Siegessäule - „Lügen“ über lesbische NS-Verfolgung?

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„Lügen“ über lesbische NS-Verfolgung?


Die Debatte um einen Lesbenkuss im Homomahnmal wird nach wie vor sehr emotional geführt – das zeigte die gestrige Podiumsdiskussion

© Tobias Sauer Auf dem Podium v.l.n.r.: Dr. Claudia Lohrenscheit (Deutsches Institut für Menschenrechte), Prof. Dr. Klaus Müller (United States Holocaust Memorial Museum) Moderatorin Lea Rosh, Chantal Louis (EMMA Redakteurin) und Prof. Dr. Günter Morsch (Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten)

SIS 18.5.2010 – Leidenschaftlich diskutiert wurde am gestrigen Montag die weitere Entwicklung des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. Seit es 2008 enthüllt wurde, ist im Inneren der Betonstehle ein sich küssendes Männerpaar zu sehen. Gemäß einer Vereinbarung soll dieser Film alle zwei Jahre ausgetauscht werden. Heftig umstritten ist, was künftig dort zu sehen sein wird.

Emotional beteiligte sich das Publikum im überfüllten Saal des Orts der Information im Holocaust-Mahnmal an der Podiumsdiskussion, die gemeinsam von LSVD und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas organisiert wurde. „Sie lügen!“, rief ein Mann, als Emma-Redakteurin Chantal Louis über von Nationalsozialisten verfolgte Lesben sprach. Bald wurde von einigen Zuhörern der Sinn des Denkmals insgesamt in Frage gestellt („es ist gescheitert“), während andere gerade die Debatte als positive Seite des Denkmals lobten.

Podium und Teile des Publikums waren in zwei Gruppen gespalten: Während die eine Gruppe um Louis vor allem die gegenwartsbezogene Funktion des Denkmals als Zeichen gegen Intoleranz in den Mittelpunkt stellte, plädierte die andere Gruppe um Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, vor allem für die Erinnerung an die von den Nationalsozialisten systematisch ermordeten Opfer (hier mehr Infos zu dieser Argumentation). Seine Forderung, deshalb auch künftig einen Männerkuss zu zeigen, wird sich aber wohl nicht durchsetzen. Denn die Ausschreibung für den neuen Film läuft und aus 18 eingesandten Beiträgen wurden bereits fünf ausgewählt. Einer dieser Vorschläge sieht einen Frauenkuss vor, die anderen verschiedene hetero-, homo- und transsexuelle Kussszenen. Die Forderung nach mehr Vielfalt stieß im Publikum weitgehend auf Zustimmung.

Tobias Sauer

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Kommentare


Eine „inToleranz“ existiert bestimmt; vereinzelt – nur was die Politik bzw. die politische Bewegung denkt und multipliziert und die Bürger (Lesben, Schwule etc.) fühlen, sind zwei Paar Schuhe. Ich bin natürlich auch dafür, einen Lesbischen-Kuß zu zeigen; vor allem, wurde es auch im Vorfeld so abgemacht. Was mich an dieser Debatte stört, sind die Argumente mit denen nicht der Sinn, sondern ein Kampf um das Mahnmal (nicht Denkmal) stattfindet. Hierbei ist es nicht wichtig „wieviel (bei wem) passiert ist“, sondern „daß etwas passiert ist“, das sich bitte nicht wiederholen sollte. Noch mal: Mahnmal ist kein Denkmal – es steht durch seine öffentliche Präsenz mahnend, das ebenso durch einen lesbischen Kuß an dieses historische Ereignis erinnern kann. Gleichsam kann es in der Gegenwart und Zukunft seiner Aufgabe gerecht werden und ferner für Toleranz und Akzeptanz stehen, die wir in einer Streitkultur der Aufklärung bitter nötig haben

von: Michael, 04.06.2010 15:39 Uhr

mittlerweile bin ich mir auch nicht mehr sicher, ob das denkmal den sinn eines denkmals als solches überhaupt erfüllt.
ich war während der diskussion unter den zahlreichen besuchern.
ich frage mich, warum auch unter den schwulen eine intoleranz gegenüber lesben existiert.
warum wehren sich viele schwule vehement gegen eine "integration" der lesben bei einer funktionellen lösung des denkmals, bei der auch verschiedene kussszenen ihre berechtigung haben.

von: dirk müller, 21.05.2010 09:11 Uhr

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