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Schwule und Lesben als Pflegeeltern!?


Eine Kampagne wirbt für gleichgeschlechtliche Paare als Pflegeeltern – hier gibt es noch viel zu tun, so der Tenor der Podiumsdiskussion

© Tanja Schnitzler v.l.n.r.: Monika Thamm, Abgeordnete der CDU-Fraktion, Rainer-Maria Fritsch, Staatssekretär für Integration, Arbeit und Soziales, Anja Kofbringer, Vorstandsmitglied des LSVD (Moderation), Monika Herrmann, Bezirkststadträting für Jugend, Famile und Schule, Inka-Maria Ihmels, Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

SIS 1.11.2010 – Im Vordergrund steht ein schwules Paar, auf ihren Schultern ein fröhlich lachendes Kind. Im Hintergrund sind verschiedene andere Familienentwürfe zu sehen: ob als Alleinerziehende, als gleichgeschlechtliches Paar oder in typischer Mutter-Vater-Kind-Konstellation – rund ums Kind ist alles möglich. Genau das möchte die Kampagne zum Plakat vermitteln, das seit einigen Tagen in Berlin zu sehen ist. „Kinder brauchen ein Zuhause! Sei Pflegefamilie!“, so der Slogan.

Die vielen Ausrufezeichen haben eine Grund: „Wir brauchen mehr Familien“, sagte Monika Herrmann, Bezirksstadträtin für Jugend, Familie und Schule in Friedrichshain-Kreuzberg, bei der Podiumsdiskussion am vergangenen Donnerstag im Berliner Abgeordentenhaus.
Zur Zeit gibt es circa 100 schwule und lesbische Paare unter den etwa 2.000 Pflegefamilien in Berlin. „Die Frage ‚Braucht ein Kind Vater und Mutter?’ taucht immer wieder auch unter Sozialarbeitern und in den Jugendämtern auf“, berichtet Monika Herrmann. Auch das möchte die Plakataktion bewirken: Mehr Akzeptanz und mehr Gelassenheit im Umgang mit homosexuellen Paaren als Pflegeeltern. Doch die Probleme und Verunsicherungen liegen oft im Detail: „Was passiert, wenn meine Pflegetochter zur Adoption freigegeben wird?“, fragt eine lesbische Pflegemutter aus dem Publikum. Eine Antwort auf diese Frage gibt es nicht, ebenso wenig wie eine gesetzliche Regelung. Fakt ist, dass ein Paar, das in eingetragener Partnerschaft lebt, ein Kind grundsätzlich nicht adoptieren kann.

Doch schnell wird klar: Bei den anwesenden Lesben und Schwulen stellen sich viele Fragen, die auch andere potentielle Familien für Pflegekinder haben. Es geht um Schulungen, es geht um Finanzen und um den Umgang mit zum Teil stark traumatisierten Kindern. Dazu der schwierige Umstand, dass eine Pflegefamilie vom Grundsatz her eigentlich „nur“ eine Lösung auf Zeit ist. „Ziel ist immer, dass das Kind zurück in die Ursprungsfamilie kommen kann“, erklärt Monika Herrmann und betont: „Es ist nicht leicht, ein Pflegekind aufzunehmen, es ist eben keine Adoption.“

„Pflege ist eine Dienstleistung“, so bringt es Michael Korok nüchtern auf den Punkt. Er ist selbst Pflegevater und mit seinem Partner und Pflegetochter Jana auf dem Plakat zu sehen. Als schwules Paar seien sie „mit sehr offenen Armen“ beim Jugendamt aufgenommen worden, berichtet er. Man müsse aber dazu bereit sein, sein Leben für viele Menschen zu öffnen, nicht nur für das Kind, das man aufnimmt, sondern auch für die leiblichen Eltern und für das Jugendamt. „Man zieht sich so ziemlich aus“, sagt er mit Hinblick auf die Prüfung, die feststellte, ob er und sein Mann als Pflegeeltern geeignet sind.

Doch er nahm es gelassen, ebenso wie die Tatsache, dass dann alles ganz schnell ging: „Plötzlich war die Lütte da, und gerade vier Wochen alt.“ Auf Überraschungen müsse man als Pflegeeltern gefasst sein, weiß auch eine andere lesbische Pflegemutter zu berichten. „Wir haben damit gerechnet, ein zwei bis vier Jahre altes Kind aufzunehmen, doch dann bekamen wir einen Säugling und meine Frau musste von heute auf morgen ihre Arbeit aufgeben. Wir standen vor der Frage, ob wir uns ein Pflegekind überhaupt leisten können.“ Elterngeld bekommen Pflegeeltern nicht, sondern nur ein Pflegegeld, dass jedoch lediglich die Kosten für Unterhalt und die Bedürfnisse des Kindes abdecken soll.

Das Fazit der Diskussion war, dass in vielen Fällen klare Regelungen für die Situation von Pflegefamilien vor allem im Hinblick auf gleichgeschlechtliche Paare fehlen. Dass hier Handlungsbedarf besteht, ist allen Beteiligten auf dem Podium klar. Für Pflegevater Michael Korok scheint das jedoch eher nebensächlich zu sein: „Ich glaube, man kann auf dem Plakat sehen, dass unsere Kleine gut drauf ist“.

Christina Reinthal

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