Siegessäule - „Irgendwo auf der Welt ...“ hebt vergangene Schätze

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Buch

„Irgendwo auf der Welt ...“ hebt vergangene Schätze


Veneda Mühlenbrink verknüpft in ihrem Buch Nazizeit, lesbisches Leben und heutiges Beziehungswirrwarr

SIS 11.1.2011 – Fast ein dreiviertel Jahr ist es her, dass der Film im Berliner Homomahnmal von schwulen auf lesbischen Kuss umgestellt werden sollte. Die Debatte darum, ob Lesben das Recht auf einen Platz in dieser Stele haben, klingt uns allen noch im Ohr – einzig der Film ist, trotz Versprechungen, noch immer schwul.

Wenigstens die ein oder andere Schriftstellerin nimmt sich der Thematik von Lesben im Dritten Reich an – so wirft auch Veneda Mühlenbrink einen Blick in das Leben einer alten Dame, die schon in den 20er-Jahren Frauen liebte.

Vergangenheit trifft Gegenwart

Es ist offensichtlich eine zumindest halbfiktionale Geschichte. Der fiktive Teil dreht sich um die 39-jährige Schriftstellerin Valerie, die seit der Trennung von ihrer großen Liebe „mit der Sinnkrise liiert“ ist, Affären und eine beste Freundin hat, die wiederum in Australien lebt. Daneben steht der dokumentarisch anmutende Part, in dem Valerie in einem Hannoveraner Seniorenheim auf die 97-jährige Luise trifft, um ein Buch über deren lesbisches Leben während der NS-Diktatur zu schreiben.

Bei ihren donnerstäglichen Treffen kämpfen sich die beiden Frauen durch Vergangenheit und Gegenwart. Der dritte, lediglich angerissene Handlungsstrang, in dem Valeries neue Geliebte sich mit ihrer Jugend im Rumänien unter Ceaușescu und den daraus resultierenden Traumata auseinandersetzen muss, wäre in einem separaten Buch besser aufgehoben gewesen. Davon abgesehen wirkt das Buch solide recherchiert und ist gut und geschickt geschrieben, wenngleich die Dialoge hin und wieder etwas bemüht wirken. Dennoch strickt die Autorin aus Luises und Valeries gegenseitigem Interesse einen interessanten Plot und das macht „Irgendwo auf der Welt fängt mein Weg zum Himmel an“ auf jeden Fall lesenswert.

Tania Witte

Veneda Mühlenbrink, „Irgendwo auf der Welt fängt mein Weg zum Himmel an“, Ulrike Helmer Verlag, 250 Seiten, 14,90 Euro

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