Buch
„Das Fischkind" ist ein roher und zugleich magischer Roman
© Lucía Puenzo Wagenbach Verlag
SIS (2009) – Serafíns Kommentar zu seinem Namen ist der Auftakt des Debütromans von Lucía Puenzo. Wer erste Sätze so liebt wie ich, dem sei gesagt: Es hätte schlimmer kommen können. Der erste Absatz des Buches ist zu entschuldigen, weil er aus der Sicht des Hundes geschrieben ist, der das ganze Buch über als Erzähler fungiert. Serafín ist „schwarz, ein richtiger Kerl, und ziemlich fies drauf“. Er kriegt einen Ständer, wenn sein Frauchen die Geliebte Lala streichelt.
Wer hier nicht entnervt die Lektüre abbricht, kann sich auf ein farbenfrohes Buch voller Rohheit und Magie freuen, denn jetzt entrollt Lucía Puenzo die surrealistisch angehauchte Geschichte von Lala, Tochter aus der argentinischen Oberschicht, und ihrer Liebe zu dem paraguayischen Dienstmädchen Lin. Lala wächst in einer desolaten Familienstruktur auf und träumt mit Lin von einem besseren Leben in einem Haus am See. Als Lala herausfindet, dass ihr Vater Lin regelmäßig vergewaltigt, kommt es zum Showdown.
Lucía Puenzo, die sich 2007 als Regisseurin des preisgekrönten Filmes „XXY“ einen Namen machte, erzählt ein Roadmovie, das sich nicht mit Romantik aufhält, sondern den Finger auf viele offene Wunden Argentiniens legt. Es geht um Hierarchien und Schichtengefälle, um Korruption, Verfolgung, (sexuelle) Gewalt und Gegengewalt. Und um eine erste große Liebe. Dass Lala und Lin lesbisch sind, ist angenehm selbstverständlich und wahrscheinlich das Normalste an diesem Buch, das sich auf dem Drahtseil zwischen rauer Realität und angekitschter Magie bewegt.
Tania Witte
„Das Fischkind“ , Wagenbach Verlag, 157 Seiten, 16,90 Euro
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