Buch
Schwuler Roman von Jack Kerouac und William S. Burroughs
Der gemeinsame Roman „Und die Nilpferde kochten in ihren Becken" erzählt eine tödliche schwule Liebe im New York der Beat-Generation.
© Archiv William S. Burroughs
SIS 23.1.2011 – Mitte der 1950er-Jahre explodierte ins öffentliche Bewusstsein die letzte große literarische Avantgarde Amerikas: die Beat-Generation. Mit ungewohnter Heftigkeit formulierten ihre Vertreter im Schatten der Atombombe die radikale Absage an eine als steril empfundene Literatur, an die bürgerliche Rang- und Aufstiegsordnung und an die Wunsch- und Wertvorstellungen der Wohlstandsgesellschaft.
Gepriesen wurden eine „neue Vision“, Rausch, „Unterwegssein“, Ekstase, sexuelle Freiheit und Abweichung. Und einige der Angehörigen dieser wilden Truppe waren offensiv schwul, etwa William S. Burroughs und Allen Ginsberg. Diese Hipster formierten sich bereits Mitte der 40er-Jahre im Umfeld der New Yorker Columbia-Universität, aber auch in einer schillernden Subkultur von Literatinnen und Literaten, Junkies, Strichern, Ganoven, Marineangehörigen und freizügigen Frauen. Noch waren alle Protagonisten unbekannt, die kanonischen Werke der Bewegung sollten erst eine gute Dekade später Weltruf bringen: Allen Ginsbergs „Howl“ (1956), Jack Kerouacs „On the Road“ (1957) und William S. Burroughs´ „Naked Lunch“ (1959).
schwuler Ritualmord im New York der 50er Jahre
Eine Art literarische Initialzündung brachte für Burroughs und Kerouac ein Ritualmord im Freundeskreis. Im Sommer 1944 tötete der 19-jährige Lucien Carr den 33-jährigen David Kammerer im Riverside Park, einem bekannten Schwulentreff. Das Duo infernal hatte eine unerhörte, allzu intensive, achtjährige Beziehung à la Verlaine und Rimbaud hinter sich. Ein deftiger Stoff, und Burroughs (Alter Ego: Barmann Will Dennison) und Kerouac (als Seemann Mike Ryko) schrieben abwechselnd ein Kapitel nacheinander im Stil des hartgesottenen, existenzialistisch beeinflussten Kriminalgenres.
Das Buch, Ende 1945 fertiggestellt, fand bei Verlegern jedoch kein Interesse. Kein Wunder: Tunten, Matrosen, die ein Pferd auf der Straße wichsen, lesbische Rausschmeißerinnen und schließlich „das Hurenhaus der Hölle selbst“ waren damals keine ansprechenden Themen. Literarisch ist dies kein Meisterwerk, aber es ist dennoch ein Fund und ein sehr interessantes Zeitdokument. Die Schilderungen der verschiedenen Milieus sind plastisch und intensiv. Und natürlich ist die Geschichte einer fatalen Liebe immer attraktiv, gerade weil sie zwischen zwei Männern geschieht.
Egbert Hörmann
William S. Burroughs & Jack Kerouac: „Und die Nilpferde kochten in ihren Becken“, Nagel & Kimche, 192 S., 17,90 Euro
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