Siegessäule - Debüt: Surmanns „Die Schwerelosigkeit der Flusspferde"

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Buch

Debüt: Surmanns „Die Schwerelosigkeit der Flusspferde"


Der Berliner Versuchskomiker mit einem unterhaltsamen Roman

© Privat Volker Suhrmann

SIS im Mai 2010 – Auftritte in der Alten Meierei Kaltenbüttel bei Uelzen, Stand-ups im Berliner Kaffeehaus „Sturbacks“, wo praktisch jede Pointe im Ächzen der Kaffeemaschinen und Schlürfen der Milchschäumer untergeht. Yannick Herbst, 30, schleppt sich und seine Komik seit Jahren durch öde Käffer bzw. durch den Kaffeesatz der Berliner Humorszene. Für mittelmäßige Gags kassiert er unterirdische Gagen, die nach Abzug aller Kosten einen Stundenlohn ergeben, der sich auf dem Niveau eines Ein-Euro-Jobs bewegt. Man könnte ihn einen Loser nennen. Spaßmasochisten trifft es aber eher: Yannick kennt das Business und weiß nur zu gut, dass eine sensible, ehrliche Haut wie er an den Launen und Strukturen des Showgeschäfts scheitern muss. Anders als viele schwule Männer seines Alters in Berlin, die vor überquellender Kreativität keine Struktur im Leben finden, weil sie nicht begreifen, wie sie ihre Energien karrierefördernd kanalisieren sollen, hemmt Yannick die Kluft zwischen künstlerischem Anspruch und dem Wissen um das eigene, überschaubare Talent.

Das wird auch dadurch deutlich, dass alle Hauptfiguren im Buch witziger sind als er selbst. Da ist seine Mitbewohnerin Laura, die sich als Fotografin auf SM-Bilder für Fetischis­ten und Tierfotos für die Presse spezialisiert hat. Da ist die resolute (feministisch sozialisierte) Managerin Uta Sybille Kramer, die seit Jahren auf ein Porträt in der Emma wartet, für das sie sogar eine Headline wüsste. Und dann kommt Konrad, der Flusspferdepfleger, ins Spiel, ein bodenständiger Kerl, der sich von Äußerlichkeiten nicht blenden lässt, in schicken Edelschuppen deplatziert fühlt und Kreativität offenbar für eine Krankheit hält. Zwischen ihm und Yannick funkt es, und so muss der desillusionierte Komiker kapieren, dass das Leben verrückter ist als jedes Liveprogramm und Liebe nicht automatisch eine Schlusspointe bereithält. Volker Surmanns „Schwerelosigkeit der Flusspferde“ ist eine rasant erzählte Berliner Liebesgeschichte, die sich wie ein auf Gags und Effekte abgestimmtes Comedyprogramm liest. Was nicht wirklich verwundert, da Wortakrobat Surmann selbst regelmäßig durch die Szene tingelt. Fazit: Unterhaltsam. Schlau. Auch zynisch. Und ein wenig ernüchternd ob der tiefen Einblicke in die Maschinerie der Humorproduktion.

Sirko Salka


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