Siegessäule - Seelengleiche: Patti Smith und Robert Mapplethorpe

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Seelengleiche: Patti Smith und Robert Mapplethorpe


Mit „Just Kids“ schreibt Smith die Geschichte einer Freundschaft und eines Lebensgefühls

SIS 15.5.2010 – Sie sieht inzwischen zwar aus wie die präriegegerbte Tochter von Crazy Horse, ist und bleibt aber einer unserer Lieblinge – Patti Lee Smith, multitalentierte Ausnahmekünstlerin, Punk-Ikone, Henrix’n’Rimbaud-Fan, extraordinär, Schamanin und Visionärin. In „Just Kids“ erzählt sie die bewegte und anrührende Geschichte von Freundschaft, Survival, Kampf und Seelengleichklang. Der Weggefährte: Robert Mapplethorpe. Es ist ein charismatisches Paar und das Porträt einer aufregenden Zeit, als New York entscheidendes Epizentrum einer wahrhaft revolutionären Jugendkultur war.
Beiden war sehr früh klar, dass sie „Künstler“ sein wollten. Smith kam aus bescheidensten, aber liebevollen Verhältnissen, Mapplethorpe aus gut situierten, aber emotional verkrusteten. Smith zog es, früh der Literatur verfallen, ohne Geld und ohne Job, im Sommer 1967 nach New York mit nur einem Ziel: endlich die Heroine ihres eigenen Dramas zu werden. Sie vagabundierte, schlug sich abenteuerlich durch und traf schicksalhaft den „Jungen, der Michelangelo so liebte“. Sie wurden ein Paar, suchten sich eine Bleibe, wechselten diese häufig, bis 1969 das Wunder geschah: Im legendären Boheme-Hotel Chelsea wurde ein Zimmer frei. Für Inspiration, Ansporn, Austausch und Networking gab es zu dieser Zeit keinen geeigneteren Ort. Alles, was in der Gegenkultur Rang und Namen hatte, ging hier ein und aus und/oder blieb. Während sich Smith ganz der Lyrik verschrieb, experimentierte der Freund noch mit diesem und jenem.
1972 traf der extrem ehrgeizige Dreamboy Robert sein Dreamboat, den schwerreichen Kunstsammler Sam Wagstaff, der sein Lebenspartner wurde. Smith’ Karriere verlief „puristischer“, träumerischer, aber traumwandlerisch sicher. Rührend zu lesen, was ihre damalige Naivität in Sachen Homosexualität und S&M betrifft. Mapplethorpe driftete gezielt in die High-Jetset-Society ab, Smith schließlich in den Rock’n’Roll, den sie mit dem Schlachtruf „Drei Akkorde fusioniert mit der Macht des Wortes“ revolutionierte. Die gesellschaftlichen Umgangsformen waren ziemlich unterschiedlich: Sie gingen nun gemeinsam getrennte Wege, und beide wurden Stars. „Warum kann ich nicht etwas schreiben, das die Toten zum Leben erweckt?“, sinniert Smith betrübt. Mit diesem elegischen, liebevollen Buch beschwörender Erinnerung beweist sie allerdings, dass das Werk Mapplethorpes nicht mit ihm endete und dass der Freund auf ganz besondere Weise am Leben ist.    

Egbert Hörmannn

Patti Smith, „Just Kids“, Kiepenheuer Witsch, 321 Seiten, 19,95 Euro


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