Siegessäule - Was wurde aus der Initative für sexuelle Vielfalt?

Berlin

Was wurde aus der Initative für sexuelle Vielfalt?


Vor einem halben Jahr startete die Intitiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt" - was ist bisher konkret geschehen?

SIS im November 2010 – Der Berliner Senat hat im Mai dieses Jahres die in Deutschland bislang einzigartige Initiative zur Akzeptanz sexueller Vielfalt beschlossen. Nicht weniger als 2,1 Millionen Euro Senatsmittel fließen 2010/2011 in den Kampf gegen Homo- und Trans*phobie. Das umfangreiche Maßnahmenpaket sieht etliche Projekte, Gesetzesänderungen und Studien vor. Nach einem halben Jahr liegen nun erste Ergebnisse vor.

So hat die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales Gelder für folgende sechs communitynahe Projekte bereitgestellt: Die Schwulenberatung bietet mit „Jo weiß Bescheid!“ ein Weiter- und Fortbildungsprogramm zu queeren Themen für unterschiedliche Berufsgruppen an. Der Integrationsverband „Harmnie“ initiiert das Projekt „raduga“(= Regenbogen), um die russischsprachige Community über Themen rund um Homosexualität zu informieren. Im Rahmen von „Tapesh“veranstaltet die Berliner Lesbenberatung Empowermentworkshops für Mehrfachdiskriminierte und für Personen mit Gewalterfahrungen.

Mit der Fortbildungsreihe „Oben Frau, unten Mann!“ klärt der TrIQ e. V. JournalistInnen über Trans*themen auf, und der Verein GLADT bietet im Rahmen von „Miteinander-Füreinander vielfältige Aktionen gegen szeneinterne Diskriminierung an, wie etwa jüngst die Rauminstallation „Ausgegrenzt²“ mit anschließender Party im SO36. Der LSVD Berlin-Brandenburg schließlich spricht mit „Soccer Sound“ musik- und sportbegeisterte Jugendliche an. In Workshops können die Teilnehmenden ihre musikalischen Fähigkeiten weiterentwickeln und werden zugleich für sexuelle und identitäre Vielfalt sensibilisiert. Im Bereich Sport wird bereits mit Vereinen kooperiert, z. B. mittels einer Bannerwerbung gegen Homophobie bei Tennis-Borussia-Berlin. Als Ansprechpartner und Koordinator für alle sechs Projekte wurde Florencio Chicote von der Senatsverwaltung eingestellt.

„Die wichtigsten Säulen der Initiative sind Bildung und Aufklärung“ sagte Klaus Lederer, einer ihrer Gründer, im Januar der Siegessäule. Toleranz solle schon „mit der Mutter­milch aufgesogen werden. Das betrifft nicht nur die Kids, sondern auch pädagogische Kräfte in Schulen, in Kitas, in Jugendclubs.“ Dafür wurden dem Senat für Bildung, Forschung und Wissenschaft stolze 770.000 Euro zugeteilt. Auch in dieser Verwaltung liegen Ergebnisse vor. Seit Beginn des Schuljahres stimmt die Lehrerin Conny Kempe-Schälicke Maßnahmen der Initiative im Bildungssektor aufeinander ab.

Die Zuständigkeiten sind hier unterteilt in die Kinder- und Jugendhilfe und in den Schulsektor. Während für ers­teren Bereich PädagogInnen demnächst ein differenziertes Fortbildungsangebot zur Verfügung steht, das in einer Kooperation von KomBi und ABqueer unter dem Namen Queerformat entwickelt wurde, gibt es noch keine vergleichbaren Resultate im Schulbereich. Derzeit läuft eine Ausschreibung für Projekte, die im Rahmen der Initiative Schulungen für Lehrkräfte und Multiplikatoren im Bildungssektor anbieten sollen.     

Jasper Backer