. Das Schwule Museum widmet ihm nun eine Ausstellung, die versucht Wittgenstein als Mensch, aber auch sein Werk ganzheitlich zu verorten. Kuratorin Kristina Jaspers erklärt das Konzept so: „Zum einen geht es um eine Einordnung Wittgensteins in die europäische Kultur- und Geistesgeschichte mit ihren ganz unterschiedlichen intellektuellen Strömungen. Der Ansatz der „Verortung“ ist aber auch buchstäblich zu verstehen: Wittgenstein wechselte häufig seine Wohnorte, pendelte regelmäßig zwischen Wien und Cambridge sowie seinem Rückzugsort Skjolden in Norwegen.

Die Ausstellung möchte diese verschiedenen Lebens- und Denkorte mit den jeweiligen Freundes- und Kollegenkreisen anschaulich machen.“ Wittgensteins philosophisches Werk entrollt sich in den einzelnen Ausstellungsstationen stets verquickt mit seiner Lebenssituation. Beide sind voller Sprünge und Brüche. In eine der reichsten österreichischen Familien geboren, verschenkte Wittgenstein alsbald sein gesamtes Erbe. Neben der Philosophie, Logik und Mathematik versuchte er sich als Architekt, Ingenieur, Dorfschullehrer und Gärtner, doch nichts befriedigte ihn. Auch sein Privatleben war geprägt von Gegensätzen. Mal lebte er asketisch in einer Hütte in Norwegen und aß nur Knäckebrot, dann wieder Besuche in Wien mit Schokoladentorte.

Wittgenstein war auch ein begnadeter Kunstpfeifer

Seine Tagebücher zeichnen einen von seinen Gedanken und Begierden Gequälten, der auch mit seiner Homosexualität und der Diskrepanz zu seiner Moralvorstellung oft haderte. Seine Liebhaber, stets junge, hochbegabte Studenten, spielten dennoch eine wichtige Rolle. Seiner ersten Liebe David Pinsent widmete er sogar sein Werk „Tractatus logicophilosophicus“. So bearbeitet die Ausstellung auch ein wichtiges, noch recht unbekanntes Stück schwule Geschichte.

Die zahlreichen Exponate, die Medieninstallationen und angeführten Beispiele, die Wittgenstein selbst zum Erklären seiner Theorien nutzte, machen die Einführung in die schwierige Materie unterhaltsam. Dazu bietet das Schwule Museum noch weiterführende Programmextras. Allein im April gibt es zusätzlich eine Liveperformance der Künstlerin Mara Mattuschka, eine Aufführung des Derek-Jarman-Films „Wittgenstein“ und eine Lesung mit Pfeifkonzert, denn Wittgenstein war nebenbei auch ein begnadeter Kunstpfeifer.

Text: Beatrice Behn

„Ludwig Wittgenstein. Verortung eines Genies“, bis 13.6., tägl. außer Di, 14-18 Uhr, Sa bis 19 Uhr, Schwules Museum Berlin

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