Siegessäule - Thierry Poynard: „Das nimmt den Menschen unnötige Angst"

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Thierry Poynard: „Das nimmt den Menschen unnötige Angst"


Leberspezialist Thierry Poynard bei HIV im Dialog über neue Diagnosemöglichkeiten bei Hepatitis C

© Brigitte Dummer Prof. Thierry Poynard (li.) im Gespräch mit siegessaeule.de

SIS 18.9.2010 – Zur Mediziner-Elite Europas, die bei „HIV im Dialog“ im Berliner Roten Rathaus dieses Wochenende tagt, zählt auch der Leber-Spezialist Thierry Poynard von der Pariser Uni-Klinik Pitié-Salpêtrière. Mit einem Feuerwerk an Informationen beeindruckte er am gestrigen Freitag sein Publikum zur Frage wie man mit nicht-invasiven Methoden den Fibrosegrad einer Leber bei einer Infektion mit Hepatitis C bestimmen kann.
Vereinfacht gesagt ist die Fibrose eine Vernarbung des Lebergewebes, durch die diese ihre Funktionsfähigkeit verliert. Für die Kongress-Teilnehmer war das im Zusammenhang mit dem Tagungsthema HIV und Alter von einiger Bedeutung. Denn bei Männern über 40, die zudem schwulen Sex haben und HIV-positiv sind, ist die Gefahr deutlich erhöht, dass eine Fibrose entsteht.
Während man sich früher mit dem Punktieren des Organs – mit einer langen Nadel wird dabei eine kleine Gewebeprobe entnommen (Biopsie) – einen Eindruck über den Stand der Dinge verschaffte, warb Poynard nun für die Vorteile des seit 20 Jahren von ihm entwickelten Bluttests. Sowohl im Vergleich mit dem Ultraschall-Scan wie mit der Biopsie seien die Biomarker im Blut am verlässlichsten, um das Voranschreiten einer Fibrose vorherzusagen. 

Siegessaeule.de hatte die Gelegenheit bei Prof. Poynard persönlich nachzuhaken.

SIS: Nach Ihrem Vortrag sollte ich als HCV-Patient den Arzt wechseln, wenn der eine Leber-Biopsie vorschlägt, oder?
Poynard (lacht):
Ja, das ist keine falsche Schlussfolgerung.
SIS: Wie würden sie kurz die Vorteile Ihres FibroTests für Patienten zusammenfassen?
Poynard: Erstmal ist eine Blutabnahme viel weniger belastend als eine Biopsie. Vor allem ist sie aber zuverlässiger. Wir vertrauen in Paris in 98 Prozent der Fälle allein auf diese Methode. Die Biomarker machen es viel einfacher einzuschätzen, wie sich die Krankheit entwickelt. Ohne Grauzone wie bei der Biopsie. Das nimmt den Menschen unnötige Angst. Es ist doch beruhigend zu hören, dass man wahrscheinlich in den nächsten 20 Jahren nichts zu befürchten hat. In weniger günstigen Fällen lässt sich der richtige Zeitpunkt für eine eventuell notwendige Behandlung besser bestimmen.
(zw)

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