Siegessäule - Stummfilmstar und sperrige Performerin: Valeska Gert

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Stummfilmstar und sperrige Performerin: Valeska Gert


Überfällige Würdigung der Berliner Künstlerin in einer Ausstellung im Hamburger Bahnhof

© Sammlung Wolfgang Müller Tanzfoto von Valeska Gert aus den 1920er Jahren in einem Abzug aus den 1960er Jahren

SIS 3.11.2010 – Erstmals wird die transdisziplinäre Kunst von Valeska Gert in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof gewürdigt. Die Berliner Künstlerin, Performerin und Tänzerin Valeska Gert (1892-1978) ist eine der großen, bis heute weit unterschätzten Persönlichkeiten dieser Stadt.

Aus dem ersten Stock des Hamburger Bahnhofs dringt Brüllen, Knötern und Glucksen. Die Geräuschkulisse zieht die Besuchenden unmittelbar ins Zentrum der Ausstellung über die Künstlerin Valeska Gert und vor eine Videoaufnahme von 1969, die Gerts Performance „Baby“ zeigt. 77 Jahre alt ist sie da und gibt den Säugling mit erstaunlicher Glaubwürdigkeit.

Eine Mimik, von der selbst Nina Hagen noch lernen könnte, war die Basis, auf welche die gebürtige Berlinerin ab Mitte der 1920er eine beachtliche Stummfilmkarriere aufbaute. Diese Filme, ihre Sperrigkeit, ihre oft grotesken Tanzperformances sowie ihre jüdische Herkunft zwangen sie 1933 zur Flucht aus NS-Deutschland.

Nach der Zeit des Nationalsozialismus kam eine Durststrecke

Nach dem Ende der faschistischen Diktatur dauerte es lange, bis sie hierzulande wieder Fuß fassen konnte. In ihren Kabarett-Cafés auf Sylt, in Berlin und New York kellnerten neben vielen anderen auch Klaus Kinski und Tennessee Williams – letzterer „bis ich ihn feuern musste, weil er in die Kasse gegriffen hatte“, wie die Künstlerin schelmisch in einer Talkshow von 1975 berichtet, die Teil der von Wolfgang Müller und An Paenhuysen kuratierten Ausstellung ist.

Auch viele weitere filmische Höhepunkte der langen Karriere Gerts sind hier zusammengetragen – neben Stummfilmausschnitten und Arbeiten mit Schlöndorff und Fassbinder ist auch ihr grandioser Auftritt als Medium in Frederico Fellinis „Julia und die Geister“ zu sehen. Dem Material um die Berlinerin, die eher Kobold als Dame war, stellen die Kuratoren unter anderem Werke von Valie Export, Marcel Duchamp und Hanne Darboven zur Seite.

Tania Witte

„Pause. Valeska Gert: Bewegte Fragmente“, Hamburger Bahnhof,
17. September 2010 - 6. Februar 2011

Mehr zur Location: Hamburger Bahnhof


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