Siegessäule - "Idealismus reicht heute nicht mehr!" – auch das schwullesbische Buchgeschäft wird härter

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"Idealismus reicht heute nicht mehr!" – auch das schwullesbische Buchgeschäft wird härter


Fünf Fragen an Franz Brandmeier, Besitzer vom Buchladen Eisenherz

© Guido Woller

SIS im März 2009: Der Oscar Wilde Bookshop, die älteste schwule Buchhandlung New Yorks, schließt. Beunruhigt dich diese Nachricht?

Franz Brandmeier: Das Ende des Oscar-Wilde-Buchladens bedauere ich sehr. Er gehörte ja noch zu jenen Projekten, die aus einer engen Vernetzung mit der Schwulenbewegung heraus entstanden sind. Doch Idealismus allein reicht heute nicht mehr. Was uns betrifft, sehe ich aber keinen Grund zur Beunruhigung, weil wir auf Veränderungen in der Szene schon reagiert haben.

Hat sich nicht auch Eisenherz einst als Teil der Bewegung verstanden?

Durchaus – und wir verstehen unsere Arbeit immer noch als etwas Politisches, selbst wenn die Szene oft entpolitisiert ist. Unser Umzug vor fünf Jahren hierher in den Schöneberger Kiez markierte für uns eine Neuorientierung. Wir wollen als gut sortierte Buch- und Medienhandlung an sich attraktiv sein. Damit sind wir erfolgreich.

Provokant gefragt: Ist die Zeit für schwul-lesbische Buchläden vorbei?

Wenn man meint, das Etikett allein würde Kunden bringen, wahrscheinlich schon. Niemand unterstützt mehr ein Geschäft oder ein Projekt, nur weil es schwul ist. Sicher gibt es vor allem bei älteren Kunden noch ein Gefühl von Verbundenheit. Doch in erster Linie kommen Kunden, weil sie bei uns als Leser ernst genommen werden. Wir empfehlen Bücher, hinter denen wir selbst stehen.

Hat das Internet das Kaufverhalten verändert?

Das Internet bietet eine Bequemlichkeit, die wir nicht ignorieren können. Vor allem Amazon hat sich festgesetzt in den Köpfen der Leute. Wo immer ein Buch erwähnt wird im Internet, findet sich der Link zu diesem Konzern. Auch auf schwul-lesbischen Websites wird selten auf gaybooks.de verwiesen. Insofern ist unser eigener Internet-Verkauf begrenzt, wir erzielen unsere Umsätze hauptsächlich über den stationären Verkauf, also hier im Laden.

Sex sells – auch bei euch?

Bei uns geht gute Belletristik immer noch am besten. Sextitel werden eher zusätzlich mitgenommen. Krimis bleiben das beliebteste Genre – und natürlich Ralf König.

Interview: Rainer Hörmann


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