Siegessäule - Mutschmann's vor dem Aus?

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Mutschmann's vor dem Aus?


Strafanzeige und drohender Konzessionsentzug wegen angeblicher Drogenfunde: das Ordnungsamt geht gegen die Schöneberger Kneipe vor

SIS 21.12.2010 – Das Ordnungsamt hat diese Woche Strafanzeige gegen die Mutschmann's GmbH gestellt und gleichzeitig den Widerruf der Gaststättenkonzession angekündigt. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass Einsatzkräfte von Polizei und Ordnungsamt Ende November 2010 bei einer als Personalkontrolle angelegten Untersuchung Spuren von Drogen auf einer der Gästetoiletten gefunden hatten. Zur Begründung von Anzeige und angedrohtem Konzessionsentzug heißt es nun, das Mutschmann's würde „Betäubungsmittelhandel bzw. -konsum dulden“ und dadurch „strafrechtlich relevante Handlungen“ begünstigen.

Die Mutschmann’s GmbH sagt gegenüber siegessäule.de: „Wir überlegen aufgrund der ganzen Vorgänge in letzter Zeit das Mutschmann’s zu schließen. Andererseits können wir die Sache nicht auf uns sitzen lassen und haben nun unseren Anwalt eingeschaltet“.

2010 hatte es zahlreiche Kontrollen in Schöneberger Fetischbars durch Polizei und Ordnungsamt gegeben (zu den Artikeln hier und hier). Die Begründungen für die Kontrollen reichten von Nichtraucherschutz über die Verhinderung krimineller Türsteherstrukturen bis Personalkontrollen. Das Mutschmann’s wurde 2010 bisher zweimal kontrolliert, jedes Mal inklusive der Begehung der Darkrooms durch Polizistinnen. Während das Bezirksamt jede schwulenfeindliche Motivation hinter den vermehrten Kontrollen abstreitet (Interview mit dem Stadtrat Oliver Schworck) verstärkt sich in der schwullesbischen Community der Eindruck, dass zumindest die Fetischszene in Schöneberg gezielt durch beliebig begründete Kontrollen gestört und zurückgedrängt werden soll.

Christian Mentz

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Kommentare


Schon interessant diese Kommentare. Ob das nun notorische Westberliner sind, kenntlich an ihrerm Neuköllner - Rathausangestelltenjargon, oder Zugereiste, die zäh das Berliner Klischee von der Großstadt verteidigen wollen, als Emigrant des Jahres 1970 darf ich getrost mit dem lapidaren Kommentar eines Berliner Taxifahrers anworten: "versäumt ham se nüscht." Dieses wurde kolportiert anlässlich eines Berlinbesuches im oben genanntem Jahr von Einem, der noch rechtzeitig der Gaskammer entkommen war und seine Heimatstadt nach langer Zeit wiedersehen wollte.

Nein, die Jüngeren können sich an den gepflegten Berliner Umgangston anscheinend nicht erinnern, an eine prügelnden Polizei mit einem pastoralen Bürgermeister an der Spitze, mit der ständig hetzenden BZ und aufgebrachten Patrioten, die "Radikalinskis" an den Haaren zum S-Bahn Schalter im Bhf. Zoo schleiften, damit sie S-Bahn Fahrkarten nach "drüben" kaufern sollten.

In diesem Jahr wird 50 Jahre Mauerbau gefeiert, den ich als kleiner Junge selbst miterlebte. Das ist auch ein Anlass zum Feiern. Denn wo ist der Berliner wirklich glücklich? In seiner kleinen verschissenen Welt, wo "allet seine Ordnung hat", jeder "ja nur seine Pflich dut" und "wenn Eena Keile vonne Pollezei kricht, dann wirt det schon so seine Richtichkeit ham." Der Berliner und seine Mauern, ohne sie käme er sich richtig verloren vor. Darum muss man "mal eben ooch in diese Dunkelkammern rinkieken, ob det da ooch allet richtich is. Wer nischt ze verberjen hat, der hat ja ooch nischt ze befürchten."

Der Berliner kehrt nicht in die 50er Jahre zurück. Er hat sie doch nie geistig verlassen. Er ist nur dabei seine Mauer wieder schön ordentlich zu renovieren. Und Schweinkram können sie im Wald machen, da wo keiner lang geht, wie früher - an der ehemaligen S-Bahn nach Stahnsdorf. Übrigens wird bei der gegenwärtigen Lage der Berliner S-Bahn es bald wieder mehr Möglichkeiten für ungestörte heiße dates geben, wie im Jahre 1982.

von: docvonstock, 06.01.2011 12:57 Uhr

Bald ist wieder CSD und es wird bei einem glatten unpolitischen Motto gefeiert. Oder es gibt endlich mal eine Überschrift gegen Polizei- und Behördenwillkür in Berlin. Dafür könnte sich die Siesäu einsetzen.
Die Gesamtheit der Übergriffe und die schleichende Verschärfung der Sexualgesetzgebung in Europa weisen auf ein Zurück in die 1950er Jahre. Es geht nicht nur um Gentrifizierung, sondern um ein um sich greifendes Spießertum, welches die gesamte Gesellschaft bedroht, nicht nur der schwulen oder lesbischen.
Mutschmanns und Kollgen sind nur den Anfang, wartet es ab. Auch nichtrauchenden Schwulen wird es bald schlechter gehen, es sei sie sind Politiker und heiraten bürgerlich und benehmen sich genau so wie die Norm.

von: Daniel Deutsch, 05.01.2011 17:42 Uhr

@Paulchin
Manchmal kommt mir der Gedanke, daß die Szene sich nach dem Motto
"Wir amüsieren uns zu Tode" verhält. Hauptsache Spaß und ansonsten - nach mir die Sintflut. Vielleicht gehört eine gewisse Boshaftigkeit auch dazu um Dinge anzuprangern. Vieles wird als selbstverständlich gesehen und ein Aufwachen passiert erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist und dann ist es leider zu spät.
Man lernt erst dann etwas zu schätzen, wenn man es verloren hat!

von: BerlinerBürger, 23.12.2010 11:50 Uhr

@ BerlinerBürger
@Maik Noack

Du hast Recht mit dem selber ausbluten aber das gilt für die ganze schwule Gemeinde die sich mittler weile mit Polizeieinsätzen anfreunden kann , wenn die Polizei nur das Durchsetzen der Bürgerlichen Gesetze genüge zollt
Nur das alleine ist es aber auch nicht, das könnte man noch mit Dummheit und Eigeninteresse erklären , viel schlimmer ist die Intoleranz unter den Schwulen selbst , wo du lieber BerlinerBürgen leider ein gutes Beispiel bist mit deinen boshaften Kommentaren die schon fast Tradition bei allen Artikeln in diesem Forum haben.
Jetzt noch was zu Maiks Artikel
Was kommt als nächstes ? Razzien zur Überprüfung der Einhaltung der Sitten ? Auch das ist im Gaststättengesetz verankert und kann bei Verstoß zum Entzug der Konzession führen.
§ 4 Versagungsgründe
(1) Die Erlaubnis ist zu versagen, wenn
1. Tatsachen die Annahme rechtfertigen, daß der Antragsteller die für den Gewerbebetrieb erforderliche Zuverlässigkeit nicht besitzt, insbesondere dem Trunke ergeben ist oder befürchten läßt, daß er Unerfahrene, Leichtsinnige oder Willensschwache ausbeuten wird oder dem Alkoholmißbrauch, verbotenem Glücksspiel, der Hehlerei oder der __UNSITTLICHKEIT __Vorschub leisten wird oder die Vorschriften des Gesundheits- oder Lebensmittelrechts, des Arbeits- oder Jugendschutzes nicht einhalten wird.

Damit sind dem Gesetzgeber alle Möglichkeiten gegeben , mindestens die Hälfte aller schwulen Läden zu schließen, kein schöner Gedanke.

von: Paulchin, 22.12.2010 23:35 Uhr

Vielleicht wäre es auch eine Überlegung, ob da die Polizei oder das Ordnungsamt nicht als Executive für irgendwelche Platzhirschkämpfe mißbraucht wird. Dann von eine Schwulenfeindlichkeit zu sprechen, wäre wohl der falscheste Ansatz.
Die Fetischszene blutet sich ja durch eine enorme Fantasielosigkeit selber aus. Das alte Wagenrad an der Decke, die Tom of Finnland Pinseleien und der ausgelaschte schwarze Lederstiefel an der Wand, reicht halt nicht mehr aus. Der oft anzutreffende oder verlangte Dresscode erinnert eher an vergangene Zeiten im letzten Jahrhundert. Das Modell "American Politesse" mit Strasssteinmütze hat wohl seine Zeit gehabt. Die jüngere Generation schaut oft irritiert auf dieses seltsame Gebaren der Szene.
Die Fetischszene darf nicht mit dem Finger auf einen Buhmann zeigen, wenn er vielleicht selber dahinter steckt.

von: BerlinerBürger, 22.12.2010 18:53 Uhr

Kontrollen nach „illegalen Betäubungsmittel“ und Drogen durch die Polizei oder auch Kontrollen von Ordnungsämtern finden überall und jeden Tag statt. Ich finde es daher übertrieben von Schwulen feindlicher Motivation zu sprechen. Wir alle wissen, die in der Szene unterwegs sind, dass in der Schwulen-Szene so einiges konsumiert wird. Und warum sollten da nicht Kontrollen aus bleiben? Ja, und viele dulden den Konsum von Drogen, ob Szenegänger oder Barbetreiber. Und mit Kontrollen von den Ordnungsämtern muss jeder Bar- oder Restaurant-Betreiber umgehen.
Über die Häufigkeit solcher Kontrollen kann man sich beschweren, wenn denn alles in Ordnung ist.
Darüber konnte man in den Artikeln nichts lesen.

von: Maik Noack, 22.12.2010 18:31 Uhr

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