Buch
Miriam Meckel stellte ihr Buch „Brief an mein Leben“ vor
Die Sophiensäle in Berlin waren ausverkauft, leider waren keine Fragen zugelassen
SIS 16.3.2010 – Sie war Fernsehjournalistin und Unternehmensberaterin, Regierungssprecherin und Staatssekretärin. Fünfzehn Jahre lang hat sie funktioniert, bis eines Tages nichts mehr ging – nicht einmal mehr Kofferpacken. Miriam Meckel, die Karrierefrau und jüngste Professorin Deutschlands, hat sich krank gearbeitet. In ihrem neuen Buch „Brief an mein Leben“ beschreibt die 42-Jährige ihre Erfahrungen mit einem Burnout, notiert in einer Allgäuer Klinik, als ihre eigene Therapie.
Letzte Woche stellte sie das Buch bei einer Lesung in den Berliner Sophiensälen vor. Und ergänzte den Buchtext um einige persönliche Bemerkungen: Wie eine Marionette aus der Augsburger Puppenkiste habe sie sich gefühlt. Andere zogen die Fäden, und sie reagierte. „Es war, als würden in meinem Kopf die Vier Jahreszeiten von Vivaldi gleichzeitig abgespielt.“ Inklusive Hörsturz, Schlafstörungen, Schwächegefühle. „Eine Zumutung“ sei sie für ihr Umfeld gewesen.
Mit ihrem Bekenntnis trifft Meckel einen Nerv, den schon die Reaktionen auf den Selbstmord von Nationaltorwart Robert Enke offen gelegt hatten: Das gesellschaftliche Bedürfnis, über Tabuthemen wie Depressionen zu sprechen. Über zehn Millionen Menschen leiden in Deutschland an einem Burnout, schätzen Experten.
Entsprechend groß ist auch das Interesse an „Brief an mein Leben“. Nach einer Startauflage von 40.000 wird bereits nachgedruckt, die Buchvorstellung in dem kleinen Berliner Theater war restlos ausverkauft, inklusive lesbischer Prominenz: ZDF-Moderatorin Dunja Hayali und ihre Partnerin Mareike Arning saßen im Publikum, Maren Kroymann war mit Lebensgefährtin Claudia Müller gekommen – und natürlich Anne Will.
Sie alle standen vor zwei entscheidenden Fragen: Warum ist die Kommunikationswissenschaftlerin, obwohl sie in ihrem letzten Buch „Das Glück der Unerreichbarkeit“ noch vor einer Reizüberflutung gewarnt hatte, selbst in diese Falle getappt? Und wieso setzt sie, die inzwischen doch so viel Wert auf ihre Ruhe legt, sich freiwillig einer solchen Öffentlichkeit aus? Das Buch sei ihre ganz persönliche Rückfallversicherung, versuchte Miriam Meckel den Widerspruch zu erklären. Immerhin verstehe sie sich selbst nun viel besser.
Außerdem hat sie sich einen Notausgang gebaut. Kurz nach dem Erscheinen ihres Buches wird die Autorin für ein Forschungssemester nach Harvard verschwinden. Das hat sie so geplant, es erspart ihr eine Menge Interviews. Sogar bei der Lesung durfte allein der Moderator Roger Willemsen Fragen stellen. Nur einige wenige Mediengespräche hat Meckel geführt, darunter eines mit dem Spiegel, in dem sie erstmals öffentlich über ihre Beziehung mit Anne Will sprach: „Wir wollten einfach in der Lage sein, auf eine öffentliche Veranstaltung zu gehen und am selben Tisch zu sitzen“, sagte sie dem Magazin.
Maike Schulz
Außerdem gab Miriam Meckel dem Tagesspiegel ein Interview: www.tagesspiegel.de/zeitung/Sonntag-Miriam-Meckel-Sonntag
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