Buch
Hans Pleschinski: „Ludwigshöhe“
Ein lebensfrohes pralles Panorama der Jetztzeit
SIS im Frühjahr 09 – „Ich möchte eine gewisse Festlichkeit und Lebensheiterkeit in die deutsche Literatur einbringen“ – dieser künstlerische Lebenswunsch wurde Hans Pleschinski wie keinem anderen Schriftsteller seiner Generation erfüllt.
Pleschinski kontert deutsche Fata-Morgana-Misere mit einem unschlagbaren Mix aus Bildung, Toleranz, Witz, Urbanität, Übermut, Verspieltheit, einem Sinn für das allzu menschlich Absurde, Zärtlichkeit, Esprit, Ironie und sanftem Spott. Seine geistige Heimat sind das Rokoko und der Barock, wobei das Leben im Bewusstsein der Vergänglichkeit gerade deshalb zum Fest gemacht werden soll: „Lieber ein fragwürdiges Versailles als sich schweigend aufhängen.“
In seinen Erzählungen, Romanen und Essays zeigt Pleschinski das Schöne allerdings nie ohne das Schreckliche, die verschwenderische Fülle nie ohne das Elend. Und er zeigt uns, dass das Schlimme, die Schrecken und Kümmernisse mit dem Schönen gebannt werden können.
Hans Pleschinskis letzter Meisterstreich ist nun „Ludwigshöhe“. Hier entwirft der Autor ein prachtvolles, lebenspralles Panorama unserer Republik in ihrem aktuellen Zustand, wobei über allem skurrilen Geschehen und Gewusel eine wissende barocke Lebenssicht schwebt wie tückisch kichernde Putten. Drei finanziell extrem bedürftige Geschwister (darunter ein Homo und eine Lesbe) erben ein Riesenvermögen. Dieses erhalten sie aber nur, wenn sie in einer bayerischen Villa ein Hospiz für Lebensmüde und Suizidwillige einrichten und entsprechend nützliche Dinge bereitstellen. Eine aberwitzige Situation, auch rechtlich eine Gratwanderung.
Dies ist ein weises, saukomisches, zutiefst anrührendes und menschenfreundliches Buch. Ein Fest ist aber auch die Lektüre, weil sich dieser unvergleichliche Stilist grandios auf der Höhe seines Könnens zeigt. Und so segelt man auf diesem Narrenschiff beseligt und heiter über die Seiten und in die allerluftigsten Höhen.
Egbert Hörmann
Hans Pleschinski, „Ludwigshöhe“,
C. H. Beck Verlag, 2008, 578 Seiten 24,90 Euro
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