Siegessäule - Was tun gegen Homophobie im Reggea/Dancehall?

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Was tun gegen Homophobie im Reggea/Dancehall?


Podiumsdiskussion in der Kulturbrauerei: Anlass ist der im November abgesagte Auftritt des Reggeastars Sizzla, der in seinen Texten Schwule diffamiert

© Greensleeves

SIS 19.2.2010 – Im Maschinenhaus der Kulturbrauerei wird am nächsten Dienstag über Homophobie in der Kunst debattiert. Hintergrund der Veranstaltung ist das von der Kulturbrauerei gegen Sizzla (Miguel Orlando Collins) ausgesprochene Auftrittsverbot am 26. November 2009. Mit Textzeilen wie „Ich töte Schwuchteln und Queers, denn sie bringen Aids und Krankheit unter die Leute“ (dt. Übersetzung) rief der 33-jährige Jamaikaner eine Allianz von Politik und schwullesbischen Organisationen auf den Plan. Nach tagelangen Einigungsversuchen sagte die Kulturbrauerei das Konzert schließlich ab. In anderen Städten konnte Sizzla (Contor Music) allerdings auftreten.

Die Verunglimpfung von Homosexuellen und der Gewaltaufruf haben in der Reggae- bzw. Dancehall-Music Tradition und bilden ein eigenes Genre. Homosexuelle haben auf Jamaika nicht viel zu lachen: Gleichgeschlechtlicher Sex ist verboten und wird mit bis zu zehn Jahren Gefängnis oder Zwangsarbeit bestraft. Nicht nur Sizzla, auch Sänger wie Bounty Killer und  Beenie Man haben Lieder im Repertoire, die zu Gewalt an Queers aufrufen. Ist es überhaupt sinnvoll, mit solchen Leuten zu diskutieren? „Unser Ziel ist es“, so die Sprecherin des Kesselhauses, Anne Katrin Hülsmann, „Strategien im Umgang mit kontroversen Künstlern zwischen Verbot und Dialog zu entwickeln.“ Dialogversuche gab es schon einige, etwa den „Reggae Compassionate Act Berlin 2008“, eine schriftliche Selbstverpflichtung, sich nicht homophob zu äußern. Allerdings wird Sizzla und anderen vorgeworfen, sich nicht daran gehalten zu haben.

Musikalisch gilt Sizzla als „einer der besten Reggaekünstler, auf Jamaika ist er eine Art spiritueller Vater der Jugendlichen und steckt einen Großteil seiner Einkünfte in soziale Projekte in Jamaika und Afrika“, so Hülsmann. Es müssen sich nun beide Seiten bewegen, auch die, die Sizzla am liebs­ten nicht mehr in Europa sähen – Volker Beck hatte 2008 ein befristetes, mittlerweile wieder aufgehobenes Einreiseverbot nach Europa erreicht. Auch waren die Bedingungen wohl eher von Wut, nicht von politischem Weitblick geprägt, die der LSVD im November an den Kesselhaus-Auftritt knüpfte. Denn was wäre geschehen, hätte Sizzla tatsächlich, wie vom LSVD gewünscht, mit seinen Einnahmen eine Kampagne gegen Homophobie inklusive Akzeptanzbroschüre, Internetseite und persönlicher Videobotschaft auf Jamaika gestartet?

Zumindest zu Hause hätte er an Glaub­würdigkeit verloren. Die Chance, mit einer zentralen Figur der Reggae-Szene erste Schritte in Richtung Aufklärung zu machen, wurde vertan, als Sizzlas Gegenangebot als nicht ausreichend abgewiesen wurde: Er hatte sich bereiterklärt, die betref­fenden Lieder nicht zu spielen und alle Konzerte aufzuzeichnen, um sie anschließend auf homophobe Äußerungen hin überprüfen zu lassen. Bei den anderen deutschen Konzerten hat er sich daran gehalten.    
Christian Mentz

Podiumsdiskussion: Gegen Homophobie in der Kunst! Aber wie?,
23. Februar, Maschinenhaus in der Kulturbrauerei, 20 Uhr, mit: Volker Beck (MdB), Klaus Jetz (LSVD), Klaus Maack (Contour Music) und einem Vertreter der jamaikanischen Musikgewerkschaft



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