Siegessäule - Sara Stridsberg: „Nur der Himmel ist eine Begrenzung“

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Sara Stridsberg: „Nur der Himmel ist eine Begrenzung“


Die schwedische Autorin verschafft der radikalen Feministin Valerie Solanas ein Comeback – hier ist sie im Interview

© Laurent Denimal Sara Stridsberg

SIS 7.1.2011 –  Valerie Solanas wurde 1968 durch ihr Manifest „SCUM“ (angeblich für „Society for cutting up men“, auch wenn dies im Buch nicht belegt ist, aber auch SCUM = Abschaum) bekannt, in dem mit von Tod, Gewalt und Sex besessenen Männern abgerechnet wird. Ein Kultbuch für jede Frauenbewegte. „Kein Text hat mich so verändert“, sagte Stridsberg dazu, die das Manifest 2003 ins Schwedische übersetzte. Die schwedische Schriftstellerin, Übersetzerin und Journalistin Sara Stridsberg hat der radikalen Feministin Valerie Solanas ein Comeback verschafft.

In ihrem Buch „Traumfabrik“, das jetzt in deutscher Übersetzung vorliegt, beschreibt Stridsberg engagiert und einfühlsam das schwierige Leben der Valerie Solarnas. „Amerikas erste intellektuelle Hure“ war demnach eine hochpolitische und maßlose Schriftstellerin mit ausgeprägtem Hang zur Komik. Schließlich setzte sie Warhols Aussage um, dass zukünftig jeder für 15 Minuten berühmt würde. Sie schoss auf ihn. Stridsberg spiegelt in einer brillianten Sprache diese schillernde Figur, spricht als Erzählerin mit ihr, erfindet Szenen dazu und nimmt verschiedene Perspektiven ein. Nebenbei gibt sie einen äußerst informativen Einblick in die patriarchale Arbeiter-, Wissenschafts- und Kunstszene der 40er- bis 80er-Jahre in den USA.
Für diese ganz besondere Biografie und ihre beeindruckende Lust an der Sprache wurde Sara Stridsberg 2007 mit dem Nordischen Literaturpreis ausgezeichnet.
Laura Méritt

Mit Sara Stridsberg sprach unsere Autorin Laura Méritt bei ihrer Lesung im Dezember in Berlin. Sara Stridsberg hat derzeit eine Gastprofessur an der Freien Universität Berlin:

„Ein Asyl für alle Außenseiterinnen dieser Welt“

SIS: Was ist das Reizvolle an einer Figur wie Valerie Solanas – die Radikalität?
Sara Stridsberg: Für mich ist sie ein Paradox wie eine Blume im Schnee. Sie ist die intellektuelle Hure. Sie ist die Männerhasserin, die Männern Sex verkauft. Sie ist die Pazifistin, die auf Andy Warhol schießt. Sie ist die Feministin, die der Frauenbewegung nicht angehört. Mich faszinierte ihre Art, die Welt zu dekonstruieren und ihre Komik. Politische Satire ist ja nicht gerade modern.

Frauen sollten das Universum beherrschen anstatt Türvorleger oder Daddy's Girls zu sein!
Solanas Mut beeindruckte mich, sie ließ mich glauben, dass nur der Himmel eine Begrenzung ist, auch wenn ihr eigenes Leben dann sehr begrenzt war. Sie hat mich dazu gebracht, Struktur und Form einer Novelle auszuweiten und zu zerstören. Ich wollte mit diesem Buch, auch wenn es naiv klingen mag, ihr beim Sterben die Hand halten. Ich wollte sie länger leben lassen und ihr alles geben, wovon sie geträumt hat: eine Freundin und eine Mutter, die an sie und ihr wissenschaftliches Projekt glauben. Literatur ist für mich ein weites Land, das alles und alle beherbergen kann. Ein Asyl, ein Hospital für alle Außenseiterinnen der Welt.

Wie erklärst du dir den Erfolg des Buches in Schweden, einem Land, in dem die Frauenbewegung scheinbar nicht mehr nötig ist?
Das Buch gibt keine Antworten, vielleicht ist das der Grund für den Erfolg. Es ist ein Schrei in der Nacht. Aber der Erfolg überraschte mich. Ich frage mich immer noch, ob es okay ist, mit dem Namen einer äußerst verletzten Person Geld zu machen. Ich dachte aber, ich hätte etwas total Verrücktes geschrieben, was niemand lesen will.

Du hast zur Zeit eine Gastprofessur an der Freien Universität Berlin. Wie gefällt dir Berlin?
Ich habe mich in die Stadt verliebt! Ich genieße, die Sprache nicht zu verstehen, das gibt mir eine Freiheit des Denkens. Und Feministinnen sind überall, manchmal sogar als Daddy´s Girls verkleidet.

 

Sara Stridsberg, Traumfabrik. Fischer Verlag, 336 Seiten, 21,95 Euro

Valerie Solanas, Manifest zur Vernichtung der Männer. S.C.U.M, erweitert um ein Text von Andy Warhol, Maro Verlag, 10 Euro

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Kommentare


VALERIE hat auf Andy geschossen, weil er eines ihrer Skripte nicht gelesen - und es dann auch noch verschlampt hat. Sie hatte keinen Durchschlag gemacht, damit war es nicht nur das Original, sondern ein Unikat. Dass sie auf ihn geschossen hat, ist nicht in Ordnung, dass sie nicht belesen (gebildet) war, stimmt nicht.

von: momentmal, 10.01.2011 23:30 Uhr

Mich würden sehr die Quellen von Frau Stridsberg interessieren. Allen bisher publizierten zeitgenössischen Aussagen und auch späteren Einschätzungen nach, war Valerie Solanas eine Borderline Persönlichkeit, deren Bildung und Intellekt bei weitem nicht ausreichten, um die von Frau Stridsberg postulierte Lesart ihres Lebens auch nur im Ansatz zu rechtfertigen. Es ekelt mich an, wie hier eine Gewalttäterin, deren einzige Leistung ein Mordversuch aus Habgier war, zur "Schrifstellerin" und "verletzten Person" hochgejubelt wird.

von: Defragmentierung, 07.01.2011 16:01 Uhr

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