Buch
„Das Tomatensaft-Mysterium“: Thomas Hermanns übers Fliegen
Nach „Für immer d.i.s.c.o.“ geht es von der Tanzfläche in die Luft: In seinem neuen Buch reizt Thomas Hermanns das Thema voll aus – nicht immer zum Amüsement der Leser
© Stephan Pick
SIS 2.4.2010 – Er gehört zu Deutschlands bekanntesten Moderatoren, ist Chef des „Quatsch Comedy Live-Clubs" und hat als Regisseur die Bühnenprogramme von Gayle Tufts, Michael Mittermeier, Kaya Yanar oder Cora Frost in Form gebracht. Sein erstes Buch „Für immer d.i.s.c.o“ erschien vergangenes Jahr, nun legt Thomas Hermanns mit „Das Tomatensaft-Mysterium: Fliegen in der Comedy Class“ nach.
In Stand-up-Comedy-Manier erzählt er von seinen Erlebnissen beim Fliegen, vom Ticketkauf bis zum verlorenen Koffer: Manche Menschen schreiben eben, um ihre Traumata zu bewältigen, andere gehen zum Arzt, wenn sie von Flugangst befallen sind und suchen nicht gerade im Ratgeber eines Comedians nach Lösungsvorschlägen für feuchte Hände, Übelkeit und Druck in den Ohren.
Auf etlichen Seiten geht Hermanns der Frage nach, wieso Reisende über den Wolken immer Tomatensaft trinken; er belegt es mit den Aussagen einer Wissenschaftlerin, die den beim Flug üblichen Kabinendruck simulierte, Geschmackstests mit Probanden durchführte und dabei herausfand: mit Ausnahme von Tomatensaft werden unter diesen Druckumständen die meisten Speisen und Getränke als fade empfunden. Und weil das Buch nicht das gleiche Schicksal erleiden soll, würzt es der Comedian mit „pikanten“ Details über das Sexualleben der einzelnen Besatzungsmitglieder: „Ich liebe die ‚Kellner der Lüfte', weil man ihnen immer ganz genau ansieht, ob sie ein erfülltes Sexleben haben oder nicht. Die Damen in der Businessclass sind sexuell eher unterfordert. Mit ihrem Make-up sehen sie aus wie eingefrorene Hitchcock-Figuren, so ist auch ihr Lächeln."
Dann folgt noch ein Bekenntnis: Der Autor war früher ein Gangtyp, heute dagegen nimmt er lieber am Fenster Platz: „Weil da die entspannteren Menschen sitzen. Außerdem fährt einem nicht immer der Trolley über den Fuß.“ Man wünscht sich fast, er wäre über den Finger gefahren, mit dem das Buch getippt wurde. Vielleicht als Entschuldigung für den einen oder anderen billigen Witz findet sich noch dieser Vorschlag: Wie wäre es, wenn wir alle unsere angesparten Bonusmeilen spenden und so z. B. 700 Milliarden in Afrika investieren würden? Wir haben da eine bessere Idee: Spenden und wie die Lufthansapiloten nicht mehr fliegen, das ist klimafreundlich und unterstützt die nachhaltige Entwicklung in Afrika.
Gunnar König
Thomas Hermanns, „Das Thomatensaft-Mysterium. Fliegen in der Comedy-Class“, Goldmann, 208 Seiten, 8,95 Euro
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