Buch
Südafrika, der bunte Kontinent – differenziert beschrieben
In seinem Buch „Nicht von hier und nicht von dort“ berichtet Robert von Lucius über Brüche und den Umbruch in Südafrika
© Mitteldeutscher Verlag Robert von Lucius
SIS 4.7. 2010 – „Viele Völker vereint“ lautet der Wahlspruch Südafrikas, von Nelson Mandela zur Regenbogennation deklariert – und tatsächlich sind am Kap zahlreiche Ethnien zu Hause: Menschen aus allen Ländern des afrikanischen Kontinents, daneben die Ururenkel und Ururenkelinnen der europäischen Kolonialmächte oder die Kinder indischer Einwander und Einwanderinnen.
Über diese Vielfalt, die Hoffnungen und Anlaufschwierigkeiten der jungen Demokratie berichtete Robert von Lucius zwischen 1987 und 2001 als Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aus Johannesburg. Aus Tausenden von Artikeln hat er genau 72 für sein Buch „Nicht von hier und nicht von dort“ ausgewählt, zusammen mit eigenen Fotografien und 30 Aufnahmen des Fotografen Jürgen Schadeberg.
„Umbruch und Brüche“ in Südafrika lautet der Untertitel, denn den politischen Umbruch, das Ende der Apartheid, erlebte der Autor vor Ort. Seine Reportagen machen den schwierigen Prozess der Versöhnung deutlich und stellen wichtige Politikerinnen und Politiker vor, etwa die aus Litauen stammende Jüdin Helen Suzman und natürlich den von allen bewunderten Nelson Mandela oder den Erzbischof Desmond Tutu. Doch von Lucius beschränkt sich nicht auf die Politik, sondern berichtet vor allem mitten aus der Gesellschaft heraus, aus Townships und Jazzlokalen; er beschreibt die Probleme der etablierten Theater und Orchester und stellt neue Tanz- und Kunstprojekte vor.
Die Brüche Südafrikas werden durch anhand der 20 Porträts über Künstlerinnen und Künstlern lebendig – darunter sind die LiteraturnobelpreisträgerInnen Nadine Gordimer und John M. Coetzee, die als „Mama Afrika“ weltberühmt gewordene Sängerin Miriam Makeba, und Pieter-Dirk Uys, der schwule Satiriker und Aids-Aktivist in Frauenkleidern. Die Detailkenntnis, mit der von Lucius Momente, Personen und Orte beschreibt, bringt ständig Überraschungen. Seine Begeisterung für Johannesburg etwa wird spürbar, wenn er die Stadt nicht als gefährlichen Moloch porträtiert, sondern als zwar „weniger sauber und sicher, aber auch weniger steril, freier, menschlicher, sprudelnder“.
„Nicht von hier und nicht von dort“ ist kein aus einem Guss geschriebenes Buch, aber dem Autor gelingt es, Südafrika auf leicht lesbare und spannende Art differenziert vorzustellen. Die Artikel reflektieren immer auch ihre Entstehungszeit und machen deutlich, welche großartigen Leistungen durch das Ende der Apartheid vollbracht wurden. ts/aw
Robert von Lucius, „Nicht von hier und nicht von dort. Umbruch und Brüche in Südafrika“, Mitteldeutscher Verlag, 2. Auflage, 238 Seiten, 19,90 Euro
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