Siegessäule - KZ in Deutschland, Glück in Frankreich – Rudolf Brazdas Leben

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KZ in Deutschland, Glück in Frankreich – Rudolf Brazdas Leben


Die Biographie von Rudolf Brazda, aufgeschrieben von Alexander Zinn, ist ein bewegendes Dokument schwuler Zeitgeschichte

© Campus Verlag

siegessaeule 14.5.2011 – „Das Glück kam immer zu mir“: So lautet das Lebens-Fazit, das der vermutlich letzte noch lebende schwule KZ-Häftling Rudolf Brazda zieht. Alexander Zinn hat diese Lebenseinschätzung als Titel für die Biographie Brazdas gewählt, die jetzt im renommierten Campus-Verlag erschienen ist. Begegnet sind sie sich 2008, als Brazda von der Errichtung des Berliner Mahnmals für die homosexuellen Opfer erfahren hatte.

Rudolf Brazda wurde 1913 als Sohn tschechischer Eltern in der Nähe des thüringischen Altenburg geboren. Er ist knapp 20 Jahre alt, als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kommen. Er lernt in diesem Jahre seine erste große Liebe kennen, baut sich einen schwulen Freundeskreis auf und nimmt sich die Freiheit, sein Leben so zu leben, wie er es will. Das geht einige Jahre gut, bis er 1937, zwei Jahre nachdem der antischwule Paragraph 175 verschärft wurde, in die Mühlen der Justiz gerät.

Er wird aufgrund seiner Homosexualität zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, dann aber in die Tschechoslowakei abgeschoben. Im sudetendeutschen Karlsbad kann er einigermaßen frei leben – bis ihn auch dort der NS-Terror einholt. Als „Wiederholungstäter“ landet er im Konzentrationslager Buchenwald. 1945 wird das KZ von der Amerikanern befreit, Rudolf Brazda hat überlebt. Den nun Heimatlosen führt die Freundschaft zu einem elsässischen Mithäftling nach Frankreich.

50 Jahre wird er dort mit einem jüngeren Lebenspartner bis zu dessen Tod 2003 ein glückliches Leben führen, doch immer wieder kämpft er – vergeblich – um die Anerkennung als NS-Opfer. Indirekt bringt ihm diese Anerkennung schließlich das Berliner Mahnmal und bestimmt Zinns lesenswertes Buch.

Alexander Zinn hat diese Lebensgeschichte in den historischen Kontext eingebettet. So ist ein Lesebuch entstanden, dass den Vernichtungswillen von Justiz und SS, den Horror der Konzentrationslager und eine lebensfeindliche Gesellschaft dokumentiert. Das Buch ist eine hervorragende Einführung in die Verfolgungsgeschichte schwuler Männer im dritten Reich.
zw

Alexander Zinn: „Das Glück kam immer zu mir“ Rudolf Brazda – Das Überleben eines Homosexuellen im Dritten Reich, Campus 2011, 24,90 €

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