Siegessäule - Werner Schroeter: Der Rosenkönig tritt ab

Berlin

Werner Schroeter: Der Rosenkönig tritt ab


Nachruf zum Tod des schwulen Regisseurs

Werner Schroeter (vorne) mit Rosa von Praunheim

SIS 13.4.2010 – Der Regisseur Werner Schroeter war der Meister des Liebesschmerzes.  Sinnliche Bilder und kraftvolle Töne setzte er in Form einer radikalen Ästhetik um. Für seine künstlerische Lebensleistung wurde der schwule Künstler am 19. Februar diesen Jahres beim TEDDY AWARD der Berlinale mit einem Special TEDDY geehrt. Schroeters kluge Dankesrede über schwule Filme und queere Kultur war so eindrucksvoll und rührend, dass es minutenlange Standing Ovations für ihn gab. Es war Werner Schroeters letzter großer Auftritt, heute ist er im Alter von 65 Jahren an den Folgen seiner Krebserkrankung in Kassel gestorben.

Nach Jahrzehnten der Ausgrenzung und Diskriminierung stach Werner Schroeter im deutschen Film der 70er-Jahre, als schwuler Regisseur neben Fassbinder und Praunheim hervor. Obwohl sie schwul waren, lebten sie in völlig verschiedenen Welten. Werner Schroeter verweigerte sich dem Realismus ebenso wie dem Aktivismus. Der Maria-Callas-Fan, der sein Idol noch persönlich kennengelernt hatte, war in der Welt der Oper zu Hause. Er schuf künstliche Räume, in denen die Darsteller so wenig naturalistisch wie möglich agierten. Selbst wenn in einem seiner Filme nicht gesungen wurde, dominierte die große Geste, das künstliche Licht, die stilisierte Dekoration, der enthemmte Todeskitsch. In den letzten Jahren spezialisierte sich Schroeter auf Interviewfilme. Für „Poussières d'Amour" (1996) holte er Martha Mödl und Trudeliese Schmidt vor die Kamera, für „Die Königin" (2000) Marianne Hoppe.

Abgesehen davon, dass er am 7. April 1945 in Georgenthal (Thüringen) geboren wurde, gibt es über seine frühen Jahre keine zuverlässigen Daten. „Ich bin eigentlich vom 7. bis zum 14. Lebensjahr täglich verkloppt worden in der Schule. Ich hab mich auch nie dagegen gewehrt, es hat mich bloß traurig gemacht", bekannte er in einem Interview. Solche Erlebnisse erklären Schroeters unverkennbares Frauen- und Männerbild. Die Frauen sind stark und mütterlich, die Männer schön und passiv. Seine Liebe zur Musik beschränkte sich nicht auf die Oper, sodass man in seinen Filmen neben Callas-Arien auch Caterina-Valente-Schlager hören kann.

Zum Film kam Werner Schroeter im Alter von 22 Jahren. Auf dem Avantgardefilmfestival im belgischen Knokke-Le-Zoute lernte er seine erste große Liebe kennen, Rosa von Praunheim. Gemeinsam drehten sie mehrere Werke, darunter auch „Eika Katappa“, Schroeters ersten langen Film, und „Willow Springs“ von 1972/73. „Palermo oder Wolfsburg“ wurde bei der Berlinale 1980 zum besten Spielfilm gekürt und mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

Seine Verehrung für Maria Callas, die Begeisterung für Italien und die Oper drückte der Künstler in Filmen wie „Goldflocken“ oder „Der Rosenkönig“ aus, mit der wunderbaren Magdalena Montezuma in ihrer letzten Rolle. Mit Werner Schroeter tritt der Bildkomponist des neuen deutschen Films, der letzte große Unangepasste, ab.

Andrea Winter/Arwen Haase/Frank Noack

Aktuell gibt es eine Ausstellung im Schwulen Museum zu Werner Schroeter und Elfi Mikesch, hier mehr dazu