Buch
Michael Flotho und der Streisand
Der ehemalige RBB-Nachrichtensprecher Michael Flotho im Interview über seine Biographie
© Ralf Rühmeier
SIS im Mai 2009. In „Als ich mich in Barbra Streisands Mann verliebte“ beschreibt der frühere RBB-Nachrichtensprecher Michael Flotho Stationen seines Lebens
SIS: Deine biografische Erzählung schildert eine offene, fröhliche Lebenseinstellung. War dein Coming-out Mitte der 70er-Jahre auch so unkompliziert?
Michael Flotho: Als Jugendlicher in der ostwestfälischen Provinz war es für mich undenkbar, dass ich schwul sein könnte. Ich dachte, ich wäre dort der Einzige. Das entspannte Verhältnis zu meiner Sexualität kam erst nach und nach. Ich hatte viel Glück mit meinen ersten Freunden. Die waren alle sehr rücksichtsvoll. Mein Start war also ganz ordentlich, die heftigen und auch schmerzhaften Beziehungskisten kamen erst später, aber die hat wohl jeder von uns erlebt. Wichtig war mir immer, authentisch zu bleiben und mich nicht zu verbiegen.
Hat diese Haltung dein Arbeitsleben beim Fernsehen leichter gemacht?
In Berlin auf jeden Fall. Allerdings dachte ich, gerade aus München kommend, in Berlin könne man überall offen übers Schwulsein reden. Als mir der Job bei der Abendschau 1995 angeboten wurde, hab ich mich bereits bei den Probeaufnahmen geoutet: Meine zukünftigen Chefs wollten, dass ich den Bart abrasiere, weil nur Polizisten und Schwule den noch tragen würden. Da habe ich gesagt, dass der dranbleibt, weil ich zwar nicht Polizist, aber schwul bin. Sie akzeptierten es grinsend. Aber zu der Zeit war es noch lange nicht üblich in der Medienbranche, sich zu outen. Ich war der Erste in so einem seriösen Job, der von Anfang an offen damit umgegangen ist.
Du schilderst Begegnungen mit Idolen wie Nana Mouskouri oder Freddie Mercury. Wie waren die, wenn die Kamera aus war?
Privat eben keine anzubetenden Idole. Nana Mouskouri ist ein Traum! Wir haben uns stundenlang unterhalten. Sie war für mich nicht die mit den weißen Rosen, sondern ein absolut liebenswürdiger, gefühlvoller Mensch, eine, die man als Freundin haben möchte. Franco Nero zum Beispiel, den ich auch als Typen immer sehr geil fand, hat mir hinter der Bühne beigebracht, wie man wie Django geht. Das war schon witzig. Mit Freddie Mercury war ich jahrelang befreundet: ein bescheidener, zurückhaltender, wunderbarer Mann mit großem Herzen.
Und Streisands Mann?
Steht im Buch!
Interview: Christian Mentz
Lesung mit Michael Flotho am 19.5., 20 Uhr, Café Steiner, Motzstraße 30, Schöneberg
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