Siegessäule - Eiskalt: Mit „Anleitung zum Mord“ gibt Christoph Wildt sein Debut

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Eiskalt: Mit „Anleitung zum Mord“ gibt Christoph Wildt sein Debut


Mit seinem ersten Roman legt Christoph Wildt einen literarische Krimi mit Tiefgang vor

© privat

SIS im März 2010 – Der Mörder steht von Anfang an fest. Die Spannung in Christoph Wildts Roman gründet nicht in der Frage, wer es war, sondern in der Frage nach dem Warum. Warum bringt ein junger erfolgreicher Lektor einen Menschen um? Warum orientiert er sich dabei an einem äußerst faszinierenden Mordfall aus nicht ganz so ferner Vergangenheit? Und woher nimmt ein intellektueller, schwuler Feingeist die Eiseskälte und Brutalität dazu? Es ermittelt Kommissar Dominik Brentano, einer von den Guten, mit dem man gerne abends einen Rotwein trinken würde.

Er hat eine funktionierende, innige Liebesbeziehung mit einer autarken Malerin, die Abgründe seines Berufes haben seine Beziehungsfähigkeit noch nicht zerstört. Zumindest zu Beginn der Geschichte. Während die Leserschaft schon in die Seele des Mörders blicken durfte, blickt Brentano auf ein bestialisches Szenario: eine Leiche in einem See im Berliner Umland. Das Opfer wurde lebendig ins Wasser gestoßen, mit einer Drahtschlinge um den Hals, die sich umso fester zuzog, je verzweifelter es sich wehrte. Eine fast schon philosophisch durchdachte Hinrichtung und gerade deshalb so verstörend. Thomas Bergmann, bester Freund des Ermordeten, ist seit Tagen verschwunden – der Schriftsteller Bergmann, den der Ruhm eingeholt und nicht wesentlich sympathischer gemacht hat. Ein unveröffentlichtes Manuskript taucht auf und legt Zusammenhänge nahe – zwischen der Leiche und dem Verschwundenen, dem Mörder? Es naht der Zeitpunkt, wo Brentano die Leserin in seinen Ermittlungen überholt.

Ungeachtet der Kürze seines Buches liefert der mittlerweile in Berlin lebende Autor ein erstaunlich vielschichtiges Psychogramm der Figuren. Das mag an seiner Vergangenheit als Konzeptionstexter in Freiburger und Münchner Werbeagenturen und der in diesem Arbeitsbereich gewohnheitsmäßigen Verknappung liegen. Oder am Studium der Neueren deutschen Literatur, der Psychologie und Philosophie, das ihm bei der Skizzie- rung menschlicher Abgründe und der immer wiederkehrenden Frage nach dem Warum zugutekommt. Kleinere Klischeefallen und der etwas hölzerne Titel ändern nichts daran, dass „Anleitung zum Mord“ ein Buch mit Tiefgang ist. (tw)

Christoph Wildt, Autor von „Anleitung zum Mord“, Querverlag 2009, 192 Seiten, 12,90 Euro


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