Siegessäule - „Piratenherz“: Erzählungen mit scharfer Kante

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„Piratenherz“: Erzählungen mit scharfer Kante


Michael Sollorz neuer Erzählband ist keine leichte Kost, aber äußerst berührend

SIS 27.9.2010 – Nur 136 Seiten schmal ist der neue Erzählband „Piratenherz“ von Michael Sollorz, aus dem er Freitag Abend in der Buchhandlung Eisenherz in Berlin las, freundlich eingeführt von seinem Verleger Joachim Bartholomae vom Männerschwarm Verlag. Sollorz Vortragsstil ist genauso unaufgeregt wie seine geschriebene Sprache. Die neun Geschichten lesen sich flüssig, doch die Sehnsüchte, die sie thematisieren, führen manchmal in dunkle Abgründe.

Das Extrembeispiel ist „Der Amerikaner“, gewidmet dem amerikanischen Autor Dennis Cooper. Klar, das kann keine leichte Kost werden und so verließ ein Gast den Saal, als zuviel Blut floss. Sollorz ficht das nicht an, denn er sagt nach der Lesung, dass er Geschichten aus den letzten 20 Jahren genommen habe, hinter denen er ganz stehe. Vieles habe er verschärft und verkürzt, denn als jüngerer Mann habe er weniger Mut gehabt, die Freiheit zu nutzen.

Literatur begreift er als Narrenraum, in dem alles erlaubt ist. Er empfinde es als befreiend, etwas zu beschreiben, das in der Realität so nicht stattfinde. Mit germanistischen Etikettierungen wie „phantastische Literatur“ kann er hingegen wenig anfangen. „Schon „Abel und Joe“ habe vor Jahren dieses phantastische Moment gehabt. Überhaupt trifft man viel Personal aus dem Sollorz-Universum wieder, auch manche der Geschichten des Bandes sind lose miteinander verknüpft.

Schwule Sehnsüchte versteht er meisterhaft darzustellen. In der ersten Geschichte „Quälgeist“ ist es ein Jüngling, der den nur wenig älteren Ich-Erzähler in der auseinander brechenden DDR am Schreiben hindert. Es ist bewegend, wie Begehren und erlebte Geschichte ganz ohne Larmoyanz verknüpft sind. Ein schwules Leben als Seemannsgarn erzählt der Titel gebende Text „Piratenherz“. Natürlich wird diese Geschichte, die auf einem Schiff namens „St. Genet“ stattfindet, von sexuellem Begehren vorangetrieben – und doch macht diese Erzählung jedem Menschen mit Herz deutlich, wie eindimensional der Begriff Homosexualität ist, der gerade schwule Männer zu kopulierenden Monstern degradiert.

(zw)

Michael Sollorz: Piratenherz, 136 S., Männerschwarm Verlag, 14 €


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