Siegessäule - Dandy in Aspik: Rupert Everetts Buch über „Rote Teppiche und andere Bananenschalen“

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Dandy in Aspik: Rupert Everetts Buch über „Rote Teppiche und andere Bananenschalen“


Ganz schön bitchy: Der Hollywoodstar schrieb seine Anti-Memoiren

© Doris Spiekermann-Klaas/Der Tagesspiegel

SIS im April 2010 – Ab einem bestimmten Alter bieten Tratsch und Klatsch, diese ehrwürdige Erhaltung biblischer Traditionen, häufig mehr Trost als jede Philosophie. Deshalb sei vorab schon gesagt, dass „Rote Teppiche und andere Bananenschalen“ von Prince Charming Rupert Everett die besten Showbiz-Highlife- Anti-Memoiren der letzten Jahre sind. Freimütig schwul („Auch, dass ich nicht heterosexuell bin, war für mich eine glückliche Fügung“), bitchy, diva-like, sexy, komisch, klug, stilistisch ambitioniert und (selbst)ironisch kommt Everett daher, und er hat uns so einiges mitzuteilen, das durchaus der eigenen (eleganteren) Lebensführung dienen kann.

„Irgendwann vor der Teestunde“ am 29. Mai 1959 wird er in die jedes Klischee erfüllende britische Upperclass hineingeboren. Erster Schlüsselaugenblick wird für das Kleinkind der Nanny-Film „Mary Poppins“, der „ein gigantisches, derangiertes Ego“ ans Licht bringt. Schaurige Internatsjahre folgen, mit 15 weiß er, dass er schwul ist, was ihn aber später an heterosexuellen Seitensprüngen nicht hindert.

Der Beau treibt sich im drogengesättigten London der 70er herum, ist zeitweise als Liebesdiener im Einsatz und feiert mit Andy Warhol, David Bowie, Bianca Jagger etc. Die Vorteile der Schönheit sind, wie Jean Cocteau einmal neidisch bemerkte, eben enorm. Er schmeißt die Schauspielschule hin, reüssiert aber am Theater. Das Kinogenie Orson Welles sieht Everett in „Another Country“ und hält ihn danach für „einen der besten Schauspieler“, den er je gesehen hat (Everett selbst hält sich bescheiden für eher talentlos), und lotst den 24-Jährigen nach Los Angeles. Die Hollywood-Karriere dümpelt vor sich hin, aber Partys gibt es reichlich. Nach dem Coming-out ist es mit der Karriere als neuer Cary Grant sowieso vorbei („Hollywood ist ungefähr so tolerant wie al Qaida“). In den 90ern hat er dennoch in Filmen mit Madonna und Julia Roberts (beides Intimfreundinnen) Erfolg. Der Leinwandweg geht auf und ab, er nimmt es britisch-stoisch. Flops sind ihm „wichtig“, gerade geht es wieder aufwärts: Er spielt Theater und bereitet Filme vor. Er wollte Liebe, Sex und Erfolg, und er bekam sie. Er kannte (kennt) alle und hatte so einige. Auch wenn er sich selbst als „so ein bisschen die Leerstelle im Zentrum des Buchs“ bezeichnet: Diese höchst vergnüglichen Erinnerungen über außergewöhnliche Zeiten stellen ebenso Fallen, Misserfolge und dunkle Seiten (auch die eigenen) aus. Everett ist erfreulich weise und klarsichtig („Die Welt des Films und des Theaters ist letztlich total enttäuschend“). Egal, wie´s noch kommt: Ein wundervoller Schriftsteller ist unser „best gay friend“ allemal.

Egbert Hörmann

Rupert Everett, „Rote Teppiche und andere Bananenschalen“, Kiepenheuer, 490 S., 18,95 Euro


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