Buch
„Der letzte Prinz" – Peter Hofmann im Interview
Peter Hofmanns neuer Roman „Der letzte Prinz“ spielt in der schwulen Meile in Schöneberg
© Mathias Roloff
SIS 2009 – Dein neuer Roman „Der letzte Prinz“ erscheint bei Bruno Gmünder. Damit verlässt du den Querverlag, wo du seit neun Jahren veröffentlicht hast. Ist damit auch eine literarische Veränderung beabsichtigt?
Ich sehe mich in einer Phase der Umorientierung. Schon länger ist ein Konzept für einen ganz anderen Roman in meinem Kopf. Ich weiß nicht mal genau, ob überhaupt eine schwule Figur dort vorkommen wird. Kreativität lässt sich aber nicht berechnen und die Idee zu „Der letzte Prinz“ drängte sich nach vorn und wollte zuerst realisiert werden.
Nach vorne gedrängt hat sich schwules Leben im Schöneberger Kiez.
In Gestalt von Rüdiger, einem Kellner, und Jacko, einem verrenteten HIV-Positiven. Deren Freundschaft muss die Suche nach Liebe, nach Beziehung aushalten. Ich wollte eine Heimatlosigkeit inmitten des Treibens eines schwulen Biotops beschreiben. Sich in diesem paradiesischen Überangebot zu einem anderen Menschen zu bekennen, das halte ich für eine Leistung.
Bis auf ein Café sind alle Schauplätze reale Plätze und Kneipen Schönebergs. Trotz manchen Unmuts der Hauptpersonen liest sich „Der letzte Prinz“ wie eine Hommage an den queeren Kiez Schöneberg.
Das Faszinierende ist für mich immer noch die Normalität, die hier gespielt wird, obwohl das Leben hier alles andere als normal ist. In der schwulen Meile lebt man auf eine Weise, die anderswo schlicht nicht möglich ist. Auch ich bin mal als Landei hierhergekommen und habe diesen Ort als Befreiung erlebt. Zu jeder Tages- und Nachtzeit kann man Menschen kennenlernen, Sex haben, ohne nach Vergangenheit zu fragen.
Rüdiger und Jacko sind ständig unterwegs in der Szene ...
Gerade dass alles präsent, öffentlich ist, scheint mir ein zentrales Moment des Kiezes. Es macht auch die Leichtigkeit aus, mit der es sich hier manchmal leben lässt. Herumstreifen, cruisen, Menschen begegnen, das macht ja alles auch gute Laune. Es gibt absichtlich keinen privaten Raum im Roman, abgesehen vom Schluss, der die Personen in ganz unerwarteter Konstellation zusammenbringt.
Was stört dich am Schöneberger Kiezleben?
Auch hier wollen alle geliebt werden. Das ist dann gnadenlos, wenn die Oberfläche wichtiger genommen wird, als sie ist. Die ganzen Mode- und Körpertrends, die den Kiez beherrschen, werden vielen freundlichen, sympathischen Menschen nicht gerecht. Die stecken dann in Designerklamotten, die einen niemals vermuten lassen, dass sich darin ein liebevoller Mensch verbirgt.
Was muss sich ändern?
Man muss bereit sein, das Paradies auch wieder zu verlassen. So toll es auch ist, darin zu leben. Schöneberg ist nicht die Welt.
Interview: Rainer Hörmann
Peter Hofmann stellt sein Buch vor:
17.4., 20.30 Uhr, Buchladen Eisenherz
22.4., 20 Uhr, La Leander, Potsdam
zurück
Weitere Artikel dieser Rubrik
- „Slalom“: Ringen um Akzeptanz
- KZ in Deutschland, Glück in Frankreich – Rudolf Brazdas Leben
- Matthias Frings über seinem neuen Roman
- Tage im Dämmer, Nächte im Rausch: Buch von Werner Schroeter
- Queerness aus Mechanikersicht: „Als das Cello vom Himmel fiel“
- „Nein, wir bleiben blöd!“ – Peter Rehberg über Schwule ab 40
- Was kommt nach der Liebe?
- Ralf König und seine Knollennasen im Heimathafen Neukölln
- Erneuerte Safer Sex Broschüre für Lesben
- Berliner Stadtgeschichten: „beziehungsweise liebe“
- 1945 und die fehlende Stunde Null danach
- Roland Barthes: Denker und Gepeinigter
- Frida Kahlos Leben neu erzählt
- Das millionenschwere Testament des schwulen Schriftstellers
- Ballettmeister Neumeier im Porträt
- Was wir schon immer über Sex wissen wollten
- Schwuler Roman von Jack Kerouac und William S. Burroughs
- Donald Windhams „Zwei Menschen“ ist ein schwuler Klassiker
- „Tödliche Aussicht“: schwule Zickereien, Neid und Todesfälle
- „Irgendwo auf der Welt ...“ hebt vergangene Schätze
- Sara Stridsberg: „Nur der Himmel ist eine Begrenzung“
- „Mein schwules Auge 7“: schwules Füllhorn
- „Städte aus Frauen“: Moderne trifft Tradition
- „Herzbesetzer“: zu viele Plattitüden um den schwulen Plot
- „Frauengeschichten“: spannende historische Details
- Überzeugender Debütroman: „Der beste Teil der Menschen“
- Die Tagebücher von Fritz J. Raddatz: der Wahnsinn der BRD
- „Positiv“ zeigt die heutige Realität von Aids und HIV
- „Zwei Lieben" erzählt von schwulem KZ- und Nachkriegsleben
- „Landlust“: Die Großstadt ist die wahre Wildnis
- „Der andere Garten“: brillantes Meisterwerk
- „Schreiben über Film“: überfällige Hommage an Karsten Witte
- „111 Gründe, offen zu lieben“: Horizonterweiterung
- Triumph des Lebendigen: neue Lyrik von Mario Wirz
- „Heiße Schokolade“: schwules Coming-out in Marokko
- „Geschichte der Freundschaft“: schwuler Balanceakt
- „Piratenherz“: Erzählungen mit scharfer Kante
- Morde, Abgründe, toughe Frauen: lesbischer Krimiherbst
- „Parties“: Boheme vor dem Schwarzen Freitag
- „Die stille Gewalt der Träume“: eindrucksvolle Studie Südafrikas
- Hochklassige Literatur über eine versteckte Liebe
- Mehr Stoff von erlesener lesbischer Hand
- Südafrika, der bunte Kontinent – differenziert beschrieben
- „Zwei Lieben:“ Gegen das schwule Vergessen
- „Endstation Russland“: Fremd im eigenen Land
- „Lange Nächte Tag“: Was verträgt die Liebe?
- Seelengleiche: Patti Smith und Robert Mapplethorpe
- Debüt: Surmanns „Die Schwerelosigkeit der Flusspferde"
- Rebellisch: Isherwood's „Löwen und Schatten"
- „Blaue Augen bleiben blau" – Buschbaum ist trotzdem Klischee
- Überaus spannend: „Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens“
- Eiskalt: Mit „Anleitung zum Mord“ gibt Christoph Wildt sein Debut
- „Das Tomatensaft-Mysterium“: Thomas Hermanns übers Fliegen
- „Aus Angst“: Maria Plasbergs zweiter Fall
- Miriam Meckel stellte ihr Buch „Brief an mein Leben“ vor
- Bunte Welten: Kinderbücher über Regenbogenfamilien
- „Brief an mein Leben ...", Autobiografisches nach dem Burnout
- Dandy in Aspik: Rupert Everetts Buch über „Rote Teppiche und andere Bananenschalen“
- Silvia Bovenschen: Spiel mit Stolpersteinen
- „Die Königsfälschung“: Skandalgeschichte aus dem homosexuellen französichen Königshaus
- „Der Angler des Zufalls": artistische Prosa von Christoph Geiser
- „Chinatown": lesbische Liebe im Hamburg der 20er
- Neue Textsammlung von Ronald M. Schernikau
- Wolfgang Joop: „Ich kann noch nicht mal einen Knopf annähen”
- Spieler unter sich: Teil zwei von Cornelia Jönssons SM-Trilogie
- „Lesbisches Engagement in Ostberlin 1978-1989"
- „Verzaubert in Nord-Ost“: Endlich erzählte Geschichte
- „Atemschaukel" von Nobelpreisträgerin Herta Müller
- Im Tal der Ahnungslosen: Die Vulva
- Das Fazit aus 13 Jahren Sexdienstleisung: „Fucking Germany“
- Der göttliche Dandy: „Dandy in der Unterwelt“
- Who is it? Zwei Werke über Michael Jackson
- Getrieben von den Trieben: Rosa von Praunheims "Rosas Rache"
- "Was geschah während wir schliefen" von Noémi Kiss
- Lustig, schräg, politisch: Pelham Grenville Wodehouse
- Lesbische Trivialerotik: „Alicia“ von Ulrike Voss
- Auf der Suche nach Mr. Straight
- Jagdfieber: „Frauen und andere Raubtiere“ von Pat Califia
- Neues von Judith Butler: „Die Macht der Geschlechternormen“
- Tipp: „Sie liebt sie“ von Felice Newman
- Neuauflage "Die Knaben" von Henry de Montherlant
- „Das Fischkind" ist ein roher und zugleich magischer Roman
- „Die Prophetenmorde“: Erfolgreich-verrückte Thriller-Serie
- Tierschützer Dan Mathews Biographie macht Spaß
- „Die Frau im Turm“ arbeitet Zeitgeschichte auf
- „Politik des Eros“: Homosexualität als superviriler Männerbund
- „Foucalt. Der Philosoph als Samurai“ erklärt Foucaults Ideen
- Michael Flotho und der Streisand
- „Fragen Sie mich nicht, wie einsam ich bin“
- Liebling der Gemeinde – Barbra Streisand
- Kirchenkrimi und Liebesgeschichte: „Confiteor“
- „Liebe vielleicht", federleichter Sommerroman
- Tipp: der „Nix“ bald in einer sehr schönen Hörbuchfassung!
- „Etwas Kleines gut versiegeln", Svealena Kutschke brilliert!
- "Der letzte Kommunist": Matthias Frings über Ronald M. Schernikau
- Carmen Bregy debütiert mit "Im Stillen umarmt"
- Tipp: „Die Eignung“ von Michael Sollorz
- "Ziffer und die Seinen", ein haarsträubender Roman
- „Keine Tochter aus gutem Hause“: Johanna Elberskirchen
- Queere Büchernacht zappte durchs Literaturuniversum
- Augusten Burroughs und David Sedaris
- Hans Pleschinski: „Ludwigshöhe“
- „Ich reiß mir eine Wimper aus, ...“
- Thomas Hermanns: "Für immer d.i.s.c.o."
- Umtriebe auf der Oranienstrasse: 11. Lange Buchnacht, 16.5.
- "Idealismus reicht heute nicht mehr!" – auch das schwullesbische Buchgeschäft wird härter
- „Meschugge - eine fast perfekte Familie“
- „Die Kerzenscheinphobie“
- „Nachtfieber“
- Biographie über die Mendelssohns
- Krimi: Der nasse Fisch
- Chronik der Schwulen
- Drag King Träume
- Buch „Kindsköpfe“
- Buch „Sex und die Gitti“








