Buch
"Der letzte Kommunist": Matthias Frings über Ronald M. Schernikau
Das Buch übe das ungewöhnliche Leben des Schriftstellers Ronald M. Schernikau wurde für den Leipziger Buchpreis nominiert
© Privatfoto aus "Der letzte Kommunist: Das traumhafte Leben des Ronald M. Schernikau" von Matthias Frings
SIS im März 2009 – Schon jetzt steht ein Superlativ fest: „Der letzte Kommunist: Das traumhafte Leben des Ronald M. Schernikau“ von Matthias Frings gehört für die Community zu den bewegendsten, auf- und anregendsten Büchern des Jahres. Es wäre mehr als falsch, diese Biografie in die queere Ecke abzuschieben, sie ist viel mehr. Es ist ein Triumph ausgleichender Gerechtigkeit, dass Ronald Schernikau durch die liebevolle, kritische und ehrende Erinnerungsarbeit von Matthias Frings die schöne Chance erhält, erneut wahrgenommen und dem modischen Furor des Vergessens entrissen zu werden. Dieses literarische Wunderkind, eine schillernde, janusköpfige Ikone der 80er-Jahre, ein tragisch umflorter Don Quichotte, ist schließlich nach Aussagen von Kollegen „einer der größten Schriftsteller der letzten Jahrzehnte", war „der letzte normale Mensch".
Ronald M. Schernikau wird 1960 als Kind einer alleinerziehenden Krankenschwester in der DDR geboren. 1966 folgt die Mutter dem Lockruf ihres Liebhabers und flieht abenteuerlichst in den Westen, was sie immer bereuen wird. Das Gefühl des Verlusts wird für das Kind eine prägende Urempfindung
in der Bundesrepublik.
Man landet in einer Kleinstadt bei Hannover; der Teenager wird 1976 Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands. 1980 erscheint seine Aufsehen erregende „Kleinstadtnovelle", der Dichter zieht nach Westberlin, stürzt sich ins Nachtleben, trifft die Liebe seines Lebens. Nach großen Schwierigkeiten gelingt es ihm als erstem und einzigem Bundesbürger, in Leipzig Literatur zu studieren. Am 1. September 1989 erhält er die lang ersehnte DDRStaatsbürgerschaft
und siedelt nach Berlin-Hellersdorf um. 1991 vollendet er sein monumentales Opus „legende“. Er stirbt am 20. Oktober 1991 infolge von Aids.
In Matthias Frings fand dieser komplexe Solitär seinen idealen Biografen. Der Aktivist, Journalist, Autor und TV-Produzent lernte seinen Helden 1980 kennen, war bis zu dessen Tod eng mit ihm befreundet und hatte den Zugang zum Nachlass. Schernikaus Mutter und sein Lebensgefährte vetrauten ihm uneingeschränkt. Es ist eine klassische Biografie, aber auch eine Erzählung. Und darüber hinaus eine vergnügliche Sitten-, Kultur- und Zeitgeschichte der 80er-Jahre in Ost und West. Die westdeutsche (insbesondere die Berliner) Schwulenbewegung und das schwule Leben werden thematisiert, ebenso die quasi symbiotische Mutter-Sohn-Beziehung. Und auch Matthias Frings bringt sich sicher und selbstironisch mit in den Text ein.
Egbert Hörmann
Am 6.3. um 20 Uhr liest Matthias Frings in der Buchhandlung Eisenherz
„Der letzte Kommunist: Das traumhafte Leben des Ronald M. Schernikau“, Aufbau Verlag, 450 Seiten, 19,95 Euro
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