Siegessäule - „Geschichte der Freundschaft“: schwuler Balanceakt

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„Geschichte der Freundschaft“: schwuler Balanceakt


Der Deutsche Matthias verliebt sich in den Algerier Yanis – eine intensive und realtiitätsnahe Geschichte

SIS 21.10.2010 – Ferne Länder und andere Kulturen sind dem Berliner Schriftsteller, Ethnologen und Filmemacher Michael Roes nicht fremd, er hat die Welt gesehen. Mehrere Jahre lebte er im Jemen, in Israel und in den USA. Schon in „Die fünf Farben Schwarz“ hat Roes die Verständigung zwischen den Kulturen thematisiert und das setzt er nun in seinem neuen Roman „Geschichte der Freundschaft“  fort.

Diese beginnt und endet an einem Flughafen. Aus der Sicht des deutschen Chirurgen Matthias wird die Beziehung zweier Männer beschrieben, die aus sehr unterschiedlichen Kulturen stammen und die Begegnung mit dem Fremden suchen, ohne zu vereinnahmen. Bei einem Algerienurlaub lernt Matthias Yanis kennen und lieben. Nach einer politischen Demonstration für die Rechte der Berber wird Yanis polizeilich gesucht und muss verschwinden.

Nach langen Erkundungen und Reisen durch Land und Wüste findet Matthias seinen Freund, nimmt ihn mit nach Deutschland und heiratet ihn. Hier werden die kulturellen Differenzen zwischen den beiden offensichtlich, die ihrer Liebe ein permanentes Ausbalancieren abverlangen.

Roes ist ein anteilnehmender Beobachter der algerischen Kultur

In fünf Büchern und 207 tagebuchartigen Einträgen, die in einer entspannten und gleichzeitig dichten Sprache realitätsnah geschrieben sind, erfahren wir Details der algerischen Kultur: dass große Füße als obszön gelten, das Betreten des Mädchenwohnheims für männliche Studenten verboten ist, weil sonst kein Vater sie studieren ließe, dass algerische Männer auch in Jogginghose immer eine perfekt geschnittene und gegelte Haartracht tragen, dass Väter nicht mit ihren Söhnen sprechen und Frauen in einem Wartezustand politischer, sozialer und sexueller Versagung ausharren.

Roes legt patriarchale Strukturen offen und zeigt die Schwierigkeiten, diese Strukturen inklusive des Gewaltzyklus zu durchbrechen. Das Ganze beschreibt er nicht anklagend, sondern empathisch und mit hoher Intensität. Dazwischen hat er noch Essays zum Thema Freundschaft eingearbeitet, die für sich oder den Roman kommentierend gelesen werden können. „Geschichte der Freundschaft“ ist ein mitfühlender, intelligenter und persönlicher Roman, der die Auseinandersetzung mit dem eigenen und dem Blick der anderen fördert.

Laura Meritt/AW


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