Siegessäule - "We will survive" sagen Berlins queere Verleger

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"We will survive" sagen Berlins queere Verleger


Trotzdem wird es für kleine Nischenverlage immer schwieriger

© Guido Woller

SIS im März 2009 „Von Lesefaulheit spüren wir nichts!“ Bei Krug & Schadenberg rüstet man sich für die frühjährliche Buchsaison. Wem die zwei neuen Titel, ein Thriller und etwas eher Romantisches, zu wenig sein sollten, dem verspricht die Verlegerin Andrea Krug gleich dreifachen Nachschub im Herbst. Zusammen mit Dagmar Schadenberg leitet sie Berlins Verlag für Literatur für Lesben. Der Querverlag produziert als einziger Verlag in Deutschland Bücher für Schwule und für Lesben. Hier verzichtet man diesmal bei sechs Neuerscheinungen auf den sonst üblichen Sachbuchtitel und hat stattdessen „das Verbrechen entdeckt“. Künftig will der kleine Verlag mit einer eigenen Krimi-Reihe bei den Lesern punkten. Der Bruno Gmünder Verlag, Deutschlands Marktführer in schwulen Medien, setzt in Sachen Belletristik interessanterweise auf einen ehemaligen Querverlags-Autor, Peter Hofmann. Mit der 38. Auflage des schwulen Reiseführer-Klassikers „Spartacus“ hat man bei Gmünder zudem den internationalen Markt im Blick. Doch in die Freude über neue Titel mischt sich bei Berlins queeren Verlagen auch Besorgnis über die Veränderungen am Buchmarkt. „Das Problem“, sagt Jim Baker, der Geschäftsführer vom Querverlag, „sind dabei nicht die Leserinnen und Leser, sondern der Vertrieb.“ Seit Verlagsgründung habe sich die Zahl der Verkaufsstellen bundesweit um fast die Hälfte verringert.

Der Trend spricht gegen kleine Buchläden und für große Ketten. Dort entscheidet aber schlicht der Umsatz, was angeboten wird. Ein Problem für die aufgrund ihrer Größe umsatzschwachen queeren Verlage: Wenn deren Buchtitel überhaupt in großen Filialen in einem Regal mit kleiner Auswahl zu finden sind, dann verdankt sich dies meist der Einzelinitiative von Mitarbeitern. Sonst verschwindet manch gutes Buch nach Alphabet sortiert im allgemeinen Angebot. Dann ist queere Literatur zwar wortwörtlich im Mainstream angekommen. Sie ist aber auch, wie Andrea Krug befürchtet, „für die neugierige Leserin, die stöbern und neue Entdeckungen machen möchte, kaum zu finden. Zum Glück gibt es noch engagierte Buchhandlungen wie AnaKoluth oder Eisenherz, die ein breites Sortiment an lesbischer bzw. schwuler Literatur anbieten.“ Anders als der Gmünder Verlag mit seinen Bruno’s-Filialen haben Krug & Schadenberg und der Querverlag keine eigenen Verkaufsstellen.

Auch das Internet kann den Mangel nicht ausgleichen. Unverändert werden Bücher überwiegend im stationären Buchhandel gekauft, der Anteil des Online-Handels beträgt nach Branchenangaben insgesamt nur knapp neun Prozent.
Trotzdem gibt man sich bei Berlins lesbisch-schwulen Verlagen selbstbewusst. Man weiß um die Wichtigkeit der eigenen Arbeit: „Wir werden von den Leserinnen als ‚ihre’ Verlage betrachtet“, beschreibt Andrea Krug die Nähe zum Publikum. Jim Baker betont „Innovation und Vielfalt“ der kleineren Verlage. Er bezweifelt, dass noch unbekannte Autoren mit homosexuellen Themen gleich bei Großverlagen landen können. Ähnlich sieht es Andrea Krug: „Die schwul-lesbischen Verlage gehen Experimente und Risiken ein, die sich Mainstream-Verlage oft nicht trauen.“ Doch der Spielraum wird auch hier, gerade wegen der strukturellen Probleme kleiner Verlage, zunehmend enger. So zeigt denn auf der Leipziger Buchmesse Mitte März nur noch ein Verlag schwul-lesbische Präsenz. Messe ist teuer, rechnerisch meist ein Verlust – so muss es also etwas anderes sein, das Jim Baker mit seinem Querverlag auch in diesem Jahr nach Leipzig zieht. „Ich mache es, weil es mir Spaß macht! Es tut einfach gut, wenn Menschen am Stand vorbeischauen und sagen: ‚Schön, dass ihr da seid!’“

Rainer Hörmann


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