Siegessäule - Queere Büchernacht zappte durchs Literaturuniversum

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Queere Büchernacht zappte durchs Literaturuniversum


© Männerschwarm Verlag Benny Ziffer

SIS 20.6.09 – Es war wie Zapping durch verschiedene literarische Programme, nur die Fernbedienung hatte man nicht selbst in der Hand. In der Literaturwerkstatt in der Kulturbrauerei fand am Donnerstag im Rahmen der Großen Berliner Büchernacht eine Gemeinschaftslesung des schwul-lesbischen Autorenensembles Annette Berr, Christoph Geiser, Carmen Bregy und Benny Ziffer statt. Durch das Programm führte der Hörfunkredakteur und Autor Uwe Jahn. Für Einführung, Lesung und Gespräch waren jeweils 20 Minuten veranschlagt. Diese Zeitspanne wurde vom Publilum aber sehr  unterschiedlich empfunden. Hätte man die Uhr bei Berr und Ziffer gerne angehalten, verstrichen die Minuten mit Geiser und Bregy nur langsam.

Gerade hat Frike, eine der Heldinnen des Thrillers „Die Stille nach dem Mord“ einen Latexhandschuh in dem Wagen des merkwürdigen Fremden entdeckt, da ist die Zeit für Annette Berr schon abgelaufen. Bestimmt hätte niemand der rund 50 Zuhörer und Zuhörerinnen sonst ausgerechnet an der spannendsten Stelle des Thrillers umgeschaltet.
Scheitern, Desaster, Apetenz und leicht erotisches Verlangen – darum kreisen die Gedanken der nervenkranken Erzählerfigur im Roman „Wenn der Mann im Mond erwacht“ von Christoph Geiser. Der Erzähler besucht im Geiste alle Orte seines Berliner Kiezes, die für ihn einmal von Bedeutung gewesen sind.
Lust auf mehr wollte Carmen Bregy mittels der drei vorbereiteten Appetithäppchen aus ihrem Roman „Im Stillen umarmt“ machen, doch angesichts der sprachlichen Schwerfälligkeit und der einzig und allein um den Trennungsschmerz der Ich-Erzählerin kreisenden Handlung, kam eher Langeweile auf. Ungeduldig wartete man auf den letzten Gast, den aus Tel Aviv angereisten Autor Benny Ziffer. Fiktion und Realität greifen bei dessen wunderbar selbstkritischen und sprachlich gelungenen Satire „Ziffer und die Seinen“ (hier zur Besprechung) ineinander über. Es ist das erste ins Deutsche übersetzte Buch von Ziffer, dem Literaturchef der israelischen Tageszeitung „Haaretz“. Den Stil von Magnus Hirschfeld übernehmend, projiziert er sich selbst in die Handlung hinein, wechselt aber innerhalb der Erzählung die Perspektiven. In Israel gab es nach der Veröffentlichung des Buches einen Eklat. „Das Buch wurde ganz schlecht aufgenommen“, erzählte Ziffer. Wie seine deutsche Leserschaft reagieren wird, bleibt abzuwarten. (ah)






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