Buch
„Etwas Kleines gut versiegeln", Svealena Kutschke brilliert!
Das Buch könnte die neue „queere Bibel" werden
SIS im April 2009 – Um es vorweg zu nehmen: Dieser Roman ist von erster Güte und könnte so etwas wie die queere Bibel werden, auf die man hierzulande schon lange vergeblich wartet. Denn „Etwas kleines gut versiegeln“ ist genau so umwerfend, charmant, berührend und intelligent wie seinerzeit der Spielfilm „Transamerica“.
Svealena Kutschke legt mit ihrem zauberhaften Roman ein sprachgewaltiges Debüt vor. Es birgt eine unerwartete Geschichte von ein paar Menschen, die anders als der Rest leben wollen – jenseits festgefahrener Gleise. Es steckt voller Wortwitz, unerwarteten Wendungen, blumigen wie absurd-lustigen Vergleichen. Selbst in kleinen Randbemerkungen steckt die Liebe zum Detail.
Wenn es zum Beispiel um eine Ameise geht – von denen scheint es in Australien viele zu geben – die auf dem Finger von Lisa, der ich-erzählenden Hauptheldin, auf und ab läuft: „Ich lass sie nicht mehr runter … Soll sie sich doch auf meiner Lebenslinie zu Tode laufen.“ Australien also: Dorthin ist Lisa geflüchtet, zu einem Ex-Lover ihres schwulen Bruders. Wahrscheinlich vor B., einer ominösen, nicht fassbaren, dennoch zentralen Figur. Nichts genaues weiß man über sie, auch über Lisa selbst nicht, auch wenn man liest und liest – gefesselt und begierig, hinter das und alle anderen Geheimnisse zu kommen.
Gern hätte man auch so eine kleine Holzfigur zur Hand, mit der sich Lisa besprechen kann. So heißt es eben durchzuhalten bis zum Schluss. Das ist in diesem Fall ein leichtes Spiel, wenn die Kost auch schwer ist: Hier wird von Männern erzählt, die lieber Frauen wären, und dafür sehr viel in Kauf nehmen. Von Frauen, die lieber Männer wären. Von Schwulen, die auch mit Frauen schlafen. Von Lesben, die Frauen der Reihe nach flachlegen. Von Bärten, die unterm Make-up durchschimmern. Von dummen homophoben Sprüchen. Von Travestie und Transsexualität. Von Mehrdeutigkeiten. Von Liebe und Tod, Glück und Leiden. Vom ganz normalem Wahnsinn eben, der da Leben heißt. „Etwas kleines gut versiegeln“ ist ein verdammt großes Buch!
Andreas Hergeth
Svealena Kutschke, „Etwas Kleines gut versiegeln“ (Wallstein Verlag), 296 Seiten, 19,90 Euro
Lesung am Fr. 10. April um 22 Uhr, In Zusammenarbeit mit dem Wallstein Verlag, Galerie CrystalSchönleinstrasse 7
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