Siegessäule - „Parties“: Boheme vor dem Schwarzen Freitag

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Buch

„Parties“: Boheme vor dem Schwarzen Freitag


Lebenslust, Überdruss, Leidenschaft. Das Sittengemälde aus den 20er Jahren der USA ist – frisch übersetzt – immer noch voller Kraft

SIS 15.9.2010 – Endlich: Egbert Hörmann (auch geschätzter Siegessäule-Autor) hat Carl van Vechtens hochkomischen Roman „Parties“ aus den Roaring Twenties übersetzt. Das Buch zeigt die Party als Seinszustand: Zwischen Exzess, Ekstase und latenter melancholischer Traurigkeit bewegt sich das Leben der fidelen PartygängerInnen in dieser köstlichen Society-Satire, die 1930 erschien, kurz nachdem im Amerika der Prohibition die große Party der wilden 20er-Jahre und des Jazz Age durch den Schwarzen Freitag jäh beendet wurde.

Die Handlung ist schnell erzählt, wichtiger sind die Ströme von Alkoholika, die durch diese Haute Bohème fließen. Folgen wir also dem glamourösen Ehepaar Rilda und David Westlake (der eine Schwäche für knackige Jungmänner hat) und ihrer Entourage auf ihrer Sause durch die Flüsterkneipen, Salons und Clubs. Selbst eine betagte, putzige deutsche Adelige, Adele von Pulmernl und Stilzernl, mischt kräftig mit. „Parties“ ist aber auch eine leidenschaftliche Liebeserklärung an New York und eine kleine Sozialgeschichte Manhattans.  

Erschöpftes Resumée der New Yorker Cafesociety

Verwöhnt, blasiert, kultiviert, sensibel, verschwenderisch und sensationsgierig sind diese alten Kinder, wahrhaft eine „verlorene Generation“. Diese schrille Leberbestrafer-Revue gewinnt ständig an Dichte und Intensität, ohne je ihre Leichtigkeit einzubüßen. Am Ende ist diese Freundesgruppe erschöpft und weltmüde, es droht der Große Kater, aber der wird mit ein paar Cocktails rasch weggespült. Der schöne David Westlake tröstet denn auch philosophisch: „Wir sind hier, weil wir hier sind, und wir wären ziemlich einfältig, wenn wir nicht das Schlimmste daraus machen würden.“

Carl Van Vechten wusste, wovon er schrieb. Der Autor von 19 Büchern, Theater-, Tanz- und Musikkritiker, Fotograf, zentrale Figur der „Harlem Renaissance“, Sammler, Förderer (etwa von George Gershwin und Isadora Duncan) war Zeit seines Lebens das unbestrittene Haupt der New Yorker Café-Society, in dessen Salon am Central Park sich alles traf, was im europäischen und amerikanischen Kulturleben Rang und Namen hatte.  

Kate Wood

Carl Van Vechten, „Parties“, Walde+Graf Verlag, 240 Seiten, 24,95 Euro


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