Buch
Augusten Burroughs und David Sedaris
Neue Bücher der beiden schwulen Bestsellerautoren
© Michael von Aulock David Sedaris
SIS im Frühjahr 09 – Sie sind beide schwul, monogam verpartnert und bekennende Neurotiker. Und sie sind die unangefochtenen Meister der modernen autobiografischen Literatur. Inzwischen liefern sich beide einen offiziell nie ausgerufenen Publikationswettstreit. Im Sommer kam Augusten Burroughs’ neueste Textsammlung „Mögliche Nebenwirkungen“ auf den Markt. Er ist vielleicht der amerikanischere der literarischen Seelenzwillinge: Der ehemalige Werbetexter geht immer wieder auf Fernseh- und Produktwelten ein sowie seinen eigenen Medienautismus, verortet seine Kurzprosa zwischen Südstaaten-Omas, einer psychotischen Mutter, zwischen Großstadtkardiologen, französischen Bulldoggen und dem Leben eines schwulen, alkoholkranken Werbers im Big Apple. Das ist modern, komisch und immer zielgenau beobachtet.
David Sedaris dagegen lebt mit seinem Lebensgefährten, dem Maler Hugh Hamrick, seit Jahren in der Normandie. Er ist der Europäischere von beiden und auch der, der hierzulande mehr Erfolg hat. Sein neues Buch „Schöner wird’s nicht“ enthält wieder all das, wofür Fans ihn lieben: Bizarre Geschichten aus dem Leben eines Neurotikers, der am liebsten an sich selbst leidet. Anders als in früheren Werken erzählt er weniger Kindheitskatastrophen, dafür rückt das Älterwerden in den Vordergrund: „Ich habe schlimme Plattfüße, die die meiste Zeit meines Lebens zumindest wie Füße aussahen. Inzwischen sind sie rundherum entzündet und haben die Form öder, platter Bundesstaaten, durch die niemand fahren will.“ Solche Vergleiche zeichnen Sedaris aus.
Und noch eine neue Nuance: Das schwule Eheleben nimmt einen immer stärkeren Raum ein. Man erfährt, wie es ist, mit einer homophoben Nachbarin in New York zu leben, die schon beim Einzug die Gleichung aufmachte: „2 junge Männer + 1 Schlafzimmer – hässliche Wandvertäfelung = Schwuchteln“. Man erfährt, wie es ist, als amerikanisches Schwulenpaar in der Normandie zu leben. Das macht Spaß zu lesen, und zwischen Witz und Alltagsskurrilität blitzen immer öfter Herzenswärme und echte Lebensweisheit auf. Fazit: Sedaris-Fans kommen wieder voll auf ihre Kosten, Burroughs-Fans auch.
Volker Surmann
David Sedaris: „Schöner wird’s nicht“. Blessing, 320 Seiten, 19,95 Euro
Augusten Burrough, Mögliche Nebenwirkungen. Wahre Geschichten. Rowohlt-Tb, 366 Seiten, 8,95 Euro
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