Siegessäule - Vorurteile früh bekämpfen!

Berlin

Vorurteile früh bekämpfen!


Die Kampagne „Berlin liebt“ warb für Respekt für Lesben und Schwule auf dem 23 Nisan Kinderfest – mit unterschiedlichem Erfolg

Rainer-Maria Fritsch und Eren Ünsal (von links), beim 23 Nisan Kinderfest in Berlin

siegessaeule.de 29.4.2011 – Elif kommt aus dem Erzählen gar nicht mehr heraus. Fast fünf Minuten lang schildert sie, wie eine Freundin sich einmal in sie verliebt hat. „Sie hat gefragt, wie ich sie finde und was ich von Lesben halte, da hat es bei mir Klick gemacht.“ Traurig sei die Freundin gewesen, als Elif ihre Liebe nicht erwidern konnte, und für sie selbst sei die ganze Situation auch schwierig gewesen. Ein Problem aber hat Elif nicht mit lesbischen Frauen. „Jeder kann machen, was er will!

Elifs Gesprächspartner Karsten und seine Kollegin Berrak sind eins von zwei Aktionsteams, die an diesem sonnigen Ostersamstag auf dem 23 Nisan Internationalen Kinderfest 2011 am Brandenburger Tor die Kampagne „Berlin liebt! Respekt macht‘s möglich“ des Berliner Senats bekannt machen wollen. Es ist die erste Vor-Ort-Aktion der Kampagne, neun weitere werden folgen. Das Kinderfest findet zum dritten Mal in Berlin statt, es folgt einer türkischen Tradition, die auf den ehemaligen türkischen Staatsgründer und Präsidenten Mustafa Kemal Atatürk zurückgeht.

23 Nisan Kinderfest 2011 in Berlin

Die direkte Ansprache zählt! Vor allem Eltern sollen sensibilsiert werden.

Die Berliner Aktionsteams sollen hier über die vielfältigen Lebensweisen in Berlin aufklären und festgesetzte Vorurteile bekämpfen. „Es geht uns darum, Bevölkerungsgruppen zu erreichen, die mit herkömmlichen Mitteln wie Flyern und Plakaten nicht erreicht werden können. Daher brauchen wir die direkte Ansprache“, erklärt Eren Ünsal, Leiterin der Berliner Antidiskriminierungsstelle, die gemeinsam mit Rainer-Maria Fritsch, Staatssekretär für Soziales, ebenfalls eine Aufklärungs-Runde auf dem Kinderfest dreht. Andererseits sollen die Eltern sensibilisiert werden. „Wir wissen, dass Vorurteile früh im Leben gebildet werden. Eltern spielen eine große Rolle dabei, wie Kinder auf unterschiedliche sexuelle Orientierungen reagieren. Und Gespräche mit Eltern sind gerade auf einem Kinderfest möglich“, sagt Eren Ünsal.

Ünsal und Fritsch klappern vor allem Stände ab, um für die Kampagne bei Vereinen zu werben – mit Erfolg. „Perfekt! Ich bin genau die richtige Ansprechpartnerin – ich bin selbst lesbisch“, sagt Heike Steboy, die für einen Hertha-BSC-Fanclub an einem Stand steht und die „Berlin liebt!“-Kampagne direkt aufs Fan-Sommerfest einlädt. Karsten und Berrak vom Aktionsteam haben es nicht immer ganz so leicht. Manche Passanten schauen zur Seite oder reagieren nicht. Manche Festbesuchenden, wie Elif, haben sogar richtigen Redebedarf. Und viele wollen doch gerne die von den Teams verteilten Stoffbeutel, Schlüsselbänder und Buttons mitnehmen. Das ist oft der erste Aufhänger für ein Gespräch. Eine Frau mit Kind unterbricht Berrak mitten im Satz. „Kann ich einen Beutel haben?“ „Ja“, antwortet Berrak, „wenn Sie mir sagen, was gleichgeschlechtliche Liebe für Sie bedeutet.“ Die Frau versteht nicht direkt, bittet um eine Übersetzung. Berrak spricht mit ihr auf Türkisch weiter und erklärt hinterher: „Ihre Antwort war: Alle Menschen verdienen Respekt.“

Tobias Sauer 

www.berlin-liebt.info