Buch
Chronik der Schwulen
Jetzt: Die 80er Jahre
SIS im Nov 2008.
Dietmar Kreutzer legt den zweiten Band seiner Chronik der Schwulen vor. Nach den 70er Jahren, die von Aufbruch und Revolte, ideologischer und sexueller Befreiung geprägt waren, sind jetzt die 80er dran. Im praktischen Häppchenformat fasst Kreutzer die wichtigsten Ereignisse des Jahrzehnts zusammen. Dafür hat er umfangreiches Archivmaterial vor allem aus der schwulen Presse – DU&ICH, Him, Magnus, Don&Adonis etc. – ausgewertet. Man sieht: In modischer Hinsicht waren die 80er ein ziemliches Desaster, selbst Homo-Ikone George Michael hat sich später für seine Outfits entschuldigt.
Es war auch ein Jahrzehnt, in der schwules Leben immer sichtbarer wurde. In der Fernsehserie um den „Denver Clan“ trat mit Steven Carrington die erste schwule Serien-Hauptfigur auf, die allerdings später mit neuem Darsteller auf hetero umgeschrieben wurde. Die deutsche „Lindenstraße“ zog nach mit Carsten Flöter, der aber so bleiben durfte, wie er war. Das Musikgeschäft platzte förmlich aus den Nähten vor Identifikationsfiguren. Ob Duran Duran, Limahl, Wham oder Modern Talking, alle sahen irgendwie superschwuppig aus, egal, ob sie es nun waren oder nicht. Dagegen wirkte Jimmy Sumerville wohltuend unaufgebretzelt, nicht nur aus heutiger Sicht.
Die Aidskrise, die den Hedonismus der 70er zwar stellenweise in kollektive Resignation und Depression stürzte, sorgte gleichzeitig auch für die Gründung der ersten schwulen Hilfsorganisationen. Auch das Engagement von Prominenten ist dokumentiert.
Frank Hermann
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