Buch
„Lesbisches Engagement in Ostberlin 1978-1989"
Im Buch von Stephanie Krautz lesen wir vom Spagat zwichen sozialistischer Muttipolitik und Sonntags-Club
© Archiv Sonntags-Club Ursula Sillge (zweite von. re.) und andere beim Sonntagsausflug
SIS im Nov 2009 – Seit 20 Jahren ist die Mauer Geschichte. Genug Zeit, um zu vergessen, wie es war, in der DDR lesbisch zu sein. Frauen zu lieben in einem Staatsapparat, dessen erklärtes Ziel es war, „Paarbeziehungen zu fördern, die in erster Linie der Erhaltung der Art dienen“.
Im Schatten der sozialistischen „Muttipolitik“ hatten es Feministinnen und Lesben nicht leicht, das beschreibt Stefanie Krautz eindrücklich in ihrem wissenschaftlichen 124-Seiten-Büchlein „Lesbisches Engagement in Ost-Berlin 1978–1989“. Etwa zwei Drittel der Lesben im Arbeiter- und Bauernstaat waren junge Mütter und Ehefrauen. „Das lag an der Ausrichtung der ganzen Gesellschaft auf Heterosexualität und Ehe, was durch das Drängen von Verwandtschaft und Umfeld noch verstärkt wurde“, schreibt die spätere Vorsitzende des Sonntags-Clubs Ursula Sillge 1990 dazu.
Wie schwierig es war, aus diesem heteronormativen Weltbild auszubrechen, untersucht Stefanie Krautz. Neben der staatlichen Unsichtbarmachung war das größte Problem für Lesben (und Schwule) die Kontaktaufnahme zu Gleichgesinnten, attestiert Krautz. Kontaktanzeigen brauchten zum Beispiel 26 bis 28 Wochen, ehe sie abgedruckt wurden (wenn dies überhaupt geschah). Selbst in Ostberlin gab es kaum öffentliche Räume, an denen man sich treffen konnte – sobald klar wurde, dass Treffpunkte von Homosexuellen genutzt wurden, schlossen sie „wegen Renovierung“. Eigene Räume bekamen nur Vereine, und so wurde der in den 70er-Jahren gegründeten „Homosexuellen Interessengemeinschaft Berlin“ (HIB) die Anerkennung als Verein und somit auch das Recht auf einen Versammlungsort verweigert.
Folglich gedieh homosexuelles Leben vor allem unter dem Mantel der evangelischen Kirche. 1983 schaffte die neue Gruppe „Lesben in der Kirche“ dass frauenliebende Frauen mit Gleichgesinnten in Kontakt treten konnten. Und dem Sonntags-Club, der aus der HIB entstand, gelang es, sich in regelmäßigen Abständen zu treffen.
Tania Witte
Stefanie Krautz, „Lesbisches Engagement in Ost-Berlin 1978–1989“, Tectum Verlag, 24,90 Euro
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